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Frankreich : Herumtollen auf Neptuns Rasen

  • -Aktualisiert am

Im Sommer verlängert sich die Domaine bis zum Meeresgrund. Bild: Picture-Alliance

Die Wiesen des Meeresgottes vor der Domaine du Rayol blühen wieder und bilden nun einen Sommergarten am Mittelmeer, in dem man schwimmen kann.

          Wie glitzernde Wolken rollen die Wellen aus der Unterwasserperspektive heran. Das flirrende Gewirbel entsteht durch Abermillionen Metallpartikel aus Silberglimmer: Mica metallica, es ist der Stoff, der die Sandflächen des Meeresgrundes blendend hell schimmern lässt. Plötzlich schießt ein Oktopus vorbei, versprüht einen dunkelvioletten Tintenschleier zur Tarnung, der noch lange dahintreibt, nachdem der Kopffüßer längst in einem Felsspalt verschwunden ist. Nur wenige Meter vom Felsenriff entfernt ist das Wasser wieder still und klar. Als dichter grüner Teppich wogt Neptungras am Grund. Als einzige Art der ansonsten in Australien heimischen Gattung Posidonia ist dieser Rasen des Meeresgottes im Mittelmeer heimisch. Rasen ist ein gutes Stichwort, denn wir sind in einem Garten, wenn auch unter Wasser.

          Der Landschaftspark Domaine du Rayol ist ein sieben Hektar großes Naturschutzgebiet an der Côte du Var zwischen Toulon und Saint-Tropez. Er liegt direkt an der pittoresken Küste mit einer Mischung aus dramatischen Felsen und kleinen Sandbuchten. Hier wurde Gilles Bourdo’s Film über Auguste Renoir gedreht. Dass das riesige Areal an einem der schönsten Küstenabschnitte der Côte du Var heute für die Öffentlichkeit zugänglich ist, grenzt an ein Wunder, denn eigentlich waren hier Luxusappartements vorgesehen.

          Die Geschichte des Gartens beginnt 1909, als der Entrepreneur Alfred -Théodore Courmes Paris verließ, um sich hier als solventer Aussteiger mit seiner Frau Thérèse niederzulassen. Aus dem Küstenwäldchen wurde eine Oase mit Zierpflanzen und Nutzgärten. Zwei Villen entstanden und auch ein Bauernhof. Im Jahr 1940 verkaufte die Witwe von Courmes das Anwesen an den Flugzeughersteller Henry Potez, der die Gärten weiterentwickelte, 1974 ging das Grundstück an eine Versicherungsfirma, die dort einen riesigen Wohnkomplex hinstellen wollte. Die Bewohner der Gegend waren dagegen, gründeten die Bürgerinitiative „Freunde der Domaine du Rayol“ – und kämpften erfolgreich dagegen an. Das gesamte Gelände wurde 1989 von der Küstenschutzbehörde Consérvatoire littoral aufgekauft und unter strengen Schutz gestellt.

          Ein Garten bis zum Meeresgrund

          Seither ist die Domaine das ganze Jahr über geöffnet. Nicht nur zu Entspannung. Ausgerüstet mit Broschüre kann man sogar etwas lernen. Die erstaunlichste Erkenntnis: Das Mittelmeer ist überall, jedenfalls in Sachen Botanik. Denn das „mediterrane Biom“ findet sich rund um den Globus zwischen dem 30. und 45. Breitengrad Nord und Süd. Und so gibt es in der Domaine Pflanzen aus Asien, Australien und Neuseeland, Südafrika, Südamerika und von den Kanarischen Inseln. Für Abwechslung sorgen darüber hinaus die Jahreszeiten. Im milden Winter etwa blühen vor allem die Mimosen.

          Tauchgang Bilderstrecke
          Tauchgang :

          Im Sommer aber verlängert sich der Garten: bis zum Meeresgrund. Alain Pech und Nicolas Mouwy begleiten kleine Gruppen bei geführten Schnorcheltouren. Zuerst werden die Gäste mit Neoprenanzügen, Brillen und Flossen ausgerüstet. Dann geht es ins Wasser, zu gut getarnten Muränen, grellroten Drachenfischen, über Felsen kugelnde Seeigel und riesige Perlmuttmuscheln. Das Wertvollste aber, was dieser submarine Garten zu bieten hat, ist das Neptungras, der Stoff, den das Meer im Winter zum Schutz der Küste in dicken Polstern auf den Strand wirft. Als Unterwassergärten binden die Teppiche der Wunderpflanze Posidonia weltweit doppelt soviel CO2 wie der Regenwald. Vor zwei Jahren haben die Wiesen des Meeresgottes vor der Domaine du Rayol zum ersten Mal seit fünfzehn Jahren wieder zu blühen begonnen. Unschuldweiß und zart wie Freesien.

          Neptuns Garten

          Domaine du Rayol in Le Rayol-Canadel, geöffnet täglich von 9.30 bis 18.30 Uhr (im Juli und August bis 19.30 Uhr), Eintritt 11 Euro, Kinder ab 6 Jahren 8 Euro. Für die Schnorcheltouren (Erwachsene 26 Euro, Kinder von acht bis siebzehn Jahren 18 Euro jeweils einschließlich Eintritt) ist eine Reservierung unbedingt erforderlich. Information im Internet unter: www.domaineduroyal.org

          Quelle: F.A.Z.

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