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Pitcairn Island : Erben des Aufstands

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Versteckt am Ende der Welt: Die Siedlung auf Pitcairn Island Bild: © Yves Gellie/Corbis

Abgelegener kann man kaum stranden: Auf Pitcairn Island leben die Nachfahren der Meuterer auf der „Bounty“. Ein Besuch in der Südsee.

          Schon dreimal hat der Herr neben uns im Zodiac versucht, nach Pitcairn zu gelangen: Zuerst mit dem Postschiff von Tahiti aus. Dann auf einem Kreuzfahrtschiff dritter Klasse und schließlich auf dem Containerschiff, das zwischen Neuseeland und dem Panama-Kanal verkehrt und drei- bis viermal im Jahr die Insel mit dem Nötigsten versorgt. Sonst kommt in Pitcairn kaum jemand vorbei, die Insel liegt an einem Ort, den man getrost das Ende der Welt nennen kann: in einem der letzten verbliebenen Überseegebiet Großbritanniens, mitten im Stillen Ozean. Dieses Mal ist er endlich erfolgreich. Seit drei Wochen sind wir mit ihm in der Inselwelt des Südpazifiks auf der „MS Hanseatic“ unterwegs, einem Luxus-Expeditionsschiff der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd.

          Die Reise führt uns von Französisch-Polynesien zur Osterinsel. Von Tahiti aus haben wir per Schiff Tausende Kilometer zurückgelegt, um die Gesellschaftsinseln, das Tuamotu-Archipel, die Marquesas und die Gambierinseln zu besuchen, erst dann kamen wir überhaupt in Reichweite der Insel Pitcairn. Jeder Archipel ist anders, mancher ein flaches Atoll, mancher eine von hohen Bergen gekrönte Felseninsel. Entstanden sind alle durch Lava, die in diesem Gebiet immer noch unter dem Meeresboden nach oben drängt. Im Laufe der Jahrtausende sinkt das Vulkangestein langsam wieder unter den Meeresspiegel; übrig bleibt ein versteinerter Korallensaum am Riff.

          Die Insel gibt es wirklich

          Am Abend vor unserer Ankunft auf Pitcairn wird im bordeigenen Kino der Film „Meuterei auf der Bounty“ aus dem Jahr 1935 gezeigt, in den Hauptrollen Clark Gable und Charles Laughton - es war schon die dritte Verfilmung der historischen Ereignisse von 1789. 1962 übernahmen Marlon Brando und Tarita die Rollen von Fletcher Christian und seiner polynesischen Frau Maimiti. Die Spannung unter uns Passagieren wächst. Diese Geschichte ist kein Mythos aus fernen Zeiten, die Insel gibt es wirklich, und auch die Nachfahren der Meuterer leben noch heute auf eben jenem Eiland mit dem Namen Pitcairn. Damals gab es ein hervorragendes Versteck für die Meuterer und ihren Anführer Fletcher Christian ab. Denn die Insel war bei ihrer Entdeckung 1767 falsch in die Seekarten eingezeichnet worden. Bis heute liegt sie fernab der Zivilisation, tausend Seemeilen von Tahiti und mehr als dreitausend Meilen von Neuseeland und dem südamerikanischen Kontinent entfernt.

          Auf Pitcairn anzulanden ist schwierig und riskant: Es fehlt ein Hafen, und meistens ist die Dünung sehr hoch. In vielen Fällen können Schiffe nicht vor Anker gehen. Die wenigen vorbeikommenden Frachtschiffe liegen normalerweise in der Bounty Bay auf Reede. In gefährlichen Manövern werden die Güter dann mit den Longboats „Tin“ und „Tub“, rund zwölf Meter langen Aluminiumbooten, von den Pitcairnern an Land gebracht.

          Wir haben Glück. In robusten Schlauchbooten, den Zodiacs, erreichen wir sicher das Ufer. Dort erwarten uns schon einige Inselbewohner mit ihren Quads, um uns die steile Straße hinauf ins Dorfzentrum von Adamstown zu bringen. Auf dem Markplatz, dem „Square“, um den sich die Kirche, die Post, das Versammlungshaus und der Gerichtssaal gruppieren, haben die Pitcairner Tische aufgebaut. Sie bieten den seltenen Besuchern ihre Waren an. Neben den wertvollen Briefmarken, der Haupteinnahmequelle der Insel seit 1940, sind es vor allem Schnitzereien: Schiffe, Wale, Haie, Schildkröten und reich verzierte Gehstöcke aus „Miro“, dem Holz des Tulpenbaums. Auch andere Handwerksarbeiten wie aus Pandanusblättern geflochtene Körbe und mit Inselmotiven bedruckte T-Shirts werden teuer verkauft. Begehrt ist der auf der Insel produzierte Honig, den sogar das Londoner Luxuskaufhaus Fortnum & Mason im Sortiment führt. Und natürlich stapeln sich auf den Verkaufstischen Bücher über die „Meuterei auf der Bounty“. Mehr als zweitausend Veröffentlichungen zählt man mittlerweile. Jedes Detail scheint untersucht - und doch gibt es hundert verschiedene Versionen der Geschichte.

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