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Familienurlaub in Stockholm : Knäckebrotkönige und Piratentöchter

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Die Welt, wie sie uns gefällt: Pippi Langstrumpfs Pferd Kleiner Onkel trägt geduldig jede Kinderlast in Stockholms Astrid-Lindgren-Welt. Bild: EXPRESSEN

Wer behauptet, Schweden sei das kinderfreundlichste Land der Welt und Stockholm die familienfreundlichste Hauptstadt auf Erden, lehnt sich weit aus dem Fenster. Doch der Wahrheit kommt er damit sehr nahe.

          Die Schweden sind ein erstaunliches Volk. Es gibt gerade einmal acht Millionen von ihnen, doch sie möblieren die halbe Welt und bespielen mit ihrer Musik jeden Lift und jeden Supermarktkorridor. Schwedische Autoren füllen Kinderherzen auf allen Kontinenten mit Licht, Zauber und Hoffnung, schwedische Topmodels haben die längsten Beine, schwedische Schauspielerinnen die schönsten Neurosen, und H&M ist seit Jahrzehnten der zuverlässigste Abnehmer des weiblichen Teenager-Taschengeldes. Was also ist das Geheimnis des schwedischen Erfolges? Auf die Suche nach einer Antwort macht man sich am besten in Schwedens Hauptstadt Stockholm und am besten mit der ganzen Familie. Denn zu allem Überfluss ist die schwedische Gesellschaft auch noch die kinderfreundlichste auf Erden.

          Dort, wo die Inlandssee Mälaren auf die Baltische See trifft, erstreckt sich Stockholm über vierzehn Inseln. Jeder Besuch sollte auf Gamla Stan beginnen, der kleinen, hügeligen Insel, auf der die Stadt 1252 gegründet wurde. Das Inselchen hütet dank einer Kombination aus glücklichen Umständen, einer guten Verwaltung und einer vor Jahrhunderten klugerweise angenommenen militärischen Neutralität eine der am besten erhaltenen Altstädte der Welt. Dennoch ist sie kein lebendiges Museum, dazu ist es hier mit all den Cafés und Kuriositätengeschäften viel zu lebendig. Erstaunlich sind die vielen Süßigkeitenläden, die ihr Hauptgeschäft immer samstags machen. Wohl deshalb haben die Schweden so wenig Karies - genascht wird eben nur an diesem Tag.

          Der Schmuck von Königin Sylvia

          Hohe, schmale Häuser in allen Farben von Eiscreme stehen Wand an Wand, Giebel an Giebel, während sich schmale und schmalste Gassen durch ganz Gamla Stan ziehen. Die schmalste ist mit knapp einem Meter Breite die Mårten Trotzigs Gränd: Arme ausbreiten, eine Hand an jede Hauswand, das Gesicht angestrengt verziehen, und man sieht auf Instagram garantiert aus wie Superman. Benannt wurde das Gässchen nach einem deutschen Kupferkaufmann, einem der wohlhabendsten Männer im damaligen Stockholm. Zu Deutschland, aus dem viel Adel und Militär nach Schweden zog und mit dem das Land den furchtbaren Dreißigjährigen Krieg ausfocht, hat Gamla Stan noch immer eine besondere Beziehung. Hier steht zum Beispiel die deutsche Kirche, erbaut im Jahr 1571.

          Auch Königliche Hoheiten sind Menschen: Prinz Carl Philip küsst seine Braut Sofia Hellqvist.
          Auch Königliche Hoheiten sind Menschen: Prinz Carl Philip küsst seine Braut Sofia Hellqvist. : Bild: dpa

          Dominiert werden die Ufer der Insel vom schmucken Parlament, dem Adelspalast Riddarshuset und dem königlichen Schloss. Die Wasas - die frühere Königsfamilie hieß wirklich wie das Knäckebrot - ließen sich nicht lumpen: Der riesenhafte Bau mit seinem täglichen Wachwechsel, der den Vergleich mit dem Buckingham Palace nicht zu scheuen braucht, hat mehr als sechshundert Zimmer. Es ist eines der größten bewohnten Schlösser der Welt; der König und seine Familie sind hier übrigens Gäste von Gnaden der Regierung. Das Schloss bietet wundervoll lange Gänge, um sich an einem regnerischen Tag die Energie aus dem Leib zu laufen, Apartments von einem Glanz, der jede ambitionierte Prinzessin in spe erstaunt zwinkern lässt, und eine in ihrem Prunk betörende Schatzkammer. Man sehe sich nur den Schmuck von Königin Sylvia bei der jährlichen Verleihung der Nobelpreise an. Das sind noch die bescheideneren Juwelen, die da Ausgang haben. Die Waffenkammer wiederum zeugt von der längst vergangenen Zeit als militärische Großmacht, von jenen Tagen, als Karl XII. den russischen Zaren Peter den Großen zwanzig Jahre lang Kopfschmerzen bereitete; oder auch von der Schreckensepoche des Dreißigjährigen Krieges, der das damalige Europa um die Hälfte seiner Einwohner dezimierte.

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