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Sterne gucken in Südafrika Das Ende der Milchstraße naht

 ·  Nur wenige Orte auf der Welt erlauben einen so klaren Blick ins Weltall wie die südafrikanische Halbwüste Karoo. Sie ist ein Logenplatz für alle Sternengucker, gleich ob Profis oder Hobbyastronomen.

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Kurz vor Sonnenuntergang tauchten am tiefblauen Himmel Wolken auf, doch die Einheimischen geben Entwarnung: „Hier regnet es nie um diese Jahreszeit.“ Als es aber dunkel wird und die Sterne anfangen zu blinzeln, bricht plötzlich das Gewitter los - ein gewaltiger Blitz, dann der mächtige Donner unmittelbar darauf. Das Unwetter ist nicht herangezogen, sondern hat sich einfach über unseren Köpfen zusammengebraut. Es ist eine seltene Wetterkapriole, für die niemand eine Erklärung weiß. Die Beobachtung des abendlichen Sternenhimmels fällt aus und muss um vierundzwanzig Stunden verschoben werden.

Das passiert sonst so gut wie nie, denn die Halbwüste Karoo im südlichen Afrika ist eine perfekte Plattform für den Blick ins Weltall und auf den flimmernden Glanz der Galaxien. Mehr als dreihundert wolkenlose Tage und Nächte im Jahr bescheren den Besuchern Logenplätze unter dem Firmament, das in der südlichen Hemisphäre eine weitaus größere Pracht entfaltet als auf der Nordhalbkugel. Denn hier schaut man direkt auf das Zentrum der Milchstraße und den Spiralarm, in dem sich unser Sonnensystem befindet. Außerdem ist die Lichtverschmutzung in der Karoo minimal; weit und breit verwischt keine künstliche Helligkeit die Strahlung aus dem All. Die Sternwarte des South African Astronomical Observatory auf einem Berg am Rande des Wüstennestes Sutherland nutzt diesen freien Himmel für wissenschaftliche Beobachtungen, und die Reisenden ergeben sich nachts der überwältigenden Magie der Sterne.

Ein gottverlassener Landstrich

Der Weg dorthin ist freilich steinig und staubig. Er führt von Westen her durch die Cederberg Mountains, die die atlantische Feuchtigkeit blockieren und von der Karoo fernhalten. In diesem kargen Gebirge aus Felsen, Sand und roter Erde wächst nur niedriges, von der Sonne ausgetrocknetes Gestrüpp. Ein gottverlassener Landstrich, denkt man. Doch einer der unscheinbaren Wüstensträucher birgt einen seltenen Schatz: Der Rotbusch liefert mit seinen Zweigen und Blättern den Rohstoff für den Rooibostee, für dessen Herstellung Südafrika das Monopol besitzt. Denn der dürre Strauch gedeiht seltsamerweise nur in den Cederberg Mountains. Alle Versuche, ihn in den Bergwüsten Australiens oder Amerikas zu kultivieren, sind gescheitert. Offenbar benötigt er genau die Dosis aus sandigem Boden, trockener Hitze, kühlen Nächten und einem kleinen Schuss Winterregen, die sein Wachstum im südlichen Afrika befördert.

Jenseits der Cederberg Mountains beginnt die Bergwüste der Karoo, eine Hochebene, aus der hin und wieder ein kolossaler Tafelberg herausragt. Aus roter Erde, vulkanischem Boden und Schiefergestein quälen sich auch hier kümmerliche Pflanzen hervor, die sich der erbarmungslosen Sonne aussetzen und auf den ersten Blick kaum voneinander zu unterscheiden sind. Fynbos nennen die Einheimischen in der Sprache der Buren dieses Gestrüpp, in dem Botaniker allerdings mehr als hundert Arten identifizieren: Melkbos, Bitterbos und Spekbos, Brandbossie, Botterblom und Spinnekopie, Plakkie, Olifantsgras, Haasgras, Watterosies oder Slangappel - gehaltvolle Namen für eine dürre Vegetation.

Eine flackernde Kerze auf dem Mond

Mittendrin in dieser Einöde döst auf fünfzehnhundert Meter Höhe Sutherland vor sich hin, das einzige Dorf weit und breit. Siedler kamen immer wieder hoffnungsfroh hierher und gingen enttäuscht, Farmen wechselten den Besitzer im Jahresrhythmus, Generationen haben sich mit der trockenen Erde abgemüht und doch nicht viel herausgeholt. Dann kam 1974 die Sternwarte. Südafrika, Deutschland, Polen, England, Japan, Korea und die Vereinigten Staaten betreiben seither gemeinsam dieses Observatorium und haben inzwischen achtzehn Teleskope installiert, darunter das Southern African Large Telescope, mit elf Meter Durchmesser und einundneunzig Spiegeln eines der stärksten optischen Teleskope überhaupt. Es offenbart Lichtquellen, die eine Milliarde Mal schwächer sind, als vom menschlichen Auge wahrnehmbar, und könnte eine flackernde Kerze auf dem Mond entdecken. Die Beobachtung der Sonne und die Suche nach neuen Planeten stehen im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeit.

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (3)

20.11.2012, 08:19 Uhr

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