28.12.2011 · Diskretion ist eine hohe Kunst, die in unserer schwatzsüchtigen Welt immer mehr verloren geht. Das ist ein großes Unglück. Zum Glück gibt es noch einen Ort, der weiß, wie wertvoll Verschwiegenheit ist: Klosters in Graubünden.
Von Jakob Strobel y SerraAnna-Ursina weiß alles und sagt nichts, jedenfalls nicht ungefragt. Dabei ist in vierzig Jahren als Privatskilehrerin des europäischen Hochadels und der interkontinentalen Hochfinanz ein ganzes Gebirge an Pikanterien zusammengekommen, Tragisches und Tratschiges aus den Abgründen des Allzumenschlichen, Lächerliches und Leidvolles über Alkohol-, Drogen-, Mager-, Spiel-, Sex- und allerlei andere Süchte. Da könnte man ganze Bücher schreiben. Doch Anna-Ursina erzählt lieber von ihren sieben Enkeln, schwärmt von den Skihängen hoch über Klosters und schüttelt höchstens ganz nebenbei und ganz ohne Hintergedanken eine Anekdote wie jene von der Fürstin und der Kuh aus dem Ärmel: Eines Tages rief eine ihrer Stammkundinnen, eine illustre Repräsentantin der deutschen Spitzenaristokratie mit mindestens siebensilbigem Nachnamen, ihren Mann an, um ihm huldvoll mitzuteilen, dass sie geruht habe, den jüngsten fürstlichen Hund nach dem Gatten der Skilehrerin zu benennen - woraufhin dieser mit einem Humor so trocken wie Bündner Fleisch antwortete, dass sich das ja gut treffe, denn in seinem Stall stehe schon lange ein Rindvieh, das auf den Namen von Ihro Hochwohlgeboren höre.
Wir leben in einer indiskreten Welt, in der Verschwiegenheit nicht mehr als Tugend, sondern als Makel gilt und Menschen wie Anna-Ursina kostbare Raritäten sind. Wir erleben gerade, wie Facebook die Tyrannei der totalen Privatheit errichtet, Wikileaks Treibjagd selbst auf die gesündesten Geheimnisse macht, die Piratenpartei mit einem einzigen Slogan, dem vergifteten Versprechen von Transparenz, Sensationserfolge feiert und ein sogenannter Internetguru wie Jeff Jarvis unter Applaus statt Schlägen solche ungeheuerlichen Sätze sagen darf: „Wer etwas aus der Öffentlichkeit herausnimmt, der stiehlt von uns allen.“ Wir müssen mitansehen, wie Jean-Jacques Rousseaus und Immanuel Kants idealistischer Traum einer vollkommen aufrichtigen und durchsichtigen Gesellschaft von schamfreien Mobiltelefonquatschern und profilneurotischen Internetverstopfern zur Despotie des Öffentlichen pervertiert wird. Wir verschleudern gedankenlos unser ureigenes Recht auf seelisches Privateigentum, in dem Georg Simmel, der Ahnherr der Soziologie, die Grundvoraussetzung für jedes funktionierende Gemeinwesen erkannt hatte. Und wir feiern das alles auch noch als Fortschritt.
Anna-Ursina kennt weder Simmel noch Jarvis und gewiss auch nicht den Herzog von La Rochefoucauld, der sich fragte, wie wir nur annehmen könnten, dass ein anderer unser Geheimnis hüten werde, wenn wir es doch selbst nicht hüten könnten. Doch sie ist eine lebenskluge, leutselige Frau Anfang sechzig, die auf Skiern unter Missachtung ihres zweiten Vornamens nicht wie eine Bärin, sondern wie eine Gazelle wirkt und die genau weiß, wann es geboten ist, ein Geheimnis schweigend zu bewahren. Dabei redet sie gerne, über ihr Doppelleben als Skilehrerin und Bäuerin zum Beispiel. Dreißig Jahre lang musste sie jeden Tag um halb fünf aufstehen, dann drei Stunden lang melken, danach auf die Piste und abends noch einmal für zwei Stunden in den Stall, Jahr für Jahr ohne einen einzigen Tag Urlaub. Den hätten sie und ihr Mann neulich nachgeholt, Richtung Meran seien sie gefahren, ihre stark verspätete Hochzeitsreise. Es war, bis sie das Vieh weggaben, ein Leben zwischen Milchkühen und Millionären, Heumachen und High Society, das Anna-Ursina mit der Lakonie und der Langmut eines tief in sich selbst ruhenden Menschen meisterte.
