01.08.2002 · Die grandiose Küste im Süden Portugals ist ein Urlaubsparadies. Aber die kleine Provinz hat mehr zu bieten als goldgelbe Sandstrände.
Von Rudi StalleinDer schönste Küstenabschnitt der Algarve für lange Strandspaziergänge liegt zweifellos zwischen dem bizarren Felsenpark der Ponta da Piedade bei Lagos und den windumtosten Steilklippen am Cabo de Sao Vicente, dem südwestlichsten Zipfel des europäischen Festlands. Hier liegen die wichtigsten Ferienorte gleich über den spektakulären Klippen. Und hinter jeder Felsnase verbirgt sich ein neuer zauberhafter Strand.
Man mag es beim Anblick der Sonnenschirmreihen an den Stränden von Albufeira, Praia da Rocha und Lagos kaum glauben: aber die Algarve bietet auch Bilderbuchstrände ohne viel Touristenrummel. An der Costa Vicentina nämlich, die sich von Sagres aus gegen Norden schiebt und seit 1993 Naturschutzpark ist. So steht zu hoffen, dass die schroffe Westküste bleibt, was sie ist: Eine weitgehend unberührte Idylle aus sanften Hügeln und steilen Klippen.
Strände, bisher nur vom Meer geküßt
Hier zieht der der Schäfer noch mit seiner Herde über die weiten Felder, fahren die Bauern noch mit ihren kleinen, bemalten Carrinchas zum Wochenmarkt. Und die meisten Strände liegen noch im Dornröschenschlaf. So genießen selbst Bilderbuchstrände wie Praia de Monte Clérigo, Praia da Arrifana und die vor allem bei Surfern beliebte Bucht von Carrapateira noch heute Geheimtipp-Charakter.
Ein Erlebnis für sich ist auch der noch recht unbekannte Küstenabschnitt östlich von Faro. Zwischen der Provinzhauptstadt und der spanischen Grenze präsentiert sich die beliebte Badeküste völlig anders, als sie in den Reisekatalogen dargestellt wird. Weite Dünenstrände, grüne Lagunen und schmale Inseln erinnern an die Wattlandschaften der Nordsee.
Wattwandern wie in der Nordsee
Zum Baden geht es hinüber auf die langen Sandbänke, bei Ebbe zu Fuß durchs Watt, bei Flut mit dem Fischerboot. Reichlich Sonne, Sand und sanfte Wellen entschädigen hier für den Verzicht auf bizarre Klippen. Trubel herrscht nur in Monte Gordo, einem lebhaften Seebad, an dessen breitem, gepflegtem Strand überwiegend Portugiesen und Spanier ihren Urlaub verbringen.
Einen Moment der Ruhe zum Milchkaffee in Tavira
Zum Pflichtprogramm an diesem Teil der Algarve gehört der Besuch von Tavira. An Bewunderern mangelt es dem pittoresken Städtchen nicht. Aber die meisten bleiben nur ein paar Stunden. Sie schlendern durch schmale Gassen, die von stattlichen Patrizierhäusern gesäumt sind, bestaunen die geschmiedeten Balkone, die wie Schmuck vor den hohen Fenstern hängen. Sie genießen die Ruhe im winzigen Park der Burgruine, lassen den Blick über Pagodendächer und Kirchtürme schweifen. Noch schnell einen "café com leite" , einen Milchkaffee unter schattigen Bäumen vor dem Café Arcada - dann drängt der Reiseleiter zur Weiterfahrt.
Eintauchen in eine andere Welt - Flora läßt grüßen
Auch in der Serra de Monchique hält sich der Touristentrubel in Grenzen. Kaum zwanzig Kilometer von den Urlauberzentren an der Küste entfernt taucht der Reisende in eine andere Welt. Vorbei an Obstplantagen und Gemüsefeldern, durch lichte Eukalyptuswälder geht die Fahrt. Mimosen und Mandelbäume, Rhododendron und Pfingstrosen weben bunte Tupfer in die grüne Landschaft. Rostrot leuchten die nackten Stämme geschälter Korkeichen. Hier wuchern Heidekraut und meterhoher Farn, wachsen Kastanien und wilde Azaleen, sind romantische Schluchten und munter plätschernde Bäche zu entdecken.
Die Krönung ist die grandiose Aussicht vom Gipfel des 902 Meter hohen Foía: Halb Portugal liegt einem zu Füßen, am Horizont lässt die Sonne glitzernde Perlen auf den Wellen des Atlantik tanzen.