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Toyoko Inn : Der japanischste Ort in ganz Frankfurt

Fast wie in der Mensa: Der Speisesaal schließt sich direkt an die Lobby an und ist eher funktional als heimelig. Bild: Frank Röth

Die Hotelkette Toyoko wagt sich mit Niedrigstpreisen auf den internationalen Markt. Was kann man für 39 Euro erwarten? Ein Selbstversuch im neuen Haus am Hauptbahnhof in Frankfurt.

          Japanische Gastlichkeit ist eine zwiespältige Sache. Manchmal landet man in einem Ryokan mit duftenden Tatamimatten, Onsen im Keller, liebevoll aufgeschütteltem Futon und endlosen Grünteevorräten, das ist die angenehme Variante. Und dann findet man sich unverhofft in einer Hygienebox für Geschäftsreisende wieder, wie ich einst in Nagasaki. Dort gab es kein zusammenhängendes Stück Fußboden, das groß genug gewesen wäre, um nur den Koffer aufzuklappen. Man braucht den Fußboden dort auch nicht, denn im Kopfende des Bettes war eine Steuerkonsole integriert, mit der man all die Funktionen des Zimmers zentral steuern konnte. Ich wollte keine Funktionen, nur Platz, klappte den Koffer schlussendlich vor der Toilette auf, und schlief auf einem rätselhafterweise mit Plastikpellets gefüllten Kopfkissen sehr schlecht, auch wegen der unablässig piependen Fußgängerampel vor dem Fenster. Ich kann einen Besuch in Nagasaki dennoch sehr empfehlen.

          Nun wagt sich die japanische Hotelkette Toyoko nach Deutschland, mit ihrer ersten Filiale außerhalb Asiens. Rund dreihundert Toyoko-Inn-Hotels gibt es in Japan, die überwiegende Zahl an Bahnhöfen gelegen, sieben in Korea, je eines in Kambodscha und auf den Philippinen. Seit etwa sechs Wochen gibt es auch eines gleich hinter dem Frankfurter Hauptbahnhof. Für den Kampfpreis von knapp vierzig Euro ist das Einzelzimmer mit Frühstück zu haben, Internet und „japanische Gastlichkeit“ inklusive, wie es die Werbung auf einer Frankfurter Straßenbahn verspricht.

          Eine Frauenquote von 95 Prozent

          Das erste Toyoko Inn eröffnete im Jahr 1986. Es schrieb sich auf die Fahnen, eine günstige, aber saubere, sichere und helle Unterkunft vor allem für Geschäftsleute zu bieten. Das muss eine Zeit gewesen sein, in der Bahnhofshotels dunkel, muffig und leicht angeschmuddelt waren. Vor allem wollte die Kette verlässlich sein: Wer bei Toyoko bucht, der muss sich überall auf die Qualität verlassen können. Die Hotels haben keine Restaurants, denn die Gäste sollten ermuntert werden, lokale Gaststätten aufzusuchen. Grund und Immobilie gehören nicht den Hotels, die leasen die Gebäude nur. Und etwa 95 Prozent der Angestellten sind weiblich, vom Zimmermädchen bis zur Geschäftsführerin.

          Für 39 Euro kann man hier einchecken. Zu empfehlen ist das vor allem asiatischen Gästen.
          Für 39 Euro kann man hier einchecken. Zu empfehlen ist das vor allem asiatischen Gästen. : Bild: Frank Röth

          In Frankfurt haut die Quote nicht so ganz hin, besonders beim sehr internationalen, vielsprachigen Servicepersonal, die Chefin Eriko Bonetti passt aber ins Schema. Direkt hinter dem Parkhaus und neben der Fernbushaltestelle, von der aus auch die Flughafenshuttles nach Hahn fahren, steht das neue Toyoko-Gebäude. Die Fassade ist in Brauntönen geklinkert und sieht nach typischer japanischer Klötzchenarchitektur aus, wie sie locker jedes Erdbeben übersteht. Die ebenfalls braunen Balkons kann man leider nicht betreten, sie sind den sehr nötigen Klimaanlagen vorbehalten. Die Lobby ist funktional, der sich anschließende Essbereich ist funktional, die Gänge sind funktional, die Zimmer sind ebenfalls funktional und näher am Wabenzimmer von Nagasaki als am Ryokan.

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