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Slowenien : Nur Skifliegen ist schöner als Skifahren

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Der Skisport ist in Slowenien auch Familiensache. Die Idee einer Rundumbetreuung durch Skilehrer und Animateure mit ausgefeilten Spielplätzen im Schnee, mit Wärmestuben, Mickymäusen und allen möglichen spielerischen Ablenkungen wird sich hier wohl nie durchsetzen. Bild: Volker Mehnert

Schneevergnügen ohne Allüren: Sloweniens Wintersport-Hochburgen Kranjska Gora und Planica halten trotz internationaler Großereignisse an ihrer Bodenständigkeit eisern fest.

          Kann Melania Trump Ski fahren? Niemand weiß es, und niemand will es offenbar wissen. Dennoch kommt man in diesem slowenischen Winter an der neuen amerikanischen First Lady nicht vorbei. In ihrem Geburtsort Novo mesto, so heißt es, spielten die Menschen verrückt. Dort, im Südosten des Landes, organisieren sie Melania-Touren, backen Melania-Torten und produzieren Melania-Geschirr. In der Tourismuswirtschaft herrscht derweil Aufregung, weil ein kräftiger Anstieg der Besucher aus den Vereinigten Staaten zu erwarten ist. Ansonsten jedoch zeigen sich die Menschen eher skeptisch. „Erinnert sie sich überhaupt noch an ihre Heimat?“, heißt einer der vielen Einwände. Dass sie einem Reporter im Interview partout nicht auf Slowenisch antworten wollte, hat ihr auch keine zusätzlichen Freunde eingebracht. Und in Kranjska Gora, dem besten Skigebiet des Landes, schwärmt man sowieso von ganz anderen Damen.

          Da steht in der allerersten Reihe Tina Maze, die beste slowenische Sportlerin aller Zeiten, die hier als Nationalheldin verehrt wird und besonders wegen ihrer Vielseitigkeit als brillanteste alpine Skirennläuferin des angebrochenen Jahrhunderts gilt: vier Weltmeistertitel in vier verschiedenen Disziplinen, zwei olympische Goldmedaillen, Weltcupsiegerin in allen fünf Wettbewerben, und den Weltcup des Jahres 2013 gewann sie mit einer sagenhaften, nie vorher oder nachher erreichten Punktzahl. Nun ist sie zwar zu Beginn der laufenden Saison vom aktiven Sport zurückgetreten, doch schon will eine Nachfolgerin die Lücke füllen: Ilka Štuhec hat in diesem Winter die ersten drei Abfahrten im Weltcup ebenso überraschend wie souverän gewonnen. Wer wollte sich da noch wegen der slowenischen Lady im Weißen Haus aus der Ruhe bringen lassen?

          Die Slowenen schauen sich ohnehin lieber in der Heimat um. Das kleine Land ist eine bergverliebte Nation; fünf Prozent der zwei Millionen Einwohner sind Mitglied im Alpenverein. Ein ungeschriebenes Nationalgesetz lautet: Erst wenn man den höchsten Berg des Landes, den 2864 Meter hohen Triglav, bestiegen hat, ist man ein richtiger Slowene. Zugleich versteht sich Slowenien als Skination und reklamiert sogar die Erfindung des kontrollierten Abrutschens am Berg für sich, was sonst Norweger, Engländer, Schweizer oder Österreicher gern auf ihre Fahnen schreiben. Als Beleg für die ersten alpinen Skifahrer wird der Historiker und Universalgelehrte Johann Weichard von Valvasor zitiert. Dessen Schrift „Die Ehre des Herzogthums Crain“ berichtet schon 1689 vom Dörfchen Bloke, in dem die Einwohner im Winter auf selbstgebauten Buchenlatten durch den Schnee „wie Schlangen mit erstaunlicher Geschwindigkeit gerüttelt haben“, um während der Abfahrt Hindernissen am Berg auszuweichen. Mit diesem historischen Erbe im Bergsteigerrucksack musste es dann wohl auch ein Slowene sein, der den waghalsigsten Freeride unserer Tage hinlegte: Im Oktober 2000 raste Davo Karničar in einer fünfstündigen Wahnsinnsfahrt als erster Mensch auf Skiern durchgehend vom Gipfel des Mount Everest bis ins Basislager.

          Der Skisport ist in Slowenien Familiensache

          Seit Jahrzehnten ist Kranjska Gora im äußersten Nordwesten die slowenische Metropole des alpinen Skilaufs. Das kleine Dorf liegt im oberen Savetal, malerisch umrahmt von den Karawanken im Norden und den Julischen Alpen im Süden, deren zerklüftete Kalkwände im Unterschied zur dunklen Schwere der Zentralalpen sogar an trüben Wintertagen eine helle, mediterrane Leichtigkeit ausstrahlen. Eigentlich hätten Kranjska Gora und Slowenien die Olympischen Winterspiele von 1984 zugestanden, doch aus politischen Gründen entschied man sich damals für Sarajevo. Dort stampfte man ein wintersportliches Kunstprodukt aus dem Boden, das sich von den Zerstörungen des Krieges und dem nachfolgenden wirtschaftlichen und politischen Chaos bis heute nicht erholt hat.

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