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Österreich : Eine echte Steilvorlage

Bild: Illustration: Robert Samuel Hanson

Österreich sieht eine große Zukunft im Radtourismus. Die Berge stören dabei niemanden. Zumindest nicht in Tirol

          Es war der 16. Juli, ein typischer Hochsommertag am Großglockner in Österreich. Im Hochtor-Tunnel auf 2504 Metern fielen die Eiszapfen von der Decke und zersplitterten krachend auf der Fahrbahn. Die Außentemperatur betrug exakt 0,3 Grad, dichter Nebel lag über den Bergen, ein eisiger Wind peitschte vereinzelte Schwaden über den Schnee am Straßenrand, wo man gerade noch so erkennen konnte, wie sich Touristen mit Schneebällen bewarfen. In dieser Umgebung wirkten die rund 30 Rennradfahrer, die sich auf ihren filigranen Rädern auf 23 Millimeter schmalen Reifen und in viel zu dünnen Klamotten durch die Kälte quälten, etwas fehl am Platz. Und man fragte sich: Warum tun Menschen sich so etwas an?

          Andreas Lesti

          Freier Autor im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Den frierenden Rennradfahrern ging es darum, ihren Sport in Österreich besser zu vermarkten, weil sie darin die Zukunft des Fremdenverkehrs sehen. Bei der in einheitlichen Trikots gekleideten Gruppe handelte es sich um eine Delegation aus Tirol: Exprofisportler (darunter drei Olympiasieger), Unternehmer, Manager und Tourismusexperten warben gemeinsam für die Fahrradweltmeisterschaft, die 2018 in Innsbruck und Umgebung stattfinden wird. Ihre Botschaft: Spätestens nach dieser Weltmeisterschaft soll Radtourismus in Österreich einen höheren Stellenwert einnehmen. Ihre Hoffnung: Die Fernsehbilder von Profi-Radlern, die über die serpentinenreichen Hochgebirgsstraßen durch das Alpenland fahren, werden auch ganz normale Tourenradler und E-Biker zu einem Urlaub in Österreich inspirieren. „Wir müssen den Impuls der Rad-WM nutzen, um uns als Radland zu präsentieren“, sagt Josef Margreiter, Geschäftsführer der Tirolwerbung.

          Das Problem dabei ist nur, wie auch jener eisige Hochsommertag am Großglockner zeigte, dass Radfahren in den Bergen nicht immer ein Vergnügen ist: Es geht steil bergauf, steil bergab, und das Wetter kann auch im Sommer wie im Winter sein. „Convenience - Bequemlichkeit heißt das neue Zauberwort im Tourismus“, sagt Josef Margreiter. „Und Berge sind von Natur aus nicht bequem.“ Aber, fügt er hinzu, da könne man ja etwas dagegen machen. Er meint damit all jene Angebote, die in vielen Tourismusregionen in Tirol, aber auch in Kärnten, in Vorarlberg und im Salzburger Land bereits existieren: Bergbahnen, die auch im Sommer fahren und Radfahrer auf die Gipfel befördern, damit sie zur nächsten Gipfelhütte fahren, um dort zuerst den Blick und dann die Speisekarten zu genießen und später gemütlich den Berg hinunterzurollen. Seit zwei Jahren führt quer durch Tirol die sogenannte Bikeschaukel, ein Begriff, der sich an die tälerüberspannende „Skischaukel“ anlehnt, die Radfahrern mit Hilfe von 18 Seilbahnen über alle Berge hilft. Es sind also Konzepte, die Skifahrern und Snowboardern bekannt vorkommen; und Versuche, all das, was man im Tiroler Schnee seit Jahrzehnten erfolgreich praktiziert, auf den Sommer zu übertragen. Wie das geht, macht der kanadische Wintersportort Whistler seit einigen Jahren vor. Auch dort sind die Berge steil und die Sommerangebote für Radfahrer mittlerweile so vielfältig, dass das Geschäft nicht mehr wegzudenken ist. Warum also nicht auch in Österreich? Josef Margreiter sagt: „Das Radfahren wird das Skifahren des Sommers.“

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