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Skifahren in Namibia : Der Winter kann kommen

  • -Aktualisiert am

Sollte die Welt versanden, ist das zumindest die Lösung für die Wintersportler: Skifahren in Namibia, ohne Schnee, ohne Lift und ohne kalte Zehen. Bild: Günter Kast

In Namibia wedelt man Dünen hinab, statt über eisige Schneepisten ins Tal zu sausen. Ist das die Antwort auf den Klimawandel, oder versickert diese Idee bald wieder im Sand?

          Der Mann, der weiß, wie’s geht, ist nicht der Anton aus Tirol, sondern der Henrik aus Swakopmund. Die Frage „Wo ist der Lift?“, kontert er mit der Antwort: „Der Lift bist du.“ Also die Skier quer auf der Alu-Kraxe festzurren und mit dem Aufstieg zu Düne 7 beginnen. 120 Höhenmeter klingen überschaubar. Aber nicht unbedingt bei 30 Grad im Schatten, den es hier nicht gibt. Und mit bleischweren Skischuhen an den Füßen, in die langsam der Sand rieselt. „Den Fuß sacken lassen, kleine Schritte machen, gleichmäßig gehen“, rät Henrik May.

          Von der Zugspitze auf Düne 7

          Er selbst kennt keine Atemnot. In langer Hose und langem T-Shirt („Wegen der Hautkrebsgefahr“) stapft er voraus, die Hände schützt er mit Radhandschuhen, auf dem Kopf trägt er ein Piratentuch. Er hat sogar noch Puste, um nebenbei zu erzählen, warum nicht die Zugspitze, sondern Düne 7 zu seinem Hausberg wurde. Im sauerstoffunterversorgten Hirn bleiben hängen: Jahrgang 75, gebürtiger Thüringer, Sportschule Oberhof, DDR-Kader der Nordischen Kombinierer, Training mit Ronny Ackermann, Wettkämpfe mit Sven Hannawald. Nach der Wende: Ende der staatlichen Sportförderung, eine unsichere Zukunft als Profi

          Neustart. May sagt dem Leistungssport adieu und wandert mit seinen Eltern 1998 nach Namibia aus. Gemeinsam betreiben sie eine Gästefarm und zeigen Touristen die Wüste: „Die erste Zeit war hart, wir sprachen ja kaum Englisch.“ Gerade als es aufwärts geht, kommt der Vater bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Weil Bruder Christian in Deutschland bleibt („Der wollte ein bürgerliches Leben.“), managt er mit seiner Mutter die Gästefarm allein.

          Wind, Sand und Steilhang

          Allmählich wird die Aussicht besser, der Anstieg auf dem scharfen Grat flacher. Dünen, so weit das Auge reicht. Der Geländewagen ist nur noch ein weißer Fleck tief unten im gelben Sand. Und auf dem Kamm der Düne weht sogar eine Brise. Tatsächlich ist das Klima nahe Swakopmund zum Skifahren ganz gut geeignet. Es ist nicht so glutheiß wie im Landesinneren, der Benguelastrom vor der Küste sorgt oft für Nebel, und im afrikanischen Winter wird es sogar empfindlich kühl. „Beim Abschnallen der Skier von der Kraxe aufpassen, dass euch die Bretter nicht abhauen“, warnt Henrik. Die Knie sind jetzt seltsam weich, von der Stirn rinnt Schweiß. Und auf die nasse Haut klatscht der Wind feinen Sand. So muss sich ein paniertes Schnitzel fühlen.

          Als May in Namibia heimisch wurde und die größten Hürden überwunden hatte, begann er die zwei Bretter, die ihm einst die Welt bedeuteten, zu vermissen. Ganze fünf Jahre sei er „trocken“ gewesen, wie er sagt, und rührte keinen Ski an. Doch dann bringt ihm ein Freund aus Deutschland ein Paar Latten mit. Henrik klappert mit dem Geländewagen sämtliche Dünen zwischen Swakopmund und Walvis Bay ab. Er sucht eine Einsteiger-Düne - wenig steil im Aufstieg, mittelsteil für die erste Abfahrt, sehr steil für die Könner auf der Rückseite. Parallel dazu experimentiert er mit verschiedenen Belägen auf den Skiern. Sein Geheimrezept gibt er nicht preis, verrät nur so viel: „Vorher wird ein hartes Wachs aufgetragen, hinterher der feine Sand mit Wasser abgewaschen.“ Der Belag müsse oft präpariert werden, denn der Sand setze dem Material ordentlich zu. Dafür sei Kantenschleifen überhaupt kein Thema, denn scharfe Kanten seien nicht hilfreich beim Dünen-Skifahren.

          Henrik ist begeistert von seinem neuen Hobby, dessen Anfänge vermutlich auf einige Kalifornier in den 1930er Jahren zurückgehen. Als früherer Skispringer und Langläufer fährt er natürlich Telemark, mit freier Ferse. Er schwingt „Big Daddy“ hinab, die höchste Düne Namibias bei Sossusvlei. Er organisiert eine sechstägige Skidurchquerung des Dünengürtels der Namib. Er baut eine Schanze an Düne 7, zu der er seine ersten Gäste führt. Er lernt, mit Hitze, Wind und Sand umzugehen - und begreift mehr und mehr, was für ein faszinierender Lebensraum die Namib ist. Da gibt es Seitenwinderschlangen, die sich seitlich im Sand fortbewegen. Spinnen, die sich bei Gefahr zu einer Kugel formen und die Dünen hinabrollen. Käfer, die sich auf ihre Hinterbeine stellen, um den Nebel aufzufangen und den herablaufenden Wassertropfen trinken.

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