Von all den Fürsten und Lords und Prinzessinnen unter ihren Schülern, an deren Namen sie sich schon gar nicht mehr erinnern kann, redet sie so unaufgeregt und prominenzresistent, als seien es die Nachbarn im Dorf. Anna-Ursina macht sich nicht kleiner, als sie ist, wird im Abglanz der Berühmtheiten keinen Millimeter größer, als sie sein will, und kann, wenn es sein muss, ihrer Gutmütigkeit auch eine Verschnaufpause gönnen: Die meisten ihrer hocharistokratischen Klienten seien sehr umgängliche, zuvorkommende Menschen, sagt Anna-Ursina, nur diese eine, diese Marisa de Borbón aus dem spanischen Königshaus, das sei eine Zicke gewesen, die sie wie einen Hund behandelt habe. Aber wir sollten ja nicht glauben, sie habe sich das gefallen lassen.
Dafür sei diese schottische Familie ganz entzückend gewesen, mit der sie einmal im Lift über die ständig steigenden Heizkosten geplaudert hätte. Sie heize ja inzwischen mit Holz, die Schotten aber benutzen Öl. „Und dann sagen die mir, dass sie pro Jahr zweihunderttausend Liter brauchen, und ich sage abends zu meinem Mann: Du, die müssen in einem Schloss wohnen“ - goldrichtige Vermutung, denn nach den Winterferien schickten die Kinder artig Dankeskarten an ihre Lehrerin, auf denen ihr Heim abgebildet war: Thornton Castle, Stammsitz des ruhmreichen Clans Strachan, nicht gerade ein Einfamilienhaus.
Manche ihrer Stammkunden seien sogar Freunde geworden, sagt Anna-Ursina ganz ohne Koketterie, so wie der verrückte Paul, dieser Pistenraser, steinreicher Anwalt aus Amerika, der habe jetzt schon wieder geheiratet und mit fünfundsiebzig noch ein Kind bekommen, das gehe doch nicht. Und niemals vergessen werde sie ihren Ausflug nach Lillehammer 1994 kurz vor den Olympischen Spielen: Anna-Ursina, habe Paul gesagt, du musst die Pisten in Norwegen einmal kennenlernen - also nichts wie los, frühmorgens mit dem Taxi zum Züricher Flughafen, dann mit Pauls Privatmaschine nach Oslo, weiter in der Limousine nach Lillehammer, ein paar Stunden Ski fahren, und abends zum Melken war sie wieder daheim.
Solche Extravaganzen sind die Ausnahme in Klosters, dem Skiort der klandestinen Reichen und unsichtbaren Schönen, dessen Lebensmaxime das kategorische Understatement ist. Die Rolex, sagen die Leute hier, trage man selbstverständlich unter dem Anorakärmel und nicht darüber wie im neureichen, pelzprotzigen, selbstverliebten St.Moritz. Und wenn man einmal einen Bentley in den Straßen sehe, dann nur deswegen, weil der Ford Escort gerade in der Werkstatt sei.
