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Nordlichter : Schleiertänze am Firmament

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Nordlicht kann süchtig machen. Deshalb verschlägt es immer mehr Besucher ins winterliche, immer dunkle Tromsö im Norden Norwegens. Bild: Francisco Damm

Der arktische Winter als heißes Versprechen: Auf Nordlichtjagd in Tromsö.

          An manchen Tagen ergießt sich das Nordlicht in ungeheuren Mengen – luftige, unglaublich hohe, farbenfrohe Feuergüsse wogen da oben unter dem Sternenhimmel, während ihr Widerschein hier unten über den Schnee huscht“, begeisterte sich Norwegens erster samischer Schriftsteller Matti Aikio. „Ein unendlich funkelndes Farbenspiel, das alles übertrifft, was man sich erträumen kann“, schreibt sein Landsmann und Zeitgenosse, der Polarforscher Fridtjof Nansen.

          Welch eine Verheißung! Vollmundiger hätte es kein Touristiker formulieren können. Das Nordlicht als Sehnsuchtziel, der arktische Winter als heißes Versprechen: Hier tritt sie auf, Aurora borealis, die Schöne der Nacht, deren Schleiertänze am Firmament unvergesslich sein werden, ein Erlebnis fürs Leben. Dreieinhalb Stunden braucht der Flieger für die neue Nonstop-Verbindung von Frankfurt nach Tromsö, die nördlichste Stadt weltweit, die Lufthansa je angesteuert hat. Mächtig hat das Unternehmen die Werbetrommel gerührt. Bis Hongkong war sie zu hören, wo drei junge Ehepaare ihr Glück mit der Buchung des Erstfluges in die Arktis besiegeln wollten. Jeden Samstag geht es den Winter über in die Arktis.

          Sie sahen den Tanz ihrer Toten

          Butterweich setzt der Jet kurz nach dreizehn Uhr in Tromsö-Lagnes auf, aber dann wird entschieden abgebremst, denn die Landebahn ist kurz. Der Himmel ist komplett verhangen, der Boden von einer dünnen Eisschicht bedeckt, von Schnee keine Spur. Stattdessen sprenkelt kalter Nieselregen die Luft. Tromsö ist in tiefes Grau gehüllt, und kaum dass man das Flughafengebäude verlassen hat, senkt sich schon die Dämmerung als Vorbote der Nacht.

          Nordlichter in Finnland : Beeindruckendes Naturspektakel

          „Tromsö ist um diese Jahreszeit vierundzwanzig Stunden auf der Schattenseite der Erde; zwischen dem 21. November und dem 21. Januar steigt die Sonne nie über den Horizont“, sagt Per Helge Nylund vom Universitätsmuseum. Dann erzählt er von der Verstörung, die das Nordlicht in vorwissenschaftlicher Zeit auslöste. Selten wurde es als Gottes Segen, meist als Warnung oder Strafe verstanden. Die Inuit meinten darin den Tanz ihrer Toten zu erkennen, nutzten es aber ganz pragmatisch als Beleuchtung für die nächtliche Jagd. Die Samen fürchteten es, obwohl sie darin auch ein Friedenslicht sahen, unter dessen Glanz sich Streitigkeiten schlichten ließen. Bis vor zwei Generationen trauten sich sogar viele Norweger nicht, angesichts der Erscheinung den Kopf zu heben oder das Haus zu verlassen.

          Siebenmal für den Nobelpreis vorgeschlagen

          Der erste Wissenschaftler, der sich dem Phänomen des Polarlichtes widmete, war der Norweger Kristian Birkeland (1867–1917). Doch ihm scheint die Beschäftigung damit kein Glück gebracht zu haben. Seine Lebensgeschichte klingt eher nach Tragik denn nach Triumph. Bei Nordlichtforschungen erfror er beinahe in einem Schneesturm. Er meldete fast fünf Dutzend Patente an, darunter eine elektromagnetische Kanone, die bei der entscheidenden Vorführung aufgrund eines Kurzschlusses spektakulär versagte. Birkeland wurde siebenmal für den Nobelpreis in Physik vorgeschlagen – ohne die Auszeichnung jemals zu erhalten. Er starb im fernen Tokio, vermutlich an einer Überdosis Veronal in Kombination mit Alkohol. Noch ziert der rastlose Forscher immerhin die norwegische Zweihundert-Kronen-Note, doch sie wird demnächst von einem neu gestalteten Schein mit der Abbildung eines Dorsches ersetzt.

          Ein Nachbau von Birkelands „Terrella“ genannter Maschine, mit der ein künstlich erzeugtes Nordlicht sichtbar gemacht werden kann, steht im Universitätsmuseum von Tromsö. Auf Knopfdruck können die Besucher ein in intensivem Rosa glimmendes Licht aufleuchten lassen.

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