http://www.faz.net/-gxh-98za9

Flixtrain : Der Kampf der Monopolisten

  • -Aktualisiert am

Mehr als hundert Millionen Menschen sind in den vergangenen fünf Jahren mit Flixbussen gefahren. Jetzt will das Münchner Unternehmen auch den Schienenverkehr erobern - wenn auch vorerst nur mit zwei Verbindungen. Bild: dpa

Flixbusse sind längst ein alltäglicher Anblick auf deutschen Straßen, Flixtrains hingegen noch Raritäten auf den Gleisen. Eine Probefahrt von Frankfurt nach Fulda.

          Wir stehen frühmorgens am Frankfurter Südbahnhof und warten auf unseren Flixtrain. Doch auf dem Abfahrtsplan der Deutschen Bahn ist der Zug nicht verzeichnet, und auch sonst findet sich nirgendwo ein Hinweis. Ratlos und mit einem Anflug von schlechtem Gewissen fragen wir beim DB-Informationsschalter nach, wo denn der Flixtrain abfahre. Ein freundlicher Mitarbeiter der Deutschen Bahn schickt uns zu Gleis 8. Dort wird allerdings ein LOC1818 nach Berlin-Lichtenberg auf der Tafel angezeigt, die außerdem verkündet, dass ein besonderer Fahrausweis erforderlich sei. Das muss er also sein. Dutzende von Passagieren warten an diesem Morgen auf den Flixtrain. Einige halten ihr Ticket schon in der Hand, und so rufen auch wir die E-Mail mit dem QR-Code zur Sicherheit auf – vielleicht wird man ja wie bei den Fernbussen bereits beim Einstieg kontrolliert. Doch Fehlanzeige. Als wir eine gute Stunde später in Fulda wieder aussteigen, hat immer noch niemand nach unserem Ticket gefragt.

          Die Strecke Frankfurt–Berlin kostet bei Flixtrain 19 Euro, wenn man zwei Wochen vorher bucht, bei der Deutschen Bahn sind es mit Spartarif 33,90 Euro. Dafür bekommt man laut der Flixtrain-Website eine Sitzplatzgarantie, extra Beinfreiheit, W-Lan und Steckdosen beziehungsweise Powerbanks, wenn kein Stromanschluss verfügbar ist. Wie bei der Bahn soll es auch eine Snackbar und reservierungspflichtige Stellplätze für Fahrräder geben. Zudem werden Kombitickets für grüne Züge und Busse angeboten, mit denen man einen Teil der Strecke mit dem Zug bewältigen kann, um später in einen Bus umzusteigen. Die Flixtrain-Tickets werden wie die Bustickets auch vor allem über das Internet verkauft, bis zu dreißig Tage vor Fahrtantritt kann man sie kostenfrei stornieren. Die Möglichkeit, Sitzplätze zu reservieren, testet Flixbus gerade im Fernbusangebot mit einem Pilotprojekt, ebenso ein zusätzliches Entertainmentprogramm an Bord. Auf unserem Ticket prangt links das Flixbus-Logo, auf dem Fahrplan steht aber zur Sicherheit noch einmal „Zug“ und der Hinweis, dass diese Fahrt vom Kooperationspartner LeoExpress durchgeführt wird. Eine Gleisnummer steht nicht dabei, man solle an Ort und Stelle auf Züge mit den Nummern LOC1818 und LOC1819 achten.

          Grüne Konkurrenz: Flixbus nimmt jetzt auch auf der Schiene das Rennen mit der Deutschen Bahn auf.

          Der Zug, der pünktlich angerollt kommt, ist zu unserer Enttäuschung gar nicht grün, sondern blau-gelb und hat wohl vor sehr langer Zeit schon einmal für die Konkurrenz bei der Deutschen Bahn gearbeitet. Sein Interieur erinnert stark an die alten, etwas muffigen Intercity-Züge mit den störrischen Glastüren, zerschlissenen Sitzpolstern und der großzügigen Raumaufteilung, bei der es neben Sechserabteilen auch Mittelräume mit je elf Sitzen, einem Tisch und Klappsitzen gibt. Auch die Piktogramme auf nachtblauem Hintergrund zeigen, dass man den Geist der Deutschen Bahn wohl doch so schnell nicht losgeworden ist. Auf den engen, schmuddeligen Toiletten gibt es Pulverseife aus einem radförmigen Spender, an dem man drehen muss, und die schweren, alten Zugtüren bekommen wir beim Ausstieg nur mit der Hilfe der Passagiere auf, die auf dem Bahnsteig stehen.

          Weitere Themen

          Flixbus umgekippt Video-Seite öffnen

          Unfall auf A19 : Flixbus umgekippt

          Auf der Fahrt von Rostock nach Berlin ist ein Flixbus von der Fahrbahn abgekommen. Viele der 63 Personen an Bord wurden verletzt.

          Topmeldungen

          FAZ Plus Artikel: Prager Revolution : Frühlingsende

          Tschechen und Slowaken stellten sich vor fünfzig Jahren gewaltfrei der Invasion des Warschauer Paktes entgegen. Für einige Tage waren sie stärker als die Panzer der Okkupationstruppen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.