Familienfreundlichkeit ist ein dehnbarer Begriff. Reicht es schon aus, eine Kinderskischule samt Zauberteppich zu haben, um dieses Etikett tragen zu dürfen? Oder muss das Angebot viel größer sein, auch auf die Gefahr hin, dass sich Familien die Familienfreundlichkeit dann gar nicht mehr leisten können? Selbst Institutionen mit allgemein bekannter Ratgeberkompetenz sind sich da wenig einig. Der ADAC zum Beispiel hat 1500 Skiorte auf ihre Kinderfreundlichkeit untersucht, und zwar nach der Qualität der kinderrelevanten Angebote von den Liften und Pisten über Freizeitangebote und gastronomische Einrichtungen bis zu den Kosten. Ganz vorn landeten dabei das Montafon, die Skiwelt Wilder Kaiser, Garmisch-Partenkirchen, der Kronplatz und der riesige Skizirkus Trois Vallées - allesamt große Gebiete, in denen man natürlich viele kinderfreundliche Einrichtungen wie Funparks, Skikindergarten und ähnliches findet. Doch das hat seinen Preis: Eine Durchschnittsfamilie mit Durchschnittseinkommen zahlt allein für den Sechs-Tage-Skipass für zwei Erwachsene mit zwei Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren mindestens 460 Euro in der Skiwelt Wilder Kaiser und 790 Euro in den Trois Vallées. Auch das Zugspitzgebiet ist mit 560 Euro für sechs Tage nicht gerade ein Schnäppchen.
Das muss alles nicht sein, sagt der österreichische Verein für Konsumenteninformation. Auch dort hat man sich auf die Suche nach familiengerechten Winterurlaubszielen begeben. Große Skigebiete lassen sich nach Einschätzung des Vereins mit Kindern oft gar nicht adäquat ausnutzen. Er empfiehlt deshalb kleinere und eigenständige Skigebiete mit entsprechend günstigeren Preisen. Die hat man in Österreich und einigen Nachbarländern gesucht und auch gefunden. Basis der Recherche war eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern im Alter von sieben und vierzehn Jahren. Als günstigstes Ziel erwies sich das tschechische Skigebiet Spicak mit 350 Euro für den Sechs-Tages-Skipass inklusive Unterkunft. Preisgünstigstes österreichisches Ziel war die Forsteralm in Niederösterreich mit 470 Euro. Allerdings datieren die Erhebungen noch aus dem vorletzten Winter, deswegen dürften die Zahlen mittlerweile etwas höher liegen. Am grundsätzlichen Trend ändert das freilich wenig: Kleine Skigebiete, was wenig überrascht, sind auch entsprechend billiger, dürfen aber auch nicht zu klein sein, damit das Herumrutschen auf einem halben Dutzend Pisten nicht zu schnell langweilig wird.
Moderate Preise
Den besten Kompromiss bieten also die nicht ganz so kleinen, aber überschaubaren und wenig überlaufenen Gebiete. Ein Beispiel ist Filzmoos im Salzburger Land. Der kleine Ort zu Füßen des Dachsteins ist vor allem wegen der Spitzenköchin Johanna Maier bekannt, bietet aber mitten in der Sportwelt Amadé auch ein beschauliches Skigebiet mit acht Liften, leeren Pisten und moderaten Preisen. Lifte und Pisten sind direkt am Ort, Auto- oder Busfahrten kann man sich sparen. Zudem zieht es an den Wochenenden die Tagesausflügler in die benachbarten und bekannteren Skigebiete in Flachau und Zauchensee, so bleibt es in Filzmoos ziemlich ruhig. Für den Sechs-Tages-Skipass für zwei Erwachsene mit zwei Kindern zahlt man hier ab 530 Euro. Das ist zwar nicht ganz billig, beinhaltet aber einen Skipass für den Ski Amadé Verbund mit seinen 270 Liften und 870 Pistenkilometern.
Gut geeignet für Familienurlaub im Schnee ist auch der Kasberg bei Grünau im östlichen Salzkammergut. Er wurde in den vergangenen Jahren zum Familienberg ausgebaut. Bei der Bergstation der Seilbahn, die von Grünau aus die Gäste nach oben befördert, gibt es eine neue Kinderskiarena mit Zauberteppich, Karussell, Indoor-Kinderspielplatz und einem Zauberwald, außerdem kostenlose Kinderbetreuung und spezielle Skipässe für Familien. Auch am Kasberg geht es recht ruhig zu, als Skigebiet ist er überregional wenig bekannt. Und wer sich abseits der Pisten noch beschäftigen will, kann das zum Beispiel im Wildpark Cumberland tun; er gehört Ernst August von Hannover, der unweit von Grünau ein privates Jagdschloss besitzt. Für den sechstägigen Familienskipass muss man am Kasberg mit seinen vierzehn Liften mit Preisen ab 460 Euro rechnen.