Prunksucht ist Klosters ein Graus, das sich den Anschein eines ganz normalen, wenngleich außergewöhnlich hübschen und dazu noch uralten Graubündner Dorfes gibt. Hier ist kein Platz für Paläste oder Boutiquen-Prunk und noch nicht einmal für Fünfsternehotels. Chalets reichen auch, mit Satteldach, Holzbalkon, gottesfürchtigem Sinnspruch unterm Giebel und den typischen, grauweißen Sgraffito-Verzierungen aus kunstvoll gekratztem Putz an den unscheinbaren Fassaden, hinter denen sich rustikaler Luxus diskret verbergen lässt. Eine Handvoll dieser Chalets kann man auch mieten, das „Eugenia“ zum Beispiel, sehr nett und sehr großzügig. Vierzig- bis achtzigtausend Euro pro Woche nimmt sein Besitzer, irgendein Baron aus deutschem Geschlecht, der es jetzt aber verkaufen will für zehn, zwölf Millionen. Es geht natürlich auch viel billiger auf dem Ferienwohnungsmarkt, vier Zimmer, hundert Quadratmeter, zwei Millionen Franken, wir sind schließlich nicht nur in der Schweiz. Wir sind in Klosters.
Sein Geld zu zeigen ist keine Kunst. Das Gegenteil ist es, und Klosters beherrscht das Spiel der Untertreibung mit einer fast schon perfiden Meisterschaft. Statt Glitzerglanz und Pelzparaden gibt es den biederen Geschenkartikelladen „Déjà vu“, der Kuhglocken, Armeetaschenmesser und Kitschplüschtiere vom Krabbeltisch verkauft. Die Dorfdrogerie wirbt mit dem schönen Reim „Für Ihr Wohlbehagen den Drogisten fragen“, führt viel mehr homöopathische Kügelchen als teures Parfüm und bedient das schwedische Königspaar auch nicht anders als Leute wie Anna-Ursina. In den Sportgeschäften endet die Preislatte für die besten Skier bei fünfzehnhundert Franken, das reiche auch völlig aus, sagt der Verkäufer, diesen unsinnigen Zehntausend-Franken-Schnickschnack mit Granitkern im Karbonmantel könne man vielleicht in Gstaad oder St.Moritz einer prestigesüchtigen Klientel andrehen, aber nicht hier. In der Modeboutique dominieren Trachten mit aufgestickten Steinböcken, „eben kernige Sachen“, wie die Angestellten meinen, die auf die Frage nach prominenter, aus Funk und Friseurlektüre bekannter Kundschaft erst einmal ins Grübeln geraten und dann Namen wie Vanessa Mae oder Rowan Atkinson aus dem Gedächtnis hervorkramen, das sei dieser Mister Bean, man wisse schon - es sind ganz einfach Namen für sie, keine Trophäen und schon gar kein Grund zur Hysterie oder sogar zum Fotohandyzücken.
Und der Juwelier, bei dem es auch nicht viel anders aussieht als bei jedem Dorfgoldschmied, gesteht mit zögerlichem Lächeln, dass sein Sortiment bei einer Swatch für hundert Franken beginne und ganz weit oben ende, also er rede jetzt schon von größeren Millionensummen, wolle aber nicht präziser werden und auch über seine Kunden schweigen. Er könnte jetzt Namen nennen, da würden wir nur staunen, doch er sage nur so viel: „High end and low key.“ Schließlich sei Diskretion das größte Kapital von Klosters. Hier könnten Weltberühmtheiten ganz normales Leben spielen, und wir könnten uns gar nicht vorstellen, wie sehr sie es liebten, im Coop-Supermarkt gegenüber einkaufen zu gehen. Es ist der wahr gewordene Traum der Egalität, nur eben nicht geträumt von uns Habenichtsen, sondern von den Überprivilegierten, deren größter Luxus unsere Normalität ist, hergerichtet für sie ohne Missgunst und Neid unter einer großen Glocke komplizenhafter Verschwiegenheit.
