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Portugal : Die Elementarteilchen von Lissabon

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Nie wieder wird man behaupten, die Portugiesen seien einfältig, wenn man sich einmal durch Lissabon genascht hat. Bild: Holger Leue

Cafés und Konditoreien gibt es an jeder Ecke in der portugiesischen Hauptstadt. Doch wo werden die besten Kuchen, Torten und Puddingröllchen angeboten? Eine Suche im Labyrinth der süßen Köstlichkeiten.

          Um es vorwegzunehmen: Es war nicht zu schaffen. Die Aufgabe war zu groß, zu mächtig. Man müsste umziehen in die Stadt am Tejo und im Rhythmus der Lisboetas die Cafés und Konditoreien besuchen, also sehr häufig und mindestens einmal am Tag. Dann würde man sehen. Nach ein zwei Jahren vielleicht darf man sich eine Meinung bilden, gut begründet und verdaut, sozusagen aus dem Bauch heraus.

          Lissabon liegt fast am Meer. Der Tejo braucht noch ein paar Kilometer bis zum Atlantik, der in der kühleren Jahreshälfte die Stadt mit reichlich Regen versorgt. Lissabon im Winter, das geht nur mit Schirm im Gepäck und ein paar Bücher und dem Gefühl, viel Zeit zu haben. Die Stadt ist nichts für Eilige. Man könnte sogar sagen, sie wird erst sichtbar ab einer gewissen Langsamkeit. Der Zeitstrom fließt hier etwas träger als in Madrid, Berlin oder London.

          Kellner in tadelloser Arbeitskleidung

          An der Praça do Comércio ist der Fluss immerhin schon so breit, dass man ihn für einen Meeresarm halten könnte. Bis zum anderen Ufer des Tejo sind es drei Kilometer. Der riesige Platz wird von herrschaftlichen, gleichförmigen Gebäudefassaden in einem großen „U“ umschlossen. Ich kann mich an frühere Aufenthalte erinnern, da hatte dieser Ort die Aura eines Kasernenhofs. Unter den Arkaden sah man ab und an einen Beamten in den Gebäuden verschwinden, in denen Behörden untergebracht waren. Doch wir Touristen blieben nur kurz, und Einheimische machten sich rar. Das ist jetzt anders. Schicke Bars und Restaurants sind eröffnet worden, eine Multivisionsshow über Lissabon lockt viele Besucher an, am Kirschlikör-Kiosk wird im Stehen ein Kurzer gekippt. Ginjihna heißt das Getränk, und diese Minibars sind feste Institutionen in der Stadt. Doch es ist noch zu früh für Schnaps.

          Eine Institution seit vielen Generationen: Das Café Nicola am Rossio hat eine ruhmreiche Geschichte - auch als Hort des Widerstands.
          Eine Institution seit vielen Generationen: Das Café Nicola am Rossio hat eine ruhmreiche Geschichte - auch als Hort des Widerstands. : Bild: Holger Leue

          Ich steige die Rua do Almada hinauf ins Chiado-Viertel. Der Kaffee am Frühstücksbüfett des Hotels war nicht schlecht, für portugiesische Verhältnisse allerdings enttäuschend. Ich steuere das Café Bernard an. Viele werden das sicherlich schönere Café A Brasileira bevorzugen, das nur einige Hausnummern weiter oben an der Rua Garrett liegt. Sie haben recht, doch an diesem Morgen muss es das Bernard sein, denn den Meia de Leite, die halb mit Milch und halb mit Kaffee gefüllte Tasse, begleitet hier traditionell ein Croissant. Und dieses gar nicht portugiesische Gebäck soll nirgendwo besser sein als in dem vornehmen Kaffeehaus, in dem man noch von Kellern in tadelloser, schwarz-weißer Arbeitskleidung bedient wird. Das Croissant ist mit 2,40 Euro für Lissaboner Verhältnisse sehr teuer, aber ebenso ausgezeichnet wie der Kaffee, und ein Euro mehr oder weniger sollte einem das Glück am Morgen schon wert sein.

          Ein Heiligtum aus Marmor und Azulejos

          So gestärkt, gelange ich zur Calçada do Combro, an der sich der Palacio del Papel befindet, der Palast des Papiers. Er ist kaum breiter als die schmale Eingangstür und vollgestopft mit Schreibheften der Marke Livros Azul. Der Laden ist ein Ort für Literaturromantiker, denn hier hat Paul Auster sein blaues Notizbuch gekauft, das er dann zum Protagonisten seines Buchs „Die Nacht des Orakels“ werden ließ. In unmittelbarer Umgebung des Papierpalasts liegen mehrere Konditoreien, darunter die Pastelaria Bijou, die zu den besten der Stadt gehört. Ich probiere einen Palmier, der unseren Schweinsohren gleicht und eine süße Instanz in Lusitanien ist. Als der Kellner das Stückchen zusammen mit einem Pingado serviert - einem Espresso mit einem Schuss Milch -, denke ich erst, es seien zwei Palmiers. Doch dann schmecke ich zwischen den beiden Lagen eine gehaltvolle Eierlikörcreme. Was die Kalorienzahl betrifft, handelt es sich hierbei um ein vollwertiges Mittagessen. Ich kapituliere und wünschte, es gäbe einen Kirschlikör-Kiosk an der Ecke.

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