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Spezial Peru: Machu Picchu ist noch längst nicht alles

18.04.2002 ·  Archäologische Schätze, eine farbenfrohe Indio-Kultur und prächtige Kolonialstädte liefern die spannungsreiche Kulisse einer Reise nach Peru.

Von Gabriela Hirt
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Ein Grinsen mit Zahnlücken, eingehendes Mustern - dann die übliche Frage. "De dónde, gringa?", "Woher kommst Du, Fremde?", fragt Lida, das blauschwarze Haar aus der Stirn streichend. Man sitzt sich gegenüber, die Beine aneinander gedrängt. Das Colectivo von Chiclayo nach Lambayeque, eine Art Minibus-Sammeltaxi, ist hoffnungslos überladen. Auf dem Dach blöken hilflos zwei festgezurrte Schafe, irgendwo auf der Rückbank gackert ein Huhn.

"Alemania: Rummenigge..," fällt dem fußballnärrischen Knirps auf Lidas Schoß zu Deutschland ein. Seine Mutter - und mittlerweile auch der gesamte Bus - ist viel mehr daran interessiert, ob die Gringa verheiratet ist und Kinder hat. Selbst auf der lärmenden Hauptstraße von Chiclayo zupfen Passanten Fremde am Ärmel, um sie eingehend zu befragen. In der lebenslustigen Provinzstadt im Norden Perus sind Touristen noch ein Grund, neugierig stehen zu bleiben.

Vom Professor zum Schuhsenkel-Verkäufer

Mutter und Sohn steigen an einer Ansammlung von Bretterbuden kurz vor Lambayeque aus. Deren Ärmlichkeit steht in starkem Kontrast zu den Goldschätzen, die Besucher einige Kilometer weiter im Brüning Museum von Lambayeque zu sehen bekommen. Die kunstvollen Masken, Schmuckstücke und Tongefäße sind Gaben, die das Prä-Inka-Volk der Moche ihrem Fürsten "El Señor de Sipán" vor gut 1.800 Jahren ins Grab gelegt hat. Erst 1987 von peruanischen Archäologen entdeckt, sind die Grabstätte und ihre Schätze Hauptanreiz für Touristen, nach Chiclayo zu kommen.

"Wir waren einmal ein reiches Land," Léon blickt eindringlich in den Rückspiegel. Der gelernte Lehrer verdingt sich derzeit als Taxifahrer an Limas Jorge Chávez Flughafen. Hohe Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Not treiben viele Peruaner auf die Straße, machen Professoren zu Schnürsenkel-Verkäufern und Kinder zu Schuhputzern. "Erst haben uns die spanischen Eroberer ausgesaugt, jetzt sind es korrupte Politiker."

Ein typisch peruanisches Lamento, das auch von den gestikulierenden Männern auf Limas Plaza de Armas zu hören ist. Lima ist Hauptstadt und wirtschaftliches Zentrum sowie Anlaufpunkt für die meisten Peru-Reisenden. Fast ein Viertel der Bevölkerung lebt hier direkt am Pazifik. Überfüllte Slums kontrastieren mit den eleganten Wohnvierteln, Stränden und Boutiquen der Stadtteile Miraflores und San Isidro. Die Altstadt rund um die Plaza de Armas ist zum Teil restaurierungsbedürftig; dennoch lohnen die Kolonialbauten mit den hölzernen Außenbalkonen, der Regierungspalast und die Kathedrale den Besuch.

In der größten Not hilft der Glaube

"Wir Peruaner sind erfindungsreich," sagt Léon, der Taxifahrer. Man sei seit Generationen daran gewöhnt, selbst dem unwirtlichsten Landstrich irgendwie ein Überleben abzuringen: in der eisigen Kargheit des Altiplano ebenso wie in der trockenen Hitze der Küstenwüste oder in der sengenden Sonne mitten auf dem Titicacasee. Und wenn Hartnäckigkeit und harte Arbeit nicht fruchten, Léon? "Dann kommen uns Glaube und Magie zu Hilfe".

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