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Wo Sie im Jahr 2018 hinfahren sollten

Foto: Picture-Alliance

Wo man im Jahr 2018 hinfahren sollte

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25.12.2017 · Wo sollen wir nächstes Jahr Urlaub machen? Die Redaktion hat einige Tipps für Sie zusammengestellt: Wo es interessant, doch noch nicht völlig überlaufen ist.


  • Landschaft mit Wildpferden in der Estremadura Foto: Picture-Alliance
  • Das römische Theater in Mérida aus dem Jahr 15 vor Christus Foto: Picture-Alliance

Estremadura

Das Land ist weit und leer und ein einziger Trugschluss, weil seine Sprödigkeit nur ein Firnis und seine Kargheit nur eine Camouflage ist. Darunter hütet es einen Schatz: die reine Seele Spaniens, die noch nicht vom Massentourismus verformt ist, das spanische Wesen in seiner ursprünglichsten Gestalt. Hier ist man noch Gast in einem gastfreien Land, kein Kunde einer Dienstleistungsnation, und teilt mit den Einheimischen die Schönheiten der Estremadura – das phantastische Erbe der Römer in Mérida, die mittelalterlichen Mauern von Cáceres, die maurischen Hinterlassenschaften in Zafra, die eleganteste Plaza Mayor der Iberischen Halbinsel in Trujillo, die Lust an einem Leben jenseits des Lärms der Welt. (str.)


Wie im Märchen: die Kuppeln von Samarkand Foto: Marco Polo Reisen

Usbekistan

Der Name mag noch immer Assoziationen an ehemalige Sowjetrepubliken wecken, dieses Vorurteil sollte aber auf keinen Fall von einem Besuch abhalten. Uzbekistan ist eines der Länder, die viel mehr durch die Seidenstraße und den regen kulturellen Austausch zwischen den Völkern Zentralasiens geprägt sind. In Städten wie Bukhara oder Samarkand kann man heute bequem in den ehemaligen Karawansereien übernachten. Und wenn man die ehemaligen Moscheen und Madrasas, mit ihren türkisblauen Kuppeln und vielfarbigen Mosaiken sieht, dann weiß man, wo die Märchen aus Tausendundeiner Nacht gespielt haben. (marw.)


  • Geschäftiges Gewimmel: Blick auf den Gran Socco, den zentralen Platz von Tanger Foto: Andrea Diener
  • Blaue Bergstadt Chefchaouen Foto: AFP

Tanger

Sollen sie doch alle nach Marrakesch strömen und sich von übereifrigen Händlern belästigen lassen, wir bleiben in Tanger und freuen uns, dass die Marktbäuerinnen aus dem Rif-Gebirge ihre Trachten nicht für die Touristen tragen, sondern weil es eben so Brauch ist. Diese marokkanische Stadt ist auf den ersten Blick etwas roh und wenig lieblich, aber auf den zweiten Blick voller Schönheit und Geschichten. Man braucht ein bisschen, die zu entdecken, aber die freundlichen Tangerinos – vom Taxifahrer bis zum Gewürzhändler – helfen einem gern dabei. Und dann machen wir, wenn uns das Gewimmel in den Gassen rund um den Petit Socco zu viel wird, im Grand Taxi noch einen Tagesausflug in die blaue Stadt Chefchaouen, oben im Gebirge, wo die Luft frisch und klar ist. (dien.)


  • Tallinn: Wie Berlin früher, nur in schön. Foto: Picture-Alliance
  • Sumpflandschaft in Estland Foto: Picture-Alliance

Estland

Die kleine Republik im Baltikum feiert 2018 hundert Jahre Unabhängigkeit – trotzdem gibt es gerade in der Hauptstadt Tallinn viele Ecken, die sich diesen jugendlichen rauhen Charme bewahrt haben, den alle im Berlin der Neunziger Jahre suchten. Partys in den roten Backsteinmauern alter Hafenanlagen, Galerien in ehemaligen Industriegebäuden und dazu Burgerläden, die jeden Berliner Hipster zum Schwärmen bringen würden – in Osteuropa weiß man eben, wie Gurken eingelegt werden. Obendrein liegt das kleine Land am Meer, hat wunderschöne Inseln und eine unberührte Natur. (marw.)


