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Safari im südlichen Afrika : Wo ist hier ein Leopard?

Suchbild mit Großkatze. Bild: Lutz Jaekel / laif

Botswana serviert seine Flora und Fauna auf dem Silbertablett wie kein anderes afrikanisches Land. Eine Safari durch das Okavango-Delta

          Tiere beobachten, das kann man auf dem ersten Wort betonen und auf dem zweiten. Die Wildtiere Afrikas sind wunderschöne Objekte der Betrachtung, des Fotografierens und des Filmens. Und sie riskieren selbst gern mal ein Auge. Als ich eines Morgens viel zu früh auf den Beinen war und dachte, ich würde bei Sonnenaufgang länger beim Frühstück sitzen und den Blick über den Fluss genießen können, auf Flusspferde, Antilopen, vielleicht Elefanten, wenn ich schon in der Dunkelheit packte, da besuchte mich ein Tier, das bei Gedanken über die Schönheit der afrikanischen Natur im Traum nicht an erster Stelle steht.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Ich hatte, um frische Luft ins riesige Zimmer zu lassen, das eigentlich ein Haus ist, die Terrassentür aufgeschoben und die Tür aufgerissen und suchte in dem weitläufigen Raum zusammen, was ich so mitgebracht hatte für die Reise durch die schönsten Lodges von Botswana. Da steckte ein Warzenschwein seinen Kopf zur Tür herein. Ich erstarrte. Das Tier guckte so freundlich, wie man nur gucken kann, wenn einem die Haare nur spärlich auf der dunklen Schwarte wachsen und zentimeterlange Hauer aus dem Maul ragen. Als es genug gesehen hatte, drehte es sich um und trabte leichtfüßig in die Nacht.

          Tierische Gäste im Zimmer

          Ich will mich nicht beklagen. Es hätte kein schöneres Tier sein müssen, das mich besuchte. In eines der anderen Zelte war, nachdem diverse Nagetiere und ein Elefant an der Terrasse der Bewohnerin den Nachtschlaf geraubt hatten, eine Fledermaus eingedrungen und hatte in halsbrecherischem Flug die Zimmerlampe umkreist. Von unserem Frühstücksbuffet stahlen Meerkatzen Obst. Und als wir auf Exkursion gingen, waren Paviane in das Zimmer einer weiteren Mitreisenden eingedrungen. Sie lieben das Kakaopulver, das in der Minibar aufbewahrt wird. Angeblich posieren sie auch gern vor Spiegeln. Selbstverständlich ließen sie sich dabei nicht beobachten. Sie waren verschwunden, als wir zurückkehrten.

          Termitenhügel sind beliebte Aussichtsplätze im Okavango Delta

          Ehrlich gesagt: Ich bin froh, dass mich nicht das schönste Tier unserer Reise besuchte. Das war ein Leopard. Er lag auf dem mächtigen Ast eines noch mächtigeren Baumes, als wir ihm begegneten. Am Morgen noch hatte Jen, die Managerin der Lodge, ohne jede Aufgeregtheit erzählt, dass gegen fünf Uhr am Morgen ein Leopard bei mir am Zelt gewesen sei. Zelt ist eine lustige Bezeichnung für meine Behausung, die auf Stelzen steht, mit Innen- und Außendusche ausgestattet ist und deren Wohn- und Schlafbereich hinter einer meterlangen Fensterfront mit freistehender Badewanne kommod eine vierköpfig Familie beherbergen könnte. Obwohl am Bett neben Insektenspray ein Walkie-Talkie und eine Signalhupe stehen, hatte ich zum Thema Leopard gedacht: Wildhüterlatein.

          Eine Spur von Leopard

          Wenig später entdeckte Richard, unser Fahrer und Führer und Betreuer, Leopardenspuren im Sand. Das behauptete er jedenfalls. Niemand von uns konnte sie identifizieren. Erst als wir im Geländewagen in eine Baumgruppe rollten, in der ein Uhu rief und ein Elefant herumstampfte, stießen wir dort auf das junge Leopardenweibchen. Es ließ alle viere baumeln, und ihr Hecheln signalisierte, dass es pappsatt war.

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