Willingen, Hessen
Schwangersein heißt, endlich einmal genau das Gegenteil des Gewohnten zu machen. Nämlich den Bauch hemmungslos herausstrecken. Zum neuen Leben mit Kugel gehören dafür andere Herausforderungen: engstehende Tische, die Schreibtischkante, Jackenknöpfe. Und gerade jetzt, wo man sich nichts sehnlicher wünscht als eine Rückenmassage, ist es vorbei mit der Bauchlage.
Als Stephanie Göbel sich während ihrer ersten Schwangerschaft vor sieben Jahren in ein Wellnesshotel einbuchte, das angeblich auf die Bedürfnisse von werdenden Müttern eingestellt war, sollte sie sich für die Massage einfach auf die Liege setzen. Ihr wurde kalt, der Nacken schmerzte, entspannen konnte sie nicht. Die Frau, selbst aus einer Hotelfamilie, kam ins Grübeln. Zurück in „Göbels Landhotel“ in Willingen sprach sie mit ihrer Hebamme, einem Kinderarzt, den Masseurinnen. Und entwickelte das Arrangement „Babymoon“ - damals eines der ersten Angebote in Deutschland.
Seither können Schwangere bei Göbels buchstäblich den Bauch raushängen lassen - auf einem speziellen Massagestuhl. Man sitzt rittlings drauf, lehnt sich vorne an, und da, wo sich die Kugel wölbt, ist schlauerweise eine Lücke. Der Baby-Bauch-Stuhl, verrät die Masseurin, sei übrigens nicht nur ideal für Schwangere, sondern auch für dickbäuchige Männer. Ihnen verschweige man allerdings meist die eigentliche Zielgruppe.
Am nächsten Morgen steht man halbnackt auf einer Plastikplane und versucht sich so wenig zu bewegen wie möglich, während die Künstlerin Kerstin Deckelburg einen eingipst. Deckelburg ist eigentlich gelernte Köchin, aber in den vergangenen Jahren hat sie entschieden mehr Bäuche als Töpfe gesehen. Erst schmiert man sich dick mit Babyöl ein, dann legt sie Gipsbinde um Gipsbinde an und streicht sie glatt. Dazu gibt es Getränke und Schokolade. Den Abdruck nimmt Deckelburg mit, schleift, lackiert und bemalt ihn, entweder nach eigenen Vorstellungen, oder man lässt sich von ihr überraschen. Ein paar Wochen später jedenfalls kommt ein riesiges Paket aus dem Sauerland an. Der vermutlich einzige Moment im Leben, wenn man sagen kann: „Mein Bauch ist heute gekommen!“
Bad Saarow, Brandenburg
Im Laufe einer Schwangerschaft kann es passieren, dass man irgendwann eine gewisse Solidarität mit Enten verspürt, zum Beispiel während eines Spaziergangs am Ufer des Scharmützelsees. Enten watscheln, sie sind dickbäuchig, sie halten ständig Ausschau nach Futter. Doch dann, wenn sie in den See gleiten, ist die Behäbigkeit wie weggeblasen.
Nirgends sind Hochschwangere so gut aufgehoben wie im Wasser. Besonders schwerelos fühlt man sich in einem warmen Sole-Außenbecken wie im „Hotel Esplanade Resort & Spa“ in Bad Saarow. Wenn man Glück hat, scheint sogar gerade die Sonne, so dass man die Arme auf den Beckenrand legen, die Augen schließen und das Gesicht nach oben strecken kann. Im Wasser ist schnell vergessen, dass sich über einem nicht nur der Himmel, sondern vor einem auch der Bauch wölbt. Nur ein gelegentlicher Tritt von innen erinnert daran, dass da ja noch die Kugel ist.
Doch auch an Land versucht man in Bad Saarow Schwangeren das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Wer das Arrangement „Kugelbauch auf Wellnesskurs“ bucht, findet im Hotelzimmer neben einem Obstteller auch ein breites Kissenmenü und kann zum Beispiel ein Seitenschläferkissen bestellen. Gut ausgepolstert übersteht man so also auch die meist eher unbequemen Nächte mit Bauch - und startet den Tag ausgeruht am riesigen Frühstücksbuffet.
