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Tourismus Das Online-Reisegeschäft kommt allmählich in Schwung

08.03.2005 ·  Noch immer buchen die meisten Touristen ihren Urlaub im Reisebüro. Doch zur Internationalen Tourismus-Börse schöpfen viele Online-Reisebüros Hoffnung. Gleich mehrere neue Anbieter kommen auf den Markt.

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Die Totenglocke für die deutschen Reisebüros läutete schon vor fünf Jahren: Zahlreiche Studien sagten damals einen Siegeszug des Internet im Tourismus voraus. Doch die Irrtümer von einst sind so gut wie vergessen. Mit mehr als 13.000 Reisebüros liegt Deutschland im klassischen Reisevertrieb weltweit noch immer an der Spitze.

Zur Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin schöpfen aber viele Online-Reisebüros, die seit Jahren mehr schlecht als recht wirtschaften, neue Hoffnung. Gleich mehrere neue Anbieter kommen auf den Markt. Alle großen Reisekonzerne bauen ihre Online-Angebot aus.

„Auf diesem Markt wird in noch einiges passieren“

Die vom Reisekonzern TUI mitgegründete neue Marke Touropa versucht sich als erster reiner virtueller Veranstalter: Nach Kundenvorgaben werden Reisen kurzfristig zusammengestellt und per Internet, Call-Center und TV verkauft. Anders als bei vielen Online-Reisebüros übernimmt Touropa wie ein klassischer Veranstalter die Garantie für die komplette Reise.

„Die großen Reisekonzerne haben sich lange Zeit im Internet zurückgehalten. Doch in den vergangenen zwei Jahren haben sie erkannt, daß das zunehmend wichtiger wird“, sagt Dominik Rossmann, Chef der Münchener Web-Forschungsgruppe Ulysses. „Und auf diesem Markt wird in nächster Zeit noch einiges passieren.“ Mit enormem Werbeaufwand will sich zur ITB auch das neue Reiseportal „weg.de“ plazieren. Einige Anbieter dürften aufgrund wachsender Konkurrenz nicht überleben.

Das Angebot ist oft identisch

Ulysses warnte vor Jahren vor allzu großem Online-Optimismus in der Touristik. Für 2004 rechnet Rossmann in Deutschland mit einem Online-Reiseumsatz für Flüge, Hotels oder Pauschalreisen von 6,65 Milliarden Euro - gegenüber 2003 ein Zuwachs von 36 Prozent. „In solchen Schritten dürfte es auch weitergehen“, sagt Rossmann. Doch reine Urlaubsreisen machen dabei erst 20 Prozent aus. Gemessen am touristischen Gesamtumsatz für 2004, den der Deutsche Reisebüro- und Reiseveranstalterverband auf gut 18 Milliarden Euro beziffert, wären dies weniger als zehn Prozent.

„Ein Problem ist, daß viele Internet-Anbieter mit der Buchungsmaschine von Traveltainment arbeiten“, sagt Rossmann. Damit ist das Angebot oft identisch, was ein Kunde nicht sofort merkt. „Wenn eine Reise bei einem Portal nicht mehr verfügbar ist, dann auch bei keinem anderen.“ Traveltainment aus Aachen gilt als erfolgreichste Internet-Buchungsfirma für Reisen und zählte 2004 gut 350.000 Kunden - trotzdem ist das nur ein Bruchteil der Reisenden aus Deutschland.

Kunden der Billigflieger sind neue Käufergruppe

Große Online-Reisebüros wie Lastminute oder Expedia gehören in der Internet-Wirtschaft noch immer zu den kleinen Akteuren. Klassische Verkehrsunternehmen wie Lufthansa oder die Bahn sind auch online Marktführer. Europas größter Reisekonzern TUI bietet mehr als 50 Internetseiten. „Daß das Online-Geschäft an den großen Reiseveranstaltern bislang vorbeigegangen sein soll, ist eine Mär“, sagt TUI-Sprecherin Stefanie Rother. Fremde Online-Reisebüros bekommen nur einen Teil des TUI-Angebots - und das erst sechs Wochen vor Reisebeginn.

Den eigenen Internet-Umsatz steigerte TUI 2004 europaweit um fast 75 Prozent auf gut 1,25 Milliarden Euro. Doch auch das entspricht erst zehn Prozent des Touristikumsatzes. Enthalten sind darin auch Flüge der konzerneigenen Billigfluglinien. Denn nicht die klassische Reisebranche, sondern die Billigflieger, die ihre günstigen Tickets überwiegend online anbieten, haben für die Trendwende gesorgt. Viele Internet-Kunden der Billigflieger sind nun auch für die Reisebranche eine neue Käufergruppe, die sie über Reisebüros womöglich nicht erreichen.

Kopplung von Flug und Hotel ist schwierig

Weiterhin gilt: Längst nicht jeder, der im Internet sucht, bucht auch. „Die Erfolgsfaktoren im Internet sind Einfachheit, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, flexible Vielfalt und starke Marken“, sagt Rossmann.

Bislang werde es meist schwierig, wenn Bausteine wie Flug und Hotel miteinander gekoppelt werden. Rossmann: „Die spannende Frage wird also sein, ob ein virtueller Veranstalter wie Touropa tatsächlich funktioniert.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters
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