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Veröffentlicht: 27.02.2013, 11:45 Uhr

Traditionen Über Gott und die Immobilien

Lagerfeuergespräche bei Glühwein und Punsch: Zum Biike-Brennen nach Sylt.

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© Freddy Langer Feuer auf dem Feld, Gelassenheit im Herzen: die Biike bei Morsum

Den Weg zur Biike wies uns das Licht. Ein orangefarbener Schein am Himmel, wie ein leuchtender Fetzen, der vom Sonnenuntergang zurückgeblieben war. Herausgerissen und irgendwie hängen geblieben im Schwarz der Nacht, hoch über dem Morsum-Kliff, wo er nun flatterte und flackerte. Es war der Widerschein eines Feuers, größer als ein Mehrfamilienhaus, aufgeschichtet aus Treibholz, Stroh und Pappkartons und einem ganzen Wald von vertrockneten Weihnachtsbäumen, die wie Zunder brannten und jetzt prasselten und knackten wie das Feuer in einem Kamin. Biike heißt auf Hochdeutsch Bake und bedeutet Feuerzeichen.

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Seit tausend Jahren gibt es diese Feuer auf Sylt. Um Geister zu vertreiben vielleicht. Um den Winter zu vertreiben vermutlich. Um die Götter gnädig zu stimmen für das Gedeihen der Saat, so darf man annehmen. Keiner weiß es ganz genau, auch wenn der Sylter Volkskundler Christian Peter Hansen Mitte des neunzehnten Jahrhunderts herausgefunden haben wollte, dass die Menschen in vorchristlicher Zeit „Weedke tiare“ in die Flammen gerufen hätten, gerichtet an den höchsten aller Germanengötter: „Wodan zehre“. Ethnologen widersprechen dem heute. Unbestritten hingegen ist Hansens Verdienst, die im Verglimmen begriffene Tradition neu angefacht zu haben.

Zündstoff Luxuswohnungen

Wir kamen zu spät. Weit voraus brannte das Feuer längst lichterloh, und der Wind trug über das platte Land nur noch das Ende einer Rede zu uns, allerhand friesische Vokabeln, deren Sinn wir allerdings auch direkt unter den scheppernden Lautsprechern nicht verstanden hätten, so fremd ist diese Sprache. Nur ein Wort fiel heraus, wie ein Geschoss, Zündstoff buchstäblich: Luxuswohnungen.

Dem Zauber solch eines großen Feuers kann sich niemand entziehen. Kein Wunder, dass sich der Brauch erhalten hat, auch wenn die Anlässe wechselten. Jede Epoche, so scheint es, hatte ihren eigenen Grund für die Flammen. Mal waren sie als Abschiedsfeuer gedacht für die Seeleute, die am Ende des Winters, als das Eis aufbrach, zur Waljagd Richtung Grönland segelten. Mal als Freudenfeuer während der Jul- und Fastnachtsspiele, um das herum man ausgelassen tanzte. Das war nicht immer zum Wohlgefallen der Kirche, vor allem nicht, wenn das Feuerfest mitten in die Fastenzeit fiel - was spätestens dann immer wieder passierte, nachdem sich die Sylter ein für alle Mal auf den 21. Februar als festen Termin geeinigt hatten, den Tag vor dem „Piddersdai“, dem Petritag also, an dem von alters her beim Thing Gesetze gesprochen wurden und Entscheidungen gefällt. Bisweilen wird nicht zuletzt deshalb behauptet, die Biike sei auch eine Art „nationales“ Feuer gewesen, Zeichen einer Sammlungsbewegung gegen das Eindringen einer neuen Zeit. Das ist nicht allzu fern von dem Eindruck, den dieser Tage die Veranstaltung rund um den Feuerhaufen am Ortsrand von Morsum machte.

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