Ansonsten fühlen sich die Tage hier an, als ginge es vor allem darum, alle nur erdenklichen bequemen Positionen mehrmals durchzuprobieren. Halb aufrecht liegend bei der Gesichtsbehandlung. Die Beine auf dem Schoß der Kosmetikerin bei der Pediküre. Im Vierfüßlerstand, Schneidersitz und in entspannter Seitenlage beim Schwangerschaftsyoga. Sich gemütlich anlehnend bei der Einführung in die indische Babymassage. Liegend oder sitzend in der Sauna. Horizontal hinwegdämmernd im Ruheraum. Die maximal anstrengendste Position nimmt man wahrscheinlich in der Bar des Wellnessbereiches ein, wo es ein schweres Glas mit frischem Früchtesmoothie zu halten gilt. Aber danach kann man ja gleich wieder zurück zum warmen Solebad watscheln und elegant wie die Enten im Scharmützelsee ins Wasser gleiten.
„Adlon Day Spa“, Berlin
Das „Adlon Day Spa“ liegt da,wo es in Berlin immer laut ist: Unter den Linden um die Ecke des Brandenburger Tors. Doch kaum tritt man ein, vergisst man die Stadt. Vor einem liegt eine 900 Quadratmeter große Welt aus Holz, Marmor, Aromaölen, Kräutertee und Lichtwänden. Und spätestens, wenn die Straßenschuhe in einem Korb davongetragen werden und man in weiße Slipper schlüpft, stellt sich dieses Wohlgefühl ein, das einen kurz vor diversen Massagen, Kosmetikbehandlungen und Bergen von schneeweißen, weichen Handtüchern befallen kann.
Die Masseurin und Kosmetikerin holt einen für 210 Minuten Glück ab - eine Rückenmassage, Pediküre und Gesichtsbehandlung - und führt in die Spa Suite, einen hellschummrigen Raum mit Badewanne, Fußbecken und einer breiten Liege in der Mitte. Schwangere, erklärt sie, könnten eigentlich jede Anwendung buchen, vermeiden sollte man nur Massagen der Fußreflexzonen und des Lendenwirbelbereichs sowie bestimmte Aromaöle. Für die Rückenmassage setzt man sich hier einfach auf einen Hocker, der Kopf ruht auf einem Handtuchberg auf der Liege. Und wer für die Arm-, Bein- und Gesichtsmassage nicht mehr in Rückenlage liegen kann, weil das Baby schon auf die große Hohlvene im Rücken drückt, kann sich auch in die Seitenlage drehen.
So tiefenentspannt empfängt einen dann der indische Yoga- und Meditationsmeister Vijay Kumar Vyas. Er ist ein drahtiger Mann in weißem Yogaanzug und unterrichtet Energie-Hatha und Pure Pranayama Yoga. Außerdem hat er sich auf Schwangerschaftsyoga spezialisiert. Die beste Vorbereitung für die Geburt, sagt er, seine Frau habe ihre Kinder in jeweils zwei Stunden auf die Welt gebracht.
Vielversprechende Aussichten, für die Vijay eine einfache Formel hat: Wenn die Mutter entspannt ist, ist das Baby entspannt. Wir sitzen in einem verspiegelten Raum in den Tiefen des „Day Spas“, zwei rote Matten auf dem dunklen Holzboden. Atmen, beugen, strecken - erstaunlich, in welche Positionen man sich trotz des Bauchs noch drehen kann. Vijay unterrichtet mit großem Enthusiasmus, als müsste er selbst bald ein Kind auf die Welt bringen, dazu kommt eine charmante Mischung aus Deutsch und Englisch mit indischem Akzent.
Später, wenn man auf die Straße tritt und wieder in Berlin ankommt, läuft man Unter den Linden entlang, und Vijays Satz klingt immer noch im Ohr: Wenn die Mutter ist relaxed, Baby ist auch relaxed.
