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Rocky Mountains : Vierzehntausend Fuß über den Dingen

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Auf dem Weg zum Mills Lake im Rocky Mountain National Park steht diese verdrehte Pinie. Bild: Barbara Schaefer

Auch vom höchsten Gipfel der Rocky Mountains in Colorado ist nicht abzusehen, was Trump mit Amerikas Nationalparks vorhat.

          Wir saßen im „Treeline“, einem Lokal in schön schäbigem Hipster-Ambiente, und aßen Pasta mit Shrimps. Nichts ließ darauf schließen, dass wir am nächsten Morgen aufbrechen würden zu einem Viertausender, einem richtig hohen Berg, dem höchsten der Rocky Mountains. In den Alpen hätten wir auf einer Hütte zwischen trocknenden Socken gesessen und hätten gefroren. Hier, in den Bergen Colorados, genossen wir den Abend in Leadville, der Two-Mile-High-City, und merkten die 3094 Meter Höhe erst, als wir schnappatmend hoch ins Hotelzimmer gingen.

          „Wir würden unter Trump nicht in die Vereinigten Staaten reisen“, hatten Freunde gemäkelt. Aber muss denn nun jede Reise in die Vereinigten Staaten mit Politik zu tun haben? Wir wollten in die Rocky Mountains, und wir hofften, es würde so sein wie auf der Karikatur von Kim Warp im „New Yorker“: ein wanderndes Paar mit Bergsee und Gipfelschnee; glückselig sagt die Frau zum Mann: „Hear that? No Trump.“ Wenn es so einfach wäre. Denn seit einiger Zeit rumort es auch da draußen. Das Reizwort heißt „public land“, öffentliches Land also, das dem Staat gehört. Es geht dabei um die Frage, was mit diesem Land geschieht.

          Frühmorgens brechen wir auf zum Mount Elbert. Die Aspen schimmern bereits golden. Die fotogene Laubfärbung hatte uns schon auf kleineren Touren begleitet, die wir zur Akklimatisierung im Rocky Mountain National Park unternommen hatten; Richtung Mills Lake, wo die amerikanische Höflichkeit auch im Wald nicht aufhört. Man macht Platz für andere Wanderer, und wer vorbeigeht, sagt: „Excuse us.“ Es ist ein Spaziergang vom Parkplatz aus, und so sehen die Wanderer auch aus, Turnschuhe, eine Wasserflasche in der Hand. Nur ab und zu dann die echten, die mit dem großen Rucksack gehen. Da kein Hüttensystem Wanderer versorgt, wird jede mehrtägige Wanderung zum ernsthaften Unterfangen mit Zelt, Kocher und Schlafsack.

          Herbstliche Färbung: Goldene Espen vor dem Viertausender Longs Peak.

          Wir trödeln eher, bewundern eine markant verdrehte Pinie. Sie steht auf einem Felsen vor schwarzen Wolken, einzelne Sonnenstrahlen auf den grünen Nadeln, die Harzgeruch ausschwitzen. Rundum ziehen sich gelbe Aspen und grüne Kiefern die Bergflanken hinauf, aber dazwischen stehen wie kariöse Zähne kahle Bäume. Schuld daran ist der Pine Beetle, der Bergkiefernkäfer. Aber Wanderguide Jean McGuire, drahtig, blaue Augen, rote Basecap, sagt: „Der Klimawandel killt die Bäume.“ Der Käfer breitet sich immer mehr aus. „Es braucht zwei Wochen eisiger Kälte, damit er eingeht, und wir haben diese kalten Winter nicht mehr.“ Aber der Präsident sagt doch, der Klimawandel sei eine Erfindung der Chinesen? Jean McGuire holt tief Luft: „Wenn ich offen sprechen darf: Er ist ein Idiot, eine Schande für das Land. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“ Und stapft davon.

          Zeigen und dennoch schützen

          Fast ein Drittel der Vereinigten Staaten ist Public Land, und dieses Drittel liegt nahezu komplett im Westen. Dazu zählen Reservate der Native Americans und militärische Sperrzonen sowie Nationalparks und National Monuments. „Öffentliches Land ist unser größter Reichtum“, sagt Ryan Zinke, als Innenminister auch für die Nationalparks zuständig. Aber Reichtum kann zwei Bedeutungen haben: eine ideelle und eine reelle, dann nämlich, wenn Ölbohrungen und Kohleförderung auf öffentlichem Land vorangetrieben werden, wie nun wieder verstärkt unter Trump. Der hatte im April seinen Innenminister angewiesen, er solle sich alle jüngeren Schutzgebiete genauer ansehen. In den Vereinigten Staaten haben Präsidenten die Möglichkeit, solche Schutzzonen als National Monuments auf öffentlichem Land zu installieren. Einige davon, wie etwa das Death Valley, wurden später in Nationalparks umgewandelt. Von Trump sind bislang keine Projekte bekannt geworden, solche National Monuments ins Leben rufen zu wollen.

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