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Reise durch Kuba : Was kommt nach der Dämmerung?

Fast wie vor der Revolution: Aus purer Not müssen die alten Chevys in Kuba Extrarunden drehen, inzwischen fahren sie mit japanischen Motoren Bild: Pilar, Daniel

Die Strände sind weiß und überall ertönt Salsa-Musik. Doch nach über zwanzig Jahren der Krise kann der Tourismus allein Kuba nicht retten. Reise in ein Land, das mit sich selbst nicht glücklich werden kann.

          Wir sind dem Winter entkommen. Vor dem Flughafen wachsen die Königspalmen mit ihren knochenharten Stämmen schräg in den blauen Himmel, die Luft ist angenehm feucht, der Luftdruck derart hoch, dass man die Abgase der wartenden Busse hinter dem Flughafen riecht. Bei siebenundzwanzig Grad Celsius sind wir in Santa Clara gelandet, doch kaum haben wir unsere Euros in CUCs umgetauscht - Kubas an den Dollar gekoppelte Konsumwährung -, steht die Sonne nur noch knapp oberhalb des Horizonts. Dabei ist es erst siebzehn Uhr, das ist ja fast wie in Deutschland. Kurze Zeit später sitzen wir im Bus auf dem Weg nach Santa Clara, jener Stadt, in der Che Guevara 1958 der entscheidende Sieg gegen das Batista-Regime gelang und er die kubanische Revolution auf die Erfolgsspur brachte. Und nachdem die Sonne in Opalfarben untergegangen ist, stellt sich der erste poetische Moment unserer Reise ein. Die Dunkelheit zieht uns in den Bann.

          Uwe Ebbinghaus

          Redakteur im Feuilleton.

          Wenn es dunkel wird, beginnt Kuba, ob in der Stadt oder auf dem Land, zu schwingen. Wegen des verordneten Energiesparens nimmt eine fast krippenhafte Lichtregie das Land in Beschlag, als ob das Saallicht ausginge, damit die eigentliche Vorführung beginnen kann - auch wenn diese dann nicht immer hält, was sie verspricht. Auf der schmalen Straße, die vom Flughafen zunächst an Feldern vorbei in die Stadt führt, passieren wir ein junges Paar auf einem unbeleuchteten Fahrrad, Ziegen am Straßenrand, Pferdekutschen mit Wurzelwerk, alles nur spärlich beleuchtet von vereinzelten Straßenfunzeln. Und da man einander so schlecht sieht - die Fahrräder fahren immer ohne, Autos nur manchmal mit Licht -, beginnt man fast zwangsläufig, aufeinander zu achten, miteinander zu kommunizieren. Unser Fahrer etwa lässt es sich nicht nehmen, den Bus bei jedem Tier, das am Straßenrand grast, fast auf Schrittgeschwindigkeit herunterzubremsen.

          Was kaputt geht, wird durch chinesische Fabrikate ersetzt

          Wir lassen die Außenbezirke mit ihren verfallenen Industrieanlagen hinter uns und biegen in die schmalen Wohnstraßen Santa Claras ein, fahren dicht vorbei an den bunten Reihenhäusern, die zum Zentrum hin immer kolonialer werden. Die Fernseher flimmern hinter offenen Eingangstüren, die Wohnzimmer, in die man leicht hineinschauen kann, sind vom fahlen Licht der Energiesparlampen beleuchtet, deren Verwendung die Regierung schon vor Jahren für das ganze Land angeordnet hat. Seit fast einem Vierteljahrhundert arrangieren sich die Kubaner jetzt schon mit der sogenannten Período Especial, der Sonder- oder besser Notstandsperiode, die 1990 mit dem Zerfall der Sowjetunion und der Talfahrt des Zuckerpreises begann. Energie und Nahrung wurden schlagartig knapp, plötzlich gab es nirgendwo mehr etwas zu essen, die Gefängnisse füllten sich wegen Diebstahlsdelikten. Gleichzeitig sollten der hohe medizinische Standard und das ambitionierte Bildungssystem mit flächendeckender Alphabetisierung aufrechterhalten werden. Technische Geräte, vor allem Autos, verschlissen, ohne dass Ersatzteile zu bekommen waren, und inzwischen verhält es sich, vereinfacht gesagt, so: Wann immer etwas im Land kaputt geht, wird es durch chinesische Fabrikate oder die allgegenwärtige Improvisation ersetzt.

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