Babymoon Mit „Babymoon“ wird, in Anlehnung an den Begriff „Honeymoon“, eigentlich die erste Zeit der Eltern mit dem Neugeborenen bezeichnet. Doch inzwischen meint die Reiseindustrie damit den letzten Urlaub vor der Geburt des Kindes. Die Idee, Urlaub für werdende Eltern anzubieten - Feng-Shui-Beratung für das Kinderzimmer, Akupunktur, Bauchtanz oder Aquagymnastik inklusive - verbreitet sich zusehends. Die meisten Angebote gibt es bisher in Österreich und Süddeutschland. Viele Angebote wirken allerdings vor allem bemüht. Das Glas saure Gurken auf dem Zimmer macht noch keinen Babymoon. Wichtig ist vor allem, dass sich Kosmetikerinnen und Masseure mit den Bedürfnissen von Schwangeren gut auskennen. Bestimmte Behandlungen wie Fußreflexzonenmassagen oder einige Aromaöle sollten zum Beispiel vermieden werden. Vor allem im letzten Drittel der Schwangerschaft sollten auch Alternativen zur Rückenlage angeboten werden.
Reisezeit und Sicherheit Am besten eignet sich das zweite Schwangerschaftsdrittel - dann sind erste Beschwerden abgeklungen, die Schwangerschaft ist stabil, aber der Bauch noch nicht so groß. Wer vorsichtig ist, klärt den Urlaub mit seinem Arzt ab.
Von großen Temperaturschwankungen und Höhenlagen über 2000 Metern wird im Allgemeinen abgeraten. Sinnvoll kann es sein, die Wahl des Urlaubsorts von der Nähe eines Krankenhauses oder einer Hebamme abhängig zu machen.
Angebote „Babymoon“ im „Landhotel Göbel“ in Willingen, Hessen (www.goebel-hotels.com/willingen) mit Übernachtung, Frühstück, Rückenmassage, Fußmassage und der Benutzung des Wellness-Bereiches kostet ab 87 Euro, am Wochenende 97 Euro. Den Babybauch-Gipsabdruck gibt es ab 55 Euro. Auch ein Fotoshooting kann zusätzlich gebucht werden.
Das Arrangement „Kugelbauch auf Wellnesskurs“ im Hotel „Esplanade Resort & Spa“ in Bad Saarow mit zwei Übernachtungen inklusive Frühstück, Obstteller, Gesichtsbehandlung, Pediküre, Yogastunde, Babymassage und Nutzung des Spa-Bereichs kostet 353 Euro im Doppelzimmer zur Einzelnutzung. Der Aufpreis für eine zweite Person beträgt 49 Euro. www.esplanade-resort.de
Das Paket „Mother to be“ im „Adlon Day Spa“ (Eingang auf der Rückseite des „Adlon Hotels“, Behrenstr. 72, 10117 Berlin) mit Gesichtsbehandlung, Massage und Pediküre kostet 280 Euro für 210 Minuten. Pool- und Saunanutzung inklusive. Eine Privatstunde Schwangerschaftsyoga beim indischen Yogi Vijay Kumar Vyas gibt es für 70 Euro. Mehr unter www.adlon-day-spa.de
Daneben gibt es eine Vielzahl von Angeboten für werdende Eltern, zum Beispiel im Hotel „Babymio“ im Tiroler Kirchdorf (www.babymio.com), im „Waldhaus Ohlenbach“ in Hessen (www.waldhaus-ohlenbach.de), in der „Hubertus Alpin Lodge“ in Bayern (www.hotel-hubertus.de), im „Kulturhotel Kaiserhof“ in Thüringen (www.kulturhotel-kaiserhof.de) oder im „Haus Hirt“ in Bad Gastein (www.haus-hirt.com). Das „Mamaspa“ in Stuttgart hat sich auf Kosmetik und Wellness für werdende Mütter spezialisiert (www.mamaspa.de). Die bisher einzige Dachmarke im deutschsprachigen Raum sind die „New Life Hotels“. Der Katalog listet momentan etwa 30 Hotels in Österreich, Südtirol und Deutschland auf, die Urlaub für werdende Eltern und Urlaub mit dem Baby anbieten. Mehr Informationen unter www.newlifehotels.com. Weltweite Arrangements versammelt www. baby-moon.eu. Wer vor dem Fliegen in der Schwangerschaft nicht zurückschreckt, findet hier zum Beispiel Angebote in Dubai, Australien, Malaysia, Thailand, Mexiko oder in der Karibik.