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Portugal : Kathedralen für die Literatur

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Wer nur gucken will, zahlt Eintritt: Das ist nur recht und billig, denn die Buchhandlung Lello ist schließlich kein Museum. Bild: Margit Kohl

Buchhandlungen und Bibliotheken gehören zu den schönsten Reisezielen in Portugal. In Coimbra wachen sogar Fledermäuse über die Schätze aus Papier.

          Die Buchhandlung von José Manuel Lello in Porto ist ein Ort, an dem man sich gerne die Augen ruiniert. Der imposante Innenraum mit seiner dunklen Holzvertäfelung ist nur spärlich beleuchtet, die Schrift auf den Bücherseiten deshalb nur schwer zu entziffern. Doch das macht nichts, der Laden ist trotzdem bis auf den letzten Platz gefüllt, nicht nur mit Büchern, sondern auch mit Kunden. Schon um zehn Uhr morgens hat sich vor dem Geschäft eine lange Warteschlange gebildet. In der Hochsaison sind es bis zu fünftausend Besucher täglich. Und das Außergewöhnliche daran ist, dass alle auch noch Eintritt für diese Buchhandlung zahlen.

          Um das zu verstehen, muss man wissen, dass der Buchladen eigentlich kein normaler Laden, sondern eine Kathedrale für Bücher ist. Mit seiner schmalen, neogotischen Fassade und einer Innenausstattung im Jugendstil gehört „Lello“ zu den schönsten Buchhandlungen Europas. Besonderer Blickfang ist eine geschwungene Treppe, deren rote Stufen in den weiten Raum der oberen Etage führen, in der auch eine kleine Bar eingerichtet ist. Kein Architekt, sondern ein Ingenieur war einst mit dem Bau des Hauses beauftragt worden, denn allein die Statik der kunstvollen Treppe bedurfte einer komplizierten Konstruktion aus Stahlbeton. Bereits die Eröffnung des Gebäudes wurde deshalb 1906 zum nationalen Ereignis.

          Dann brach Harry Potter über Lello herein

          Herr über diese Bücherkathedrale ist heute José Manuel Lello, der in der fünften Generation die Buchhandlung betreibt. Sein Ururgroßvater hatte die Firma 1881 als Verlag mit Buchhandlung und Druckerei gegründet. Lello erinnert sich daran, dass schon vor vierzig Jahren die ersten Touristen nur zum Schauen kamen, allerdings waren es täglich kaum mehr als eine Handvoll. Dann folgten all die Selfie-Knipser, die seine Buchhandlung auch bei jungen Leuten bekannt machten.

          Zum Vergleich: Das ist nicht Lello, das ist die Innenausstattung von Direktor Dumbledores Büro.
          Zum Vergleich: Das ist nicht Lello, das ist die Innenausstattung von Direktor Dumbledores Büro. : Bild: dpa

          Und schließlich brach Harry Potter über Lello herein: Die englische Schriftstellerin Joanne K. Rowling, die drei Jahre lang in der Stadt am Douro lebte, soll ausgerechnet in der Buchhandlung „Lello“ zu den schwingenden Treppen von Hogwarts Zauberinternat inspiriert worden sein. Natürlich tragen auch in Porto die Studenten die traditionellen, langen, schwarzen Umhänge, die Capas Pretas, und marschieren damit wie in einer Harry-Potter-Verfilmung im Gleichschritt mit lauten Gesängen durch die mittelalterlichen Gassen. Solche Kulissen und Geschichten werden gerne geteilt in der allmächtigen Dreifaltigkeit des Internets. Zur virtuellen Welt passt das perfekt. Nur Lello passte das überhaupt nicht. Schließlich ist der Mann Verleger und nicht Museumsdirektor. Es musste also rasch ein Rettungsplan her, damit der Laden nicht bald zum Bücherfriedhof verkam.

          Buch mit Fahrradkurier und Lesehilfe

          Seit diesem Sommer hat die Buchhandlung ein Gutscheinsystem eingeführt. Die Besucher müssen drei Euro Eintritt zahlen, die aber beim Kauf eines Buches verrechnet werden. „Das hat den Umsatz enorm gesteigert“, sagt Lello zufrieden. Zudem ist der Laden längst auch auf ein internationales Publikum eingestellt und bietet viele portugiesische Autoren in Übersetzungen an. Der Nobelpreisträger José Saramago und Fernando Pessoa gehören zu Lellos Bestsellern.

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