04.08.2002 · Sonnige Küsten und weiße Dörfer, unberührte Landschaften und kulturelle Schatzkästchen: Abseits der belebten Strände und Urlauberstädte an der Algarve ist Portugal ein ideales Ziel für Entdeckernaturen geblieben.
Von Rudi StalleinBizarre Klippen und türkisblaues Meer, weite Strände, schmale Buchten und bunte Fischerboote: Wer an Portugal denkt, dem fällt als erstes die Algarve ein. Die sonnenverwöhnte Felsküste zwischen Faro und dem windumtosten Cabo de Sao Vicente ist ein Paradies für Badeurlauber.
Die Bilderbuchstrände sind jedoch nur eine Seite Portugals. Kaum fünfzig Kilometer von den Badeorten entfernt taucht der Reisende in eine andere Welt ein. Im Alentejo scheint die Zeit stehen geblieben zu sein: Kornfelder, Korkeichenwälder und Olivenhaine so weit das Auge reicht, dazwischen liegen verstreut einige Dörfer und Städtchen in der einstigen "Kornkammer" des Landes. Es ist eine Landschaft mit zwei Gesichtern: Einsam und karg präsentiert sich der Süden rund um die Stadt Beja, mit grünen Hügel und verträumten Bergdörfern geschmückt der nördliche Teil.
Von der Heimat des Portweins...
Herber Charme und süßer Wein sind die besonderen Reize Portos. Die Portweinmetropole am Douro drängt immer mehr aus dem Schatten Lissabons, im Jahr 2001 trug sie sogar den Titel Kulturhauptstadt Europas. Trotzdem ist die verwinkelte Altstadt noch immer so etwas wie ein Geheimtipp für Städte-Liebhaber. Wie Schuhkartons in einem Schaufenster staffeln sich die bunten Häuser am Flussufer. Mehrere Brücken führen über den Douro nach Vila Nova de Gaia, wo rund 30 Portweinkellereien zur Besichtigung und Verkostung einladen. Wer sich anschauen will, wo die Trauben wachsen, der macht einen Ausflug ins Douro-Tal - mit dem Mietwagen oder einem der Schiffe, die am Cais da Ribeira starten.
...die grüne Küste entlang...
Ursprüngliches Portugal erleben Besucher an der Costa Verde, der "grünen Küste", die sich von Porto bis zur spanischen Grenze erstreckt. Hügelauf und hügelab geht es auf kurvigen Straßen durch reine Natur, vorbei an terrassenförmig angeordneten Feldern, durch winzige Dörfer mit imposanten Granitsteinkirchen. An Flussufern und auf Berghügeln reihen sich trutzige Burgen, verspielte Schlösser und feudale Landsitze. Viele sind zu besichtigen, einige bietet sogar noble Übernachtungsmöglichkeiten.
...in das Portugal der Kirchen und Paläste
Kultur gefällig? Auch davon bietet Nordportugal reichlich. In Viana do Castelo beispielsweise lockt die Wallfahrtskirche Santa Luzia; eine Burg aus dem 12. Jahrhundert und der gotische Palast der Herzöge von Braganca sind die Attraktionen in Guimaraes. Gut zwei Dutzend Kirchen stehen allein in Braga zur Wahl. Der größte Anziehungspunkt liegt jedoch ein paar Kilometer außerhalb - die Wallfahrtskirche Bom Jesus do Monte. Die prächtige Treppenanlage der barocken Kirche ist eines der meistfotografierten Bauwerke Portugals.
Motive in Hülle und Fülle finden Hobbyfotografen auch in der Kleinstadt Barcelos - jeden Donnerstag auf einem der größten Wochenmärkte Europas. Lebendes Federvieh, Obst und Gemüse, hübsche Stickereien, feine Schmuckstücke aus Gold und Silber, bemalte Möbel, Keramik und Korbwaren: Hier gibt es (fast) nichts, was es nicht gibt, und vieles zu Schnäppchenpreisen.