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Peru : Liegt im Staub ein Regenbogen

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Boom am Selfieberg: Der Rainbow Mountain erlebt einen Instagrambedingten Ansturm. Bild: Picture-Alliance

Die sozialen Netzwerke haben den „Rainbow Mountain“ in Peru berühmt gemacht. Von Cusco aus kommen Tagesgäste mit dem Bus. Über den Ausangate-Trek kann man allerdings auch hinlaufen. Das dauert knapp eine Woche.

          Während einer klaren, dunklen Nacht in der peruanischen Cordillera Vilcanota begreift man leicht, weshalb die Bewohner der Anden-Täler bis heute glauben, dass wir Menschen nur Sternenstaub seien: immer unterwegs im unendlichen Kosmos, auf der Reise von einem Sein zum nächsten. Für sie ist die Milchstraße am Sternenzelt der Fluss des Lebens. Steht man in Cusco, scheint der silbern schimmernde Himmelsstrom, den sie hier Willcamaya nennen, am Horizont auf den verschneiten Gipfel des Ausangate zu treffen und sich dort in Gletschereis zu verwandeln. Verständlich, dass man einst glaubte, dort wohne ein Gott. Zumal das Eis zu Wasser wird und als Río Urubamba durch das Heilige Tal der Inka zurück nach Cusco fließt. Ein Lebenszyklus.

          Für die Inka war das kolossale Massiv des Ausangate ein Apu, ein Berggott. Er gilt bis heute als Spender des Lebens, als Schöpfer, als Bewahrer. Mit 6372 Metern ist der Ausangate der höchste Berg weit und breit. Und damit auch der Mächtigste unter den Gottheiten. Die Einheimischen nannten ihn früher Aucakati: Oberhaupt der Krieger.

          Respekt flößt das gewaltige Gebirge jedem ein. Abschreckend ist die Region allerdings nicht. Und mit dem „Camino del Apu“ – dem Weg zum Berggott – gibt es eine komfortable, dennoch abenteuerliche Möglichkeit, in das Hochgebirge vorzudringen. Es ist ein fünftägiger Trek von Hütte zu Hütte auf technisch einfachen Steigen entlang dem Fuß des Massivs. Der Weg streift gleißend weiße Gletscherabbrüche, smaragdgrüne Bergseen, in knalligen Rottönen schimmernde Sandsteingipfel, aber auch zivilisationsferne Indigena-Dörfer und endlose Weideflächen.

          Buchstäblich atemberaubend

          „Wir haben dreiundvierzig Kilometer vor uns. Das klingt nicht viel, addiert sich aber zu einer fordernden Wanderung“, hatte uns der Bergführer Daniel Bustamante beim Aufbruch gewarnt. Vor allem die dünne Luft macht die Tour strapaziös, der höchste Punkt liegt auf einem Pass in fünftausendeinhundert Meter Höhe. Drei der vier Hütten, in denen übernachtet wird, stehen knapp unterhalb von fünftausend Metern. Das gleicht einer Garantie für unruhige Nächte. Atemraubende Erlebnisse sind also garantiert. Buchstäblich.

          Pilgerfest am heiligen Berg Ausangate: Auf 4200 Metern Höhe wird gekocht.

          Das Dörfchen Chillca, Startpunkt des Trails, sieht aus wie eine Handvoll Steine, die ein Riese in die felsige Landschaft geworfen hat. Nicht einmal zweihundert Menschen leben dort, kurz vor dem Ende einer ungemütlichen Fahrpiste. Sie züchten Alpakas und verkaufen ebenso deren Wolle wie Fleisch. Die Herden sind riesig. Zehntausende der Tiere stehen in den Tälern und kauen auf dem harten Halmen des gelblichen Ichu-Grases, das die Bergflanken wie ein Hochflor-Teppich überzieht. Das erste Etappenziel, die Herberge Chillca Tambo, ist auf einer Schlafweide der Lamas errichtet.

          Früher mussten Wanderer für diese Tour noch ihre Zelte mitbringen. Vor ein paar Jahren jedoch entstanden Gästehäuser im Vilcanota-Gebirge – von den Einheimischen mit Lehm und Eukalyptus-Stämmen errichtet. Dahinter verbirgt sich ein nachhaltiges Tourismus-Projekt von Andean Lodges in Cusco, das den Hochtal-Bewohnern, die ausschließlich als Alpaka-Hirten und Bergbauern lebten, weitere Möglichkeiten der Arbeit gibt: als Wanderführer, als Köche, als Angestellte im Service, aber auch als Pferdeführer oder Lama-Treiber, weil durch die Trekking-Gruppen eine alte Tradition wieder auflebt – sie lassen ihr Gepäck von Lamas tragen.

          Alpakas als Spielkameraden

          Zu denen, die das Projekt angestoßen haben, gehört Roger Valencia, einst Vize im peruanischen Tourismusministerium. Als passionierte Kletterer war er wochenlang mit einer Expedition im Ausangate-Gebirge unterwegs gewesen und suchte nun nach einer Möglichkeit, die Lebensumstände der Hirten zu verbessern. Er schlug vor, einen Wanderweg durch den pittoresken Landstrich zu ziehen. Später entstand aus der Idee eine Kooperation von Investoren aus Cusco und zwei abgelegenen Dorfgemeinden, Osefina und Chillca. Dabei waren die traditionell denkenden Quechua in den Bergen zunächst skeptisch. Heute sind während der Saison jeden Monat mehrere Wandergruppen auf dem Trail unterwegs, von Lodge zu Lodge.

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