Nichts für schwache Nerven ist der knapp halbstündige Spaziergang auf den Spuren des "Dritten Mannes" durch die Wiener Unterwelt. Der Filmklassiker machte das breit ausgebaute Kanalnetz der Stadt weltberühmt, das als malerisch-gruselige Kulisse für das Katz- und Maus-Spiel zwischen Orson Welles und Joseph Cotton diente.
An der U-Bahn-Station Karlsplatz gegenüber der Kunsthalle führt eine Falltüre ins Reich der Finsternis. Über eine schmiedeeiserne Wendeltreppe gelangt man hinab ins Kanalnetz der Donaumetropole, zwanzig Meter unterhalb des Naschmarktes. Die Abwässer der Millionenstadt rauschen durch enge Röhren und unter engen Brücken hindurch, auf denen die Besucher den Erzählungen des Fremdenführers lauschen. Die modrig feuchten Gänge sind in diffuses Licht getaucht, an jeder Ecke könnte der Schmuggelkönig Harry Lime leibhaftig erscheinen. Filmfans können übrigens den Spaziergang durch die Kanalisation auch im Paket mit einer gut zweistündigen Führung auch zu den oberirdischen Schauplätzen des Filmklassikers buchen. Info: Wiener Tourismusverband, Tel. 0043/1/21114-222, http://www.wienguide.at/d/fwalk.htm
Berliner Bunker
Auch in Berlin führen organisierte Spaziergänge durch das von Tunnel und Geisterbahnhöfen durchzogene Erdreich. Der U-Bahnhof Gesundbrunnen ist im Sommer jeden Samstag (bis Mai jeden 1. Samstag im Monat) Ausgangspunkt der erlebnisreichen Tour "U-Bahn-Bunker und Kalter Krieg". Eineinhalb Stunden dauert der Spaziergang, bei dem zwei Bunkeranlagen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs erforscht werden. Info: Verein "Berliner Unterwelten", Tel. 030/31509865. Erste Einblicke unter http://www.berliner-unterwelten.de.
Luxemburger Kasematten
Die ehemaligen unterirdischen Befestigungsanlagen sind in Luxemburg eine Attraktion für "Unterweltler". Von Mai bis Oktober sind die Kasematten im Bockfelsen für Besucher geöffnet. Die weitläufigen, durch Brückenteile verbundenen Räume aus dem 18. Jahrhundert konnten Tausende von Soldaten samt Ausrüstung und Pferden aufnehmen. Sie beherbergten Schlachtereien und Werkstätten, Küchen und Backstuben.
Insgesamt existieren unter der Stadt noch rund 17 Kilometer Kasematten, teilweise über mehrere Stockwerke verteilt. Besonders reizvoll an der in Europa einzigartigen Befestigungsanlage sind die Ausblicke durch Schießscharten und Maueröffnungen - die Kasematten wurden nämlich hoch über dem Alzettetal in den Berg getrieben. Eine ausführliche Informationsbroschüre zum Thema ist beim Verkehrsverein der Stadt Luxemburg erhältlich. Info: Verkehrsverein, Tel. 00352/222809 und http://www.luxembourg.de/html/body_kasematten.html.
Pariser Katakomben
Gänsehaut und ein bisschen Grusel überkommt Pariser Stadtspaziergänger, die in den Abgrund von Montparnass hinabsteigen. 91 Stufen führen vom Eingang nahe der Metro Station Denfert-Rochereau hinab in die Katakomben: Dort stapeln sich die Schädel und Gebeine von mehr als sechs Millionen Menschen. "Vor mehr als 200 Jahren wurden die Leichen aus hygienischen Gründen von anderen Friedhöfen dorthin gebracht und säuberlich übereinander gestapelt . Die nachfolgenden Jahre der Französischen Revolution sorgten für viele weitere Bestattungen in den Katakomben.Info: Tel. 0033/1/43224763 und http://www.multimania.com/houze/english/.
Kühle Katakomben in Rom
Gleich mehrere unterirdische Friedhofsanlagen verschaffen in Rom an heißen Sommertagen willkommene Abkühlung beim Stadtbummel, beispielsweise die Domitilla-Katakomben in der Via delle Sette Chiese und die San-Sebastiano-Katakomben in der Via Appia Antica. In der selben Straße liegt auch die Katakombe von San Callisto, die größte der derzeit für Besucher zugänglichen Anlagen.
Über vier Geschosse erstreckt sich dieses Gräberlabyrinth, in dessen 150.000 Gräbern auch viele Heilige bestattet sind. Besonders beeindruckend sind in der nur teilweise erforschten Katabombe die Krypta der Päpste und die Krypta der heiligen Cecilia. Info: Tel. 0039/06/51301580. Ausführliche Informationen bei http://www.vati-kann.de/katakomben/intro_td.html.
Wem der unterirdische Besuch zu morbide erscheint, kann auch eine virtuelle Führung vom heimischen Computer aus durch die christlichen Katakomben Roms erhalten: http://www.catacombe.roma.it/galleria/deutsch/index.html