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Norwegens Fjorde : Nostalgie in Balestrand

  • -Aktualisiert am

Aufbruch ins Fjordland auf der Hurtigroute Bild: srt

Seine Glanzzeit hat Balestrand schon hinter sich und träumt von vergangenen Tagen, als Gäste wie Wilhelm II den kleinen Badeort sommers zum kaiserlichen Zentrum machte.

          Der Sognefjord ist kein kaltes, nordisches Gewässer. Mit etwas Phantasie könnte man ihn an einem sonnigen Tag für den Gardasee halten. Doch die Sommer sind kurz im Norden und die Vegetation drängt sich in ungewohnter Gleichzeitigkeit. An den Hängen blühen noch die Obstbäume, da reifen an sonnigen Stellen schon die Erdbeeren. Kurze Zeit später werden die Kirschen geerntet. Frühling, Sommer und Herbst verschmelzen so zu einer einzigen Jahreszeit.

          Der Fjord war schon immer eine wichtige Verkehrsader für Reisende auf dem Weg nach Bergen. Der kleine Ort Balestrand lag verkehrsgünstig und kam deshalb schon früh mit Touristen in Berührung. Mitte des vorigen Jahrhunderts, während der Blütezeit der Romantik und Rousseaus "Zurück zur Natur", wurde die wilde Natur Westnorwegens entdeckt.

          Nach den Pionieren kamen Besucher - und die Ansprüche

          Auch die "Balestrandmaler", eine Handvoll in- und ausländischer Landschaftsmaler, wurden zu Pionieren des Tourismus, der um 1900 erstmals richtig aufblühte. Die Fremden brachten den armen Bauern ungeahnte Verdienstmöglichkeiten. Auch handgewebte Teppiche, Tischtücher und Wanddekorationen fanden Abnehmer. Aber die Zeit der Pioniere war schnell vorbei. Und es kamen Reisende mit gehobenen Ansprüchen, was die norwegischen Gastwirte völlig überforderte. Sie konnten sich nicht mit ihren ausländischen Gästen verständigen und hatten zudem recht raue Umgangsformen.

          1877 kaufte Ole Kvikkne den alten Gasthof in Balestrand und schon einige Jahre später war Kvikknes Hotel eines der größten und modernsten Touristenhotels in Norwegen. Auch heute existiert das Hotel mit seiner Holzfassade im Schweizerstil noch, wurde allerdings durch einen modernen Anbau ziemlich verschandelt. Doch die Lage direkt am Fjord ist immer noch einmalig.

          Kaiserzeit in Norwegen

          In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich Balestrand dann zu einem Touristenort ersten Ranges. Erst kamen die Engländer, dann die Deutschen und machten den einst ruhigen Ort in den Sommermonaten zu einem Tummelplatz illustrer Gäste. Der Prinz von Ägypten und Kaiser Wilhelm II. waren hofierte Urlauber, es war die "Kaiserzeit" in Balestrand. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges beendete das mondäne Treiben abrupt. Heute erinnern neben der Fassade des Kvikkne Hotels noch einige prachtvolle Künstlervillen im Schweizerstil an die Zeit um die Jahrhundertwende, ansonsten geht es wieder recht friedlich zu in dem kleinen Ort am Sognefjord.

          Quelle: srt

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