26.05.2004 · Die nächsten Ferien kommen bestimmt und mit ihnen die Frage, wie man sich gegen die Risiken einer Auslandsreise schützen soll. Vorsicht ist jedoch geboten: Nicht jede Absicherung ist sinnvoll und nötig.
Von Ulrich SchmidtIn einem Monat ist Sommeranfang. Dann zieht es Millionen von Deutschen wieder an die Strände des Mittelmeers, in die Berge der Rocky Mountains oder in die Buchten der Karibik. Gebucht wird jetzt. Und zusammen mit Flugtickets, Hotelzimmern und Ferienhäusern bieten viele Reisebüros umfangreiche Versicherungspakete an. Ein ausreichender Schutz im Ausland ist wichtig. Doch Vorsicht ist geboten: Nicht jede Absicherung ist sinnvoll und nötig.
Krankheit
Eine private Reisekrankenversicherung ist die einzige wirklich wichtige für den Urlaub im Ausland. Denn die gesetzliche Krankenversicherung bietet nur unzureichenden Schutz. Die Folge: Wer im Ausland krank wird, zahlt häufig selbst.
Außerhalb Europas bieten die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel überhaupt keinen Schutz. In Europa besteht mit zahlreichen Ländern ein Sozialversicherungsabkommen. Darunter sind alle EU-Staaten, auch die zum 1. Mai dieses Jahres beigetretenen. Für diese Länder kann sich der Reisende einen Auslandskrankenschein ausstellen lassen, das Formular E 111. Bei vielen Krankenkassen kann es mit Hilfe der Mitgliedsnummer noch im Urlaub aus dem Internet geladen werden. Mit der 2006 geplanten Einführung der elektronischen Gesundheitskarte soll auch das überflüssig werden. Die Karte soll dann europaweit gültig sein.
Doch der Schutz durch die gesetzlichen Krankenkassen ist auch im europäischen Ausland oft unzureichend. Nur diejenigen Kosten werden erstattet, die in dem Reiseland üblich sind, ein Rücktransport nach Deutschland wird generell nicht bezahlt. Zudem muß in vielen Ländern zusätzlich zum Auslandskrankenschein ein nationaler Behandlungsschein angefordert werden, und selbst den akzeptieren viele Ärzte nicht. Der Patient muß dann in Vorkasse gehen.
"Die Reisekrankenversicherung ist ein Muß", heißt es deshalb bei der Stiftung Warentest. Zumindest für gesetzlich Versicherte. Doch auch privat Versicherte sollten ihren Vertrag prüfen. Die Auslandskrankenversicherung garantiert auf Reisen die freie Arzt- und Krankenhauswahl und bezahlt notwendige Medikamente, Röntgenaufnahmen oder Operationen. Auch der Rücktransport nach Deutschland ist üblicherweise inbegriffen, wenn er medizinisch notwendig ist. Zahnärztliche Behandlungen werden nur bei akuten Schmerzen bezahlt, manchmal gar nicht.
Auslandskrankenversicherungen sind alles andere als teuer: Schon ab sechs Euro gibt es eine Jahrespolice. Sie gilt für sämtliche Reisen innerhalb eines Jahres, sofern diese nicht länger als sechs Wochen dauern. Wer länger verreist, kann sich tageweise versichern.
Reiserücktritt
Für teure Urlaube ist eine Reiserücktrittsversicherung sinnvoll. Wenn die Reise aus einem wichtigen Grund nicht angetreten werden kann, übernimmt die Versicherung die Stornogebühren des Veranstalters, die bis zu 60 Prozent des Reisepreises betragen können. Als wichtige Gründe gelten etwa schwere Krankheiten und Unfälle, der Tod naher Angehöriger, der Verlust des Arbeitsplatzes oder ein schwerer Einbruch in der eigenen Wohnung. Anschläge im Urlaubsland dagegen werden nicht als Stornierungsgrund anerkannt.
Ganz billig ist die Reiserücktrittsversicherung nicht: Bei einem Reisepreis von 3000 Euro liegen die Prämien zwischen 33 und 55 Euro. Zudem verlangen viele Versicherer einen Selbstbehalt von pauschal 25 Euro oder von 20 Prozent der Kosten, falls die Reise wegen Krankheit nicht angetreten wird.
Reisegepäck
Versicherungen gegen Diebstahl oder Verlust der Siebensachen sind ihr Geld meist nicht wert. Sie sollen den Verlust oder die Beschädigung des Reisegepäcks ersetzen. Allerdings zahlen sie in vielen Fällen nicht. Insbesondere bei Diebstahl oder Raub werfen die Gesellschaften den Geschädigten oft eine Mitschuld vor, wie der Bundesverband der Versicherten berichtet. "Einen Koffer darf man nicht neben sich stellen, sondern er muß zwischen die Beine geklemmt werden", heißt es dort.
Bei einem Gepäckwert von 2000 Euro liegt die Versicherungsprämie für eine dreiwöchige Reise bei etwa 30 Euro. Geld, das sich erst recht sparen kann, wer eine Hausratsversicherung hat. Denn die haftet oft auch im Urlaub.
Auto-Schutzbrief Wer mit dem eigenen Wagen in den Urlaub fährt, dem kann der Auto-Schutzbrief Nerven sparen. Schutzbriefe übernehmen die Kosten für Pannen- und Unfallhilfe, Abschleppen sowie Hotel und Mietwagen für die Weiterreise. Auch der Krankentransport nach Deutschland wird meist übernommen, wenn er medizinisch notwendig ist. Die Deckungssummen sind jedoch oft zu niedrig. Für Autoreparaturen kommen sie nicht auf.
Schutzbriefe kosten zwischen 30 und 50 Euro im Jahr. Besser als die Angebote der Versicherungen ist die Mitgliedschaft in einem Automobilclub wie dem ADAC.
Mietwagen
Wer im Urlaub ein Auto mietet, für den ist die sogenannte Mallorca-Police sinnvoll. Denn Mietwagen sind oft unzureichend versichert. Die Folge: Wer einen Unfall verursacht, muß für einen Großteil des Schadens selbst aufkommen. Diesen Teil übernimmt die Mallorca-Police, die in ganz Europa, auf den Kanaren und auf Madeira gilt. Sie ist in den meisten regulären Haftpflichtversicherungen bereits enthalten.