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Denver : Wiedergeburt im Schatten der Rocky Mountains

  • -Aktualisiert am

Eine Stadt sucht sich selbst - und scheint sich gefunden zu haben, seit Denver sein Zentrum wieder als Lebensraum begreift. Bild: Picture-Alliance

Denver ist hip. Mit Radwegen, dem rasanten Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und einer geglückten Wiederbelebung des Bahnhofs schreibt die Stadt ein neues Kapitel amerikanischer Urbanität.

          Ja, es fahren noch Autos in Denver. Auf dem Weg vom Flughafen in die Innenstadt steht man mitunter ein, zwei Stunden lang im Stau. Aber wer dort im Verkehr feststeckt, hat schon einen gravierenden Fehler begangen und die bessere Option übersehen. Denn im April dieses Jahres wurde die „A-Line“ in Betrieb genommen, eine Schnellbahn, die den vierzig Kilometer vor der Stadt entfernten Flughafen in einer Dreiviertelstunde mit Downtown verbindet. Endstation ist der spannendste Ort des alten und neuen Denver: Die Union Station, 1914 als eine der schönsten Eisenbahnkathedralen Amerikas eröffnet und zwischenzeitlich völlig heruntergekommen, präsentiert sich seit zwei Jahren wieder als hinreißendes Bahnhofsjuwel. Fassade, Schalterhalle und Wartesäle sind komplett renoviert, Fenster, Ornamente und Kronleuchter in alter Pracht wiederhergestellt.

          Aus der einst zugigen Bahnhofshalle ist ein überdimensionales und dennoch herrlich gemütliches Wohnzimmer geworden, ein öffentlicher Raum, der jedermann offensteht. Sofas und Ohrensessel, Schreibtische, Sekretäre und Kommoden, Truhen und Überseekoffer sorgen für Behaglichkeit. In die früheren Fahrkartenschalter ist eine Bar eingezogen, in Nebenräumen und ehemaligen Wartesälen haben Cafés, Restaurants und Schnellimbisse eröffnet. Man plaudert oder ruht sich aus, liest oder arbeitet am Computer, verabredet sich mit Freunden oder zu Geschäftsterminen. Am Wochenende scheint sich hier die halbe Stadt zum Brunch zu treffen. Mit dieser Auffrischung des alten Bahnhofs hat Denver die Plaza als urbanen Treffpunkt einfallsreich variiert und das Prinzip von Stadtmitte auf reizvolle Art neu interpretiert.

          Vergesst die schmuddeligen Greyhound-Stationen

          Auch als Verkehrsknotenpunkt gewinnt die Union Station nach und nach ihre alte Bedeutung zurück. Im Jahr 1920 kamen jeden Tag achtzig Züge an, dreihunderttausend Menschen passierten den Bahnhof. Heute verkauft Amtrak an einem Schalter die Tickets für den „California Zephyr“, der auf seiner Fahrt zwischen Chicago und Los Angeles hier einen Halt einlegt. Auf den Gleisen vor dem Gebäude rollen die Züge der regionalen Schnellbahnen ein und aus. Im Lauf dieses Jahres wird im Rahmen des Programms „FasTracks“ eine Reihe neuer Strecken eröffnet, die das bestehende Netz um mehr als fünfzig Prozent erweitern. Im Untergeschoss befindet sich ein Busbahnhof, der mit seinen zweiundzwanzig hellen, großzügigen Terminals die Abflughalle eines Flughafens imitiert und die schmuddeligen Stationen von Greyhound vergessen lässt.

          Das Civic Center von Denver: Zwischen der Stadt und den Rocky Mountains ist nicht mehr viel Platz.
          Das Civic Center von Denver: Zwischen der Stadt und den Rocky Mountains ist nicht mehr viel Platz. : Bild: Picture-Alliance

          So ist Union Station der Dreh- und Angelpunkt für Denvers höchst unamerikanisches Nahverkehrskonzept, das die Autoflut eindämmen soll. Ein Symbol dafür ist die Millennium Bridge, eine neue Fußgänger- und Radfahrerbrücke, deren markante weiße Streben direkt neben dem Bahnhof in Denvers ewig blauen Himmel ragen. Dort startet auch der kostenlose Shuttlebus, der von der Union Station aus parallel zur zweieinhalb Kilometer langen Fußgängerzone über die 16th Street bis zum Civic Center Park pendelt und an mehr als einem Dutzend Hotels vorbeikommt.

          Die 16th Street ist die zentrale Flaniermeile der Stadt mit Bäumen und Blumenrabatten, mit Geschäften, Restaurants, Straßencafés und einem Dutzend Klavieren, an denen Passanten, professionelle Musiker und hoffnungsfrohe Talente den ganzen Tag über nach Lust und Laune improvisieren können. Der Boulevard dient zudem als Laufsteg zu den meisten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Nur wenige Schritte entfernt liegen der Golden Triangle Museum District, das State Capitol, das Convention Center, das Baseballstadion Coors Field, das Ausgehviertel Larimer Square und der Performing Arts Complex mit seinen zehn Theatersälen.

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