  • Die Urlaubsinsel Bazaruto ist ein wunderbares Tauchgebiet Foto: Picture-Alliance
  • Am alten Fort von Maputo Foto: Picture-Alliance
  • Mosambiks Hauptstadt Maputo mit der Kathedrale Nossa Senhora da Conceicao. Foto: Picture-Alliance

Mosambik

Es gibt tausend Gründe, nach Mosambik zu reisen, ein paar davon sind: 2800 Kilometer Küste, direkt am wohltemperierten Indischen Ozean, die besten Tauchgründe Afrikas im Bazaruto-Archipel, die afrikanische Beton-Moderne, die man in Maputo noch an vielen Orten findet – und dann natürlich die 28 Millionen Menschen, denen man in dem ostafrikanischen Land begegnen kann. In der Hauptstadt Maputo haben ein paar von denen die beste Stadtführung Afrikas auf die Beine gestellt: Die Mafalala-Walking Tour, von der haben alle was, nicht nur die Touristen. (bali.)


  • Das „Kaufmann Desert House“ von Richard Neutra Foto: Julia Stelzner
  • Indian Canyons, eine Landschaft bei Palm Springs mit ihren kalifornischen Palmen Foto: Picture-Alliance

Palm Springs

Oase der Ästheten, Fluchtpunkt der Metropolenflüchtlinge, Zeitkapsel der ewigen Moderne: Das alles ist Palm Springs in der südkalifornischen Wüste, ein Ort, der wegen seines staubtrockenen Klimas erst ein Lungensanatorium, wegen seiner Nähe zu Hollywood dann ein Party-Sodom und Orgien-Gomorrha und wegen seiner Lust an der Schönheit schließlich zum Zentrum des Mid Century Modernism wurde. Die Architektur dieses amerikanischen Kindes von Bauhaus und Internationalem Stil beherrscht mit ihrem kühnen Minimalismus, ihrer alterslosen Eleganz, ihrer kongenialen Zwiesprache mit der Natur noch immer das Bild von Palm Springs. Und das Allerbeste ist: Diese Wüste lebt bis heute, weil der Strom ihrer Verehrer nicht abreißen will. (str.)


  • Das Victoria Memorial in Kalkutta Foto: Picture-Alliance
  • Blumenhändler auf der Howrah-Brücke bieten ihre Ware feil Foto: Picture-Alliance

Kalkutta

Ja, die Luft ist schlecht, wirklich sehr schlecht. Kalkutta liegt gerade so weit weg von der Küste, dass keine Meeresbrise den Smog vertreiben kann. Aber wenn man sich an die gelbe Luft gewöhnt hat, kann man in Ruhe all seine Vorurteile abbauen: Kalkutta ist keine riesige Leprakolonie, sondern eine Stadt voller phantastischer viktorianischer Kolonialbauten und beeindruckender Tempel. Hier blühen das indische Autorenkino (der Gegenpart zu Bollywood) und die Theaterszene. Man könnte den Glanz und die Lebendigkeit Kalkuttas fast atmen – wenn da nicht so viel Smog mitkäme. (bähr.)


  • Moderne Stadt am Kaukasus: Georgiens Hauptstadt Tiflis Foto: Picture-Alliance
  • Gebirgslandschaft im Sno-Tal, Georgien Foto: Picture-Alliance
  • Skifahren im Gudauri-Resort im Norden des Landes Foto: Picture-Alliance

Georgien

Von Georgien, so schrieb John Steinbeck einmal während einer Russlandreise, werde so geschwärmt, dass man den Eindruck habe, die Russen wünschten sich nach ihrem Tod nicht in den Himmel zu kommen, sondern in dieses Land zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer. Er hat nicht untertrieben: Im Kaukasus hat Georgien hübsche Skigebiete, am Schwarzen Meer Baderesorts und in der Hauptstadt Tiflis gibt es neben exquisiten Restaurants mittlerweile Boutiquehotels, die es mit jeder westeuropäischen Konkurrenz aufnehmen; die Georgier beanspruchen für sich, den Wein erfunden zu haben und wenn man im Restaurant sitzt, kann es schon mal passieren, dass am Nebentisch alle in Gesang oder sogar Tanz ausbrechen. Wenn es einen Himmel gibt, möchte man ihn sich gern so vorstellen. (marw.)


