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Sizilien familiär : Donna Anna und der Garten aus Stein

Toben in Noto: So schnell, wie die Barockstadt nach einem Vulkanausbruch wieder aufgebaut wurde, schafft es Italien heute nicht mehr. Bild: Sandra Kegel

Von Zauberern, Geisterhäusern und Asche am Strand: Beim Familienurlaub in Sizilien holt einen die Magie ein.

          Noch im Flugzeug hatte ich einen Witz gemacht, als wir beim Landeanflug auf Sizilien den Ätna links im Fenster auftauchen sahen. Einsam erhob sich der Kegel mit seiner ebenmäßigen Silhouette aus den Ufern des Ionischen Meeres. Es wird doch wohl nicht wieder ein Vulkan ausbrechen, feixte ich, und die Kinder kreischten vor Vergnügen. Die Geschichten meiner Reisen nach Neuseeland und Island, bei denen jedes Mal ein Vulkan Feuer spuckte, gehören längst zur Familienfolklore, und unsere Kinder wollen die Geschichten immer wieder hören. Dass sie nun selbst in ein Land mit einem feuerspeienden Berg reisen würden, immerhin Europas größter aktiver Vulkan, überzeugte sie schließlich sogar, für Sizilien ihr Sehnsuchtsziel Playmobilland aufzugeben.

          Sandra  Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

          Dass diese alte Insel, die seit Jahrhunderten Kunstfreunde, Vulkanologen, Botaniker und Wanderer aus der ganzen Welt anzieht, auf den ersten Blick kein wirklich dienstbares Urlaubsziel ist, stellen wir schon bei der Fahrt vom Flughafen zum Hotel im Süden Siziliens fest. Die Griechen mögen in Agrigent, Selinunt und Segesta eindrucksvolle Tempel hinterlassen haben, die Römer Prunkbauten wie die Villa Casale und die Normannen erzählfreudige Mosaikteppiche. Doch die Landschaft links und rechts der Autostraße tritt uns wenig pittoresk entgegen. Wir blicken auf endlose Felder, die zum Teil mit Plastikplanen bedeckt sind. Müll, für den sich niemand zuständig fühlt, sammelt sich an Ortsrändern und Stränden. Wir sehen verwahrloste Häuser, denen man nicht einmal mehr sizilianischen Charme attestieren kann, und immer wieder tauchen Ruinen vor uns auf. Von den Eigentümern verlassen, fragen wir uns ein ums andere Mal, was es mit den leeren Häusern wohl auf sich hat, die wie in Stein gehauene Mahnmale der Wirtschaftskrise still vor sich hin zerfallen. Der tote Hund, dessen Anblick uns am ersten Tag erschreckt, liegt bei der Abreise noch immer am Straßenrand.

          Das Leben unter Oliven- und Zitronenbäumen

          Und doch gehört Sizilien zu den schönsten Flecken Erde, die man sich vorstellen kann. Die Insel hat Stil, Charisma, Geschichte. Und wir haben ihr einen unserer schönsten Familienurlaube zu verdanken. Das liegt auch an Italien und seiner selbstverständlichen Kinderfreundlichkeit, die es nach wie vor gibt, obwohl die Italiener selbst kaum noch Kinder in die Welt setzen. Das liegt auch an der herben Schönheit dieser Landschaft, in der sich grüne Feigenbäume, honiggelbe Steine und verspielter Barock aufs Schönste mischen. Und das liegt an der Villa Giulia, jenem historischen Weingut, das vor ein paar Jahren in ein Hotel umgewandelt wurde. Es dauert nicht lange, und wir fühlen uns hier beinahe so, als seien wir in Lampedusas Sizilien-Roman „Der Leopard“ geraten. Die Geschichte vom Niedergang des sizilianischen Adels, durch Viscontis Verfilmung unvergesslich geworden, bebildert den Pessimismus des Fürsten von Salina in schwelgerischen Bildern. Auch wir auf unserem Landsitz glauben gelegentlich, von irgendwoher wehe Nino Rotas Filmmusik herüber. Das Anwesen verströmt den verblichenen Charme einer früheren, glanzvolleren Epoche. Einsam liegt es in den Weinbergen von San Lorenzo, dem kleinen Ort, der knapp zwei Kilometer entfernt an der Küste liegt. Wohin man sich auch dreht, blickt man von den Balkonen der Villa in Wingerte und Obstplantagen.

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