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Safari in Südafrika : Und plötzlich ganz unten in der Nahrungskette

Seit fünfzig Millionen Jahren leben Nashörner auf der Erde – vielleicht nicht mehr lange, denn für ein Kilo Rhinozeroshorn wird eine Million Dollar gezahlt. Bild: Rhino Africa

Warum ist der Mensch die Krone der Schöpfung? Weil er kochen kann. Nichts anderes unterscheidet ihn stärker vom wilden Tier. Wer das nicht glaubt, muss nur in Kwandwe am südafrikanischen Ostkap auf Safari gehen.

          Alles dreht sich ums Fressen und Gefressenwerden, doch ausgerechnet unser Essen rührt hier niemand an. Dabei könnten sich Hinz und Kunz der wilden Tierwelt von Kwandwe schamlos an unseren Safari-Sonnenuntergangs-Canapés bedienen. Kein Wächter passt auf die Lachsschnittchen und Kalbsspießchen auf, kein Wildhüter verteidigt unsere Gemüse-Samosas und Hühner-Wraps, kein Zaun schützt die marinierten Straußenfilets und gebrannten Mandeln, die das Personal der Great Fish River Lodge mitten im Busch für uns vorbereitet hat, ein Delikatessenbuffet unter Schirmakazien bei freiem Eintritt.

          Jakob Strobel y Serra

          stellvertretender Leiter des Feuilletons.

          „Die Canapés rennen nicht weg, deswegen werden sie von den Raubtieren nicht als Nahrung wahrgenommen. Und die Pflanzenfresser sind strenge Rohköstler, die fressen nur unverarbeitetes Zeug“, sagt Nic, unser Safari Guide, um dann noch einen Lachshappen nachzuschieben. Aber der Vogel Strauß, wenden wir ein, hochgeschätzt wegen der Zartheit seines Fleisches, müsste doch auch in Häppchenform für Prädatoren verlockend sein. Nein, nein, meint Nic, Essen, das nicht in Bewegung sei und nicht nach Blut schmecke, komme für sie nicht in Betracht. Höchstens die Affen naschten ab und zu ein Schnittchen, das seien ja auch unsere nächsten Verwandten, aber richtiges Vergnügen hätten sie nicht daran. Dann lassen wir uns von Nic ein Glas südafrikanischen Schaumwein nachschenken, den die notorischen Wassersäufer Löwe und Leopard bestimmt auch verschmähten, sehen die Sonne in der Savanne zerschmelzen und sind uns nun ganz sicher: Das, was Mensch und Tier am stärksten voneinander unterscheidet, ist weder die Größe des Gehirns noch die Tiefe des Bewusstseins, sondern der Sinn für guten Geschmack.

          Trügerische Ruhe: Geparden beißen der Beute blitzschnell die Kehle durch, damit sie ohne den verräterischen Todesschrei stirbt, der Löwen und Hyänen anlocken könnte.
          Trügerische Ruhe: Geparden beißen der Beute blitzschnell die Kehle durch, damit sie ohne den verräterischen Todesschrei stirbt, der Löwen und Hyänen anlocken könnte. : Bild: Rhino Africa

          Dann drängt Nic zur raschen Rückkehr in die Lodge, da seine Schutzbefohlenen idealtypisch in das Beuteschema eines beträchtlichen Teils der Savannen-Fauna passen. Ureinwohner sind die allermeisten Tiere hier allerdings nicht, denn das Kwandwe Private Game Reserve ist erst seit der Jahrtausendwende Safari-Land. In den Jahrhunderten zuvor machten erst holländische Elfenbeinjäger das Gebiet am südafrikanischen Ostkap nahe der Stadt Port Elizabeth unsicher, dann wurde es als Rinderfarm genutzt, zuletzt war es eine Straußenzucht. Im Jahr 1998 kaufte ein amerikanischer Philanthrop mit ausgeprägter Afrika-Affinität und elefantengroßer Geldbörse zweiundzwanzigtausend Hektar Land, um aus Kwandwe eines der größten privaten Wildschutzgebiete Südafrikas zu machen. Siebentausend Tiere wurden angesiedelt – darunter Dutzende von Rhinozerossen für hundertdreißigtausend Euro das Stück –, zweihundert Kilometer elektrischer Schutzzäune gezogen und vier luxuriöse Lodges errichtet, von denen unsere am großen Fischfluss zu den bescheideneren gehört. Sich selbst hat der Philanthrop eine palastartige Unterkunft inklusive Landepiste an einem der schönsten Flecken des Game Reserve spendiert, eine Art Savannen-Chambord im eklektizistischen Gewand des Superneureichtums.

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