Nichts ist so japanisch wie das Onsen, das Bad, das aus heißen Quellen gespeist wird Foto: Picture-Alliance

Kinosaki Onsen

Es gibt keinen besseren Ort, um die Liebe der Japaner zum Baden zu verstehen, und keinen geeigneteren, um der Onsen-Kultur sofort selbst zu verfallen, als dieses Städtchen an der Westküste der Hauptinsel Honshu. Es sieht mit seinen Ryokans, seinem Kanal, seinen hölzernen Fassaden und roten Lampions aus wie eine Wirklichkeit gewordene Tuschezeichnung. Sie wird von sieben Badehäusern und Hunderten von Badenden bevölkert, die in Holzsandalen, Handtüchern und Kimono von Onsen zu Onsen durch die Straßen wandeln und ganz Kinosaki zu einer einzigen Badeanstalt machen. Nach jeder Waschung fühlt man sich einem Jungbrunnen entstiegen, wobei der einzige Wermutstropfen die Geschlechtertrennung in den Onsen ist. Doch das erhöht am Ende nur die Lust. (str.)


  • Der Fjord von Kotor ist wohl die bekannteste Ecke von Montenegro. Foto: Picture-Alliance
  • Die Berglandschaften, hier im Dumitor-Nationalpark, kennt jedoch kaum jemand. Foto: Picture-Alliance
  • Im Grenzgebiet zu Albanien: Der Skutari-See. Foto: Picture-Alliance

Montenegro

Immer, wenn mich jemand nach einem Geheimtipp in Europa fragt, dann sag ich: fahr nach Montenegro! Gut, an der Küste gibt es ein paar recht populäre Badeorte, und am Fjord von Kotor, der wunderbaren, venezianischen Stadt aus Marmor, machen mittlerweile auch die Kreuzfahrtschiffe Halt. Aber abseits des Meeres wird das Land wild und hoch, es gibt hier noch richtige Urwälder und Seen, steile Canyons und Berglandschaften, die vollkommen unzersiedelt sind und von einer Ursprünglichkeit, wie man sie in den Alpen kaum mehr findet. In den letzten Jahren hat sich jedoch einiges getan, und es gibt bereits viele Wanderwege und Übernachtungsmöglichkeiten in den Nationalparks. (dien.)


  • „Deggendorf“ klingt erst einmal nach nix, sieht aber schön aus. Foto: Picture-Alliance
  • Geheimnisvolle Riten: Die Landshuter Hochzeit spielt eine Vermählung aus dem Jahr 1475 nach. Foto: Picture-Alliance

Niederbayern

Es gibt noch so viele exotische und kaum erforschte Weltgegenden, die es 2018 zu entdecken gilt: Irain Jaya, Ostkirgistan, die Lakadiven – und Niederbayern. Undurchdringlicher Urwald, autochtone Völker, wilde Riten, fremde Sprachen – all das gibt es im Südosten Deutschlands, irgendwo hinter Deggendorf, Dingolfing und Regen, dort, wo der Wald sich in der Weite Osteuropas zu verlieren beginnt. Und das Beste ist: Man braucht keinen Langstreckenflug, kein Visum, keine Impfungen. Nur einen Dolmetscher sollte man sich leisten. Oder, um es auf niederbayrisch zu sagen: „Do dadir dada do dadir dada ah und do dada da ah dadirn.“ (asl)

Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 28.12.2017 14:39 Uhr