Das Schweigen fällt den Leuten im Walserdorf Klosters nicht schwer, denn der Walser sitzt auf seinem Mund, wie ein Sprichwort sagt. Doch nach ein paar Tagen hier begreift man, dass die Kunst der Diskretion, die für den Heiligen Benedikt die höchste aller Tugenden war, viel mehr als bloßes Klappehalten ist: nicht nur wissen, ohne zu reden, sondern auch schweigen, ohne geheimniskrämerisch oder wichtigtuerisch, ohne zynisch oder erfurchtstarr zu werden. Man stößt in Klosters auf sogar uralte, längst ausgestorben geglaubte Charaktereigenschaften, auf Taktgefühl zum Beispiel, das - wie Arthur Schnitzler einmal sagte - nichts anderes als die Fähigkeit ist, die Fehler der anderen nicht zu bemerken. Wer in Klosters nach Kokain und Call-Girl-Orgien fragt, wird nur ein freundliches Lächeln, ein überzeugendes Achselzucken und einen wohlgemeinten Hinweis auf die „Casa Antica“ ernten, den einzigen Nachtclub im Dorf, der aber, Gott bewahre, ein klassischer Klub zum Tanzen und Trinken ohne Tabledance und andere Unzucht sei. Das ist die einzige Wahrheit, die gilt, selbst wenn sie ein Kind der Lüge wäre - ein legitimes allerdings ganz im Sinne Arthur Schopenhauers, der für sich und alle anständigen Menschen das Recht auf Lüge reklamierte, sofern sie die „Notwehr gegen unbefugte Neugier“ ist.
Die Neugier der Klatschreporter sei fürchterlich, das seien freche, lästige Menschen, nein, mit der Presse dürfe man ihr gar nicht kommen, da habe sie nichts Schmeichelhaftes zu sagen, sagt Ruth Guler, Wirtin des Hotels und Restaurants „Wynegg“, eine Legende in Klosters, hoch betagt und inzwischen leider schlecht zu Fuß, aber immer noch eine imposante Erscheinung, eine kolossale Frau mit schlohweißem Haar und durchdringendem Blick. Sie ist die Dompteuse der gesamten britischen Hocharistokratie, die in ihrer Bauernstube Schulter an Schulter bei Hausmannskost zusammenhockt und sich wie Schulbuben so lange gegenseitig mit Brotkrumen bewerfen dürfen, bis Ruth Guler basta ruft. Seit den fünfziger Jahren geht das schon so, als Klosters „Hollywood on the rocks“ genannt wurde, weil sich hier die amerikanische Film- und die europäische Intellektuellenprominenz auf den Skiern stand, Audrey Hepburn und Gloria Swanson, Deborah Kerr und Mel Ferrer, Juliette Greco und Roger Vadim, Yul Brunner und Greta Garbo, die in Klosters immer nur die „Gretli“ gewesen und mit Ruth Gulers Cousine Hosen kaufen gegangen ist.
Seit jenen Tagen herrscht die unerbittliche Frau Guler mit harter Hand und doch gütigem Geist im „Wynegg“, wird dafür gefürchtet und geliebt, wischt aber alle Komplimente unwirsch beiseite, will mit diesen ganzen Schönen und Reichen überhaupt nicht fraternisieren und hat sich dann doch breitschlagen lassen, als Prinz Charles sie zur Hochzeit mit Diana einlud. Ist das wirklich so gewesen, dass der englische Thronfolger höchstpersönlich die Wirtin vom „Wynegg“ zur Traumhochzeit des zwanzigsten Jahrhunderts gebeten hat? Ja, ja, das stimmt schon. Und wie war es denn so in London, da wären doch ein paar Millionen Menschen auch gerne dabei gewesen? Ach ja, ganz nett, aber weiter nicht der Rede wert. Und dann redet Ruth Guler wieder über Wichtigeres, über ihre schlimme Ahnung etwa, dass es in diesem Winter zu wenig schneien wird.
Das Lieblingshotel im Lieblingsort von Prinz Charles ist der „Walserhof“, ein adrettes, aber alles andere als pompöses Hotel in Pensionsgröße an der Hauptstraße schräg gegenüber der Dorftankstelle. Die Fassade ist mit Sgraffiti dezent verziert und mit dem üblichen Holpersinnspruch geschmückt: „Haben Walser Holz und Stein, so bauen sie daraus ein gemütliches Heim.“ Man hätte, passend zum Lebensphilosophie von Klosters, auch das Sprichwort „Verschwiegenheit nutzt alle Zeit, Geschwätzigkeit bringt Herzensleid“ an die Fassade malen können, die dem berühmtesten Stammgast des Hauses den Schutz größter Diskretion gewährt. Ein paar handsignierte Fotos von Charles und seinen Brüdern an der winzigen Rezeption, und das war es auch schon mit dem Personenkult um den Thronfolger des Empire.
