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Radurlaub : Und immer wird irgendetwas erzählt

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Ein bisschen verrückt darf man immer sein: Radfahrer vor dem Narrenbaum von Leutkirch. Bild: Gerhard Fitzthum

Mit dem Fahrrad durch Flachland und Alpen: Die Allgäu-Runde lebt vom Kontrast zwischen Idyll und dramatischer Kulisse.

          Anfangen, wo es anfängt!“ Eine bessere Devise kann es kaum geben, wenn man eine mehrtägige Radreise plant. Doch wo fängt eine ausgewiesene Route an, die im Kreis verläuft? Bei den zahllosen Flussradwegen des Landes ist die Sache einfach: Man steigt entweder an der Quelle oder an der Mündung in den Sattel. Bei der fast fünfhundert Kilometer langen „Allgäu-Runde“, die einen großen Kreis um Kempten zieht und auch in alpines Gelände eintaucht, sind unendlich viele Startpunkte denkbar.

          Mit einer Bergetappe zu beginnen oder allzu direkt auf die Alpen zuzufahren wäre der spektakulären Landschaft wegen ein dramaturgischer Fehler - dann fiele die Spannungskurve die restlichen Tage ab. Es hieße zudem, gleich am Anfang vorgesetzt zu bekommen, was Genussradler am wenigsten mögen: deftige Steigungen. Wir starten deshalb in Kaufbeuren, einem bildhübschen Städtchen, das allerdings der dort geborene Hans Magnus Enzensberger zeitlebens wegen seiner Spießigkeit gehasst hat. Und es ist ja sicher etwas anderes, das mittelalterliche Ortsbild vom Straßencafé aus zu genießen, als hier zu leben.

          Der Säulenheilige aus Bad Wörishofen

          Von Kaufbeuren geht es gegen den Uhrzeigersinn nach Norden, auf Bad Wörishofen zu, wo die Route nach Westen schwenkt, in Richtung Memmingen und Leutkirch. Unterwegs ist man dabei auf dem siebzig Kilometer langen Teilabschnitt, der „Glückswege“ getauft wurde. Es ist die mit Abstand bequemste Passage dieses Radfernwegs. Der Name spielt auf Sebastian Kneipp an, den legendären Laien-Mediziner und Säulenheiligen von Bad Wörishofen. Der umtriebige Gottesmann hatte nicht nur Naturheilverfahren wiederbelebt, die schon den Römern bekannt waren. Er verstand sich auch als Lebensberater, versuchte seinen Mitmenschen den Weg ins Glück zu weisen.

          Zwischen Kaufbeuren und Pforzen könnten wir seine Hilfe gut gebrauchen. Trostlose sieben Kilometer folgt der Radweg der vielbefahrenen B 16. Kurz darauf lassen dann auch noch die Markierungen zu wünschen übrig. Zwar findet sich hin und wieder ein Radwegschild, es verrät aber nicht immer, zu welcher der vielen örtlichen und regionalen Routen es gehört. Kein Wunder, dass sich ketzerische Gedanken einschleichen: Setzt man inzwischen ganz auf GPS-bewaffnete Pedaltreter, die sowieso nur noch auf ihr Display schauen und keinerlei Orientierungshilfen in der wirklichen Welt mehr bedürfen? Oder ist die Allgäu-Runde zu schnell an den Start gegangen? Eine Stunde später sind wir versöhnt. Alles wunderbar markiert. Nach der Geduldsprobe an der B16 durften wir zudem eine ganze Zeit lang der munter dahin fließenden Wertach folgen. Dann öffnete sich die Allgäuer Bilderbuchlandschaft mit ihren pastoralen Wiesenszenerien, einzelnen alten Baumgruppen und pittoresken Holzscheunen. Es ist eine beschauliche Welt in satten Grüntönen. Rätselhaft, dass man erst jetzt auf die Idee kam, einen derart gesegneten Landstrich mit einem durchgehenden Radweg erfahrbar zu machen.

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