18.04.2002 · Für die Brautschau haben die Männer der Uru-Indios ihr ganz eigenes System: Ihre selbst gestrickten Mützen signalisieren, ob sie ledig, auf Brautsuche oder verheiratet sind.
Von Gabriela HirtSylvestres Haus auf dem Hügel über dem Dorf hat einen herrlichen Seeblick und zwei Räume: ein Zimmer unten, in dem die gesamte fünfköpfige Familie schläft, und ein blitzblank gefegtes im ersten Stock - für Gäste. Seine Frau kocht Reis und Eier-Tortillas am offenen Holzherd, denn auf Armantaní gibt es keine Elektrizität.
Auf der stillen Insel irgendwo in den Weiten des Titicaca-Sees fühlt man sich in ein anderes Jahrhundert versetzt. Die sechs Dörfer sind nur durch steinige Fußpfade miteinander verbunden. Es gibt keine Restaurants oder Hotels, Besucher übernachten bei einheimischen Familien. Sylvestres Sohn führt die Hausgäste auch zu den beiden Bergspitzen mit Tempelruinen. Und wer ein wenig Spanisch versteht, erfährt unterwegs vom Alltag der Inselbewohner.
Mützen statt Partnerschaftsvermittlung
Inka-Terrassen, Ruinen und idyllische Landschaft gibt es auch auf Taquile. Die Insel ist bekannt für ihre feinen Web- und Wollarbeiten - und auch für ihre handarbeitenden Männer: Traditionell stricken Taquiles Männer ihre eigenen Mützen, von deren Farben und Mustern sich ablesen lässt, ob sie ledig, auf Brautsuche oder verheiratet sind.
Auf 3.815 Meter gelegen, ist der Titicacasee der höchste schiffbare See der Erde, 16 mal so groß wie der Bodensee. Zwei Drittel des Sees gehören zu Peru, der Rest zu Bolivien. Die Sonne brennt hier unerbittlich. Nachts dagegen ist es bitterkalt, was speziell die Urus auf ihren schwimmenden Inseln zu wahren Überlebenskünstlern macht. Kanus, Hütten, Betten sowie die Inseln selbst sind aus Schilfgras geflochten und müssen ständig erneuert werden.
Die stolzen Inselbewohner leben vom Fischfang und zunehmend vom Tourismus. Besonders die Uru-Inseln, die nahe der Provinzhauptstadt Puno am Nordwestufer des Sees liegen, werden täglich von Motorboot-Taxis angefahren.