Im Urlaub mag er es anscheinend unkompliziert. Die Prinzenlogis jedenfalls hat überhaupt nichts Hocharistokratisches, dafür bescheidene Zimmer mit astlochübersätem Fichtenholzmobiliar, Bädern aus dem Baumarkt, handgemalten Fluchtwegplänen an der Tür und altem Küchenmessingkrempel als Dekoration - ein Haus ohne einen Hauch von Grand-Hotel-Glamour, das auch schon Tina Turner und Naomi Campbell Obdach gegeben hat und dem Chef des weltgrößten Zementherstellers gehört, einem alten Klosters-Freund, seit dieser dort einmal offensichtlich sehr zu seiner Zufriedenheit gespeist hat. Das ist kein Wunder, denn das Restaurant ist ein Hort königlichen Vergnügens, weil dort der hochdekorierte Armin Amrein kocht, der die Küche Graubündens meisterhaft in das purpurne Gewand der Haute Cuisine kleidet und alleine wegen seiner lebenslanges Glück spendenden Bündner Hochzeitssuppe in den kulinarischen Adelsstand erhoben werden muss.
Der Prinz sei ein angenehmer, unauffälliger, wohlerzogener Gast, sagen die Wirtsleute, der viel weniger Aufhebens um sich mache als die Sicherheitsleute in seinem Schlepptau. Mehr gebe es eigentlich nicht über Seine Königliche Hoheit zu sagen, über die man sich dafür im Dorf eine schöne Geschichte erzählt: Als er einmal in den Bergen unterwegs war, traf er zufällig ein altes Mütterchen, das gerade ihre Müllsäcke vor die Tür stellte und Charles nicht erkannte. Sie rief ihm zu, dass er ihr gefälligst dabei helfen solle, die Kehrichtsäcke zur Sammelstelle zu tragen. Der Prinz hat das auch brav getan und später strahlend gesagt: „Finally, I am a human being.“
Der Charles, der sei ein Draufgänger, sagt Anna-Ursina im Sessellift, ein ganz verwegener Skifahrer, der immer seinen alten Overall trage und am liebsten durch den Tiefschnee rase oder Skitouren bis hinüber nach Österreich mache. Dafür sei Klosters nämlich berühmt, für sein herrliches Geländeskifahren, einen ganzen Winter lang könne man jeden Tag eine andere Tiefschneeabfahrt finden. Und dann deutet Anna-Ursina mit leuchtenden Augen nach links und nach rechts und hinauf zum Weißfluhgipfel und hinunter auf schartengleiche, rabenschwarze Talabfahrten und will gar nicht mehr aufhören mit dem Schwärmen, während wir an lauter Liftmasten vorbeikommen, an denen die lokalen Kleinbetriebe um Lehrlinge werben - Jetset-Glamour sieht wirklich anders aus.
Dann will uns Anna-Ursina ihre Lieblingspiste zeigen. Wir aber wollen viel lieber ihre Lieblingsgeschichte hören, Anna-Ursina, bitte, bitte. Also gut, nicht ihre Lieblingsgeschichte, dafür aber die von diesem wahnsinnig reichen, notorisch lüsternen Nordamerikaner, der immer für drei Wochen nach Klosters kommt und jede Woche eine neue Freundin vom Flughafen abholt. „Die sehen alle gleich aus, blond, dünn, Riesenbrüste, ich glaube, die kann man in einem Buch bestellen, das kostet fünfzehntausend plus einen Ring zum Abschied. Aber Skifahren können die alle nicht, und ich muss denen immer Anfängerstunden geben. Und da ist mir irgendwann der Kragen geplatzt, und ich habe mit dem Peter fürchterlich geschimpft und ihm gesagt: Das nächste Mal schaust du gefälligst bei den Mädchen nicht auf die Titten, sondern ob sie Skifahren können.“