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Sauber in Marseille Schon der Gallier Obelix wusste sich wohl zu waschen

In ihrer Heimat wird Savon de Marseille nach alter Art hergestellt und erlebt jetzt eine wunderbare Renaissance. Eine Tour zu Schaumschlägern und Seifenopern.

© Claudia Diemar Olivenöl und Salz, Kokosfett und Düfte: Savon de Marseille ist bestes Kunsthandwerk.

Die Luft riecht streng nach Sauberkeit, nach Großmutters Waschlauge, nach Kernseife von einst. Eine Madonna an der Wand wacht schon dem Jahr 1900 darüber, dass keiner der Arbeiter in die heiße Seifenmasse stürzt: Wir sind in der Fabrik der „Savonnerie Marius Fabre“ in Salon-de-Provence, vor uns steht ein riesiger Bottich. Wie Lava wallt und blubbert es darin - eine schlierige gelb-grün-braune Masse. „Zwanzig Tonnen Inhalt fasst ein Chaudron“, sagt Julie Bousquet-Fabre, die Urenkelin des Firmengründers. Und erklärt: Nach zwei Wochen, in denen es diverse Zwischenschritte unter Hinzufügung von Süß- und Salzwasser gibt, wird der Brei aus den Chaudrons in flache Becken abgelassen, erkaltet und wird dabei fest. Die Seife wird gestempelt und in Stücke geschnitten: Fertig ist die berühmte „Savon de Marseille“.

Madame Bousquet-Fabre schwört auf ihr Produkt: „Die Seife besteht nur aus pflanzlichen Ölen und enthält keine Farb- oder Duftstoffe. Damit ist sie bestens geeignet für Allergiker. Ja, man kann sich sogar damit die Zähne putzen.“ Wunderbar sei auch eine andere firmeneigene Spezialität, nämlich die flüssige „Savon Noir“ - schwarze Schmierseife. Mir ihr ließen sich Haustiere ebenso shampoonieren wie empfindliche Natursteinböden oder Parkett. Ein Luxusreinigungsmittel sei das, bei dessen Erwähnung die Augen französischer Hausfrauen leuchten. Neuerdings schwören diese angeblich auch wieder auf reine Seifenflocken für die Waschmaschine - die Reinigungskraft entfalte sich allerdings nur, wenn gleichzeitig das Wasser enthärtet wird.

Eine Seifenoper der Belle Époque

Salon-de-Provence ist ein Ort, den die meisten Menschen nur vom Vorbeifahren kennen - er liegt am Ende einer Ausfahrt der Autoroute du Soleil. Mit Salon-de-Provence ist das so eine Sache: Trotz seines Namenszusatzes liegt es nicht wirklich in der Provence, nur beinahe in der Camargue und vor allem nicht an der Küste. Deswegen fahren die Touristen immer vorbei - ein Fehler. Der Sterbeort von Nostradamus ist nämlich eine echte südfranzösische Schönheit mit hübschen Brunnen, mittelalterlichen Gassen, sonnenwarmen Plätzen und einer Burg, die über der Altstadt Wache hält. Erstaunlich aber ist vor allem das reiche Erbe an Baudenkmälern aus der Belle Époque. Es handelt sich dabei vor allem um Villen der einstigen Seifenfabrikanten, zuweilen erinnern sie an veritable Schlösser. Als Salon-de-Provence im Jahr 1870 an die Eisenbahnlinie angeschlossen wurde, boomte dort das Geschäft mit der Sauberkeit. Die Seifenbarone waren so reich, dass einer von ihnen seiner Gattin ein ganz besonderes Geschenk machte. Die Dame liebte Opern, also bekam sie ein privates Theater im italienischen Stil gebaut - mit dreihundertfünfzig Plätzen.

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