Hervorragendes Kinderprogramm
Ein echtes Schnäppchen ist Lofer im Salzburger Land: ein kleines überschaubares Skigebiet mit zehn Liften, recht schneesicher noch dazu und fast konkurrenzlos preisgünstig. Eine Woche mit Unterkunft und Skipass für sechs Tage kosten pro Person ab 289 Euro. Kinder bis zwölf Jahren logieren in Gesellschaft der Eltern gratis.
Kleinere und wenig überlaufene Skigebiete findet man auch in den bayerischen Bergen. Am Brauneck bei Lenggries gibt es in Talnähe mit dem KinderSchneeLand, der Villa Lustig und dem Easy-SnowPark eines der besten Kinderprogramme in der Region. Familienfreundlich sind auch die Preise für die achtzehn Lifte. Der Sechs-Tages-Skipass für die Familie kostet 370 Euro. Wenn der Nachwuchs schon etwas größer ist, bietet sich der nahe Spitzingsee als attraktive Option an. Das traditionsreiche Skigebiet oberhalb des Schliersees gilt wegen seiner Höhenlage als besonders schneesicher. Sechzehn teils modernisierte Lifte und bekanntermaßen gute Angebote für Snowboarder samt Burton Snowpark sprechen hier für Familienfreundlichkeit.
Abgelegen und klein
Wer oben am Spitzingsee in einem der Hotels und Gasthäuser logiert, hat vor der Haustür nicht nur das Skigebiet, sondern auch Langlaufloipen, Winterwanderwege, zwei Rodelbahnen und bei entsprechend niedrigen Temperaturen Eislaufmöglichkeiten auf dem See. Ein Nachteil der beiden bayerischen Ziele ist, dass man an schönen Winterwochenenden mit heftigem Ausflugsverkehr aus dem nahen München rechnen muss.
Pauschalangebote bieten sich zwar grundsätzlich für Familien an, die nicht von hohen Nebenkosten in den Ruin getrieben werden wollen, haben aber oft einen Haken: Es gibt sie fast nur zu Nebensaisonzeiten. Wer mit schulpflichtigen Kindern auf die Hauptsaison angewiesen ist, muss in der Regel auch die höheren Preise in Kauf nehmen. Fündig werden kann man auf den Internetseiten der nationalen und regionalen Tourismusorganisationen. Auf der Seite www.myswitzerland.com etwa kann man eine dreiundzwanzigseitige Broschüre mit Familienofferten bestellen. Bei den Tirolern werden kostenlose Kinderskikurse in der Silberregion Karwendel beworben; Voraussetzung ist, dass die Familie eine Woche dort logiert, dann gibt es für Kinder zwischen vier und zwölf Jahren Skipass und Kursus gratis. In Kärnten lockt der "Kärnten Familienhit" mit Inklusivpreisen für Familien samt Unterkunft, Skipass und mitunter Freizeitprogrammen. Freilich sollte man sich die beworbenen Skigebiete genauer ansehen, da sie zum Teil recht abgelegen und klein sein können.
Relaxen in der Baumsauna
Wer in Südtirol entsprechende Pauschalen sucht, landet meist bei den "Super Kids"-Angeboten von Dolomiti Superski: kostenlose Skitage für Kinder bis acht Jahre, fünfzig Prozent Rabatt für Kinder bis zwölf Jahre in den zwölf Skigebieten dieses Liftverbunds, der sich über Südtirol bis ins Trentino und Veneto erstreckt. Allerdings gelten diese Angebote nur während der letzten Saisonwochen von Mitte März an. Wer in Italien oder Frankreich nach solchen Pauschalangeboten mit Kinderprogramm Ausschau hält, sollte sich darüber im Klaren sein, dass Skikurse und Kinderbetreuung dort wegen möglicher Sprachprobleme problematisch sein können. Was hilft der nette französische oder italienische Skilehrer, wenn er, was oft der Fall ist, kein Wort Deutsch spricht.
Es gibt auch den luxuriösen Familienurlaub, wie es eben für Geld fast alles gibt, zum Beispiel das erste Kinder-Spa der Schweiz in Gstaad. Im dortigen Steigenberger Hotel relaxt der Nachwuchs in der Baumsauna oder in einer Grotte mit Blitz und Donnereffekten und kann sich in einer Alphütte Videos anschauen. Besonders elaboriert wird der Familienurlaub im Schloss Elmau im Werdenfelser Land in den bayerischen Bergen zelebriert. Das Schlosshotel, vor kurzem nach einem Großbrand vollständig renoviert, hat sich neben seinem umfangreichen Kulturprogramm mit den Luxusfamilienferien ein zweites Standbein geschaffen. Man genießt die einsame Lage zwischen Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald und weiß es zu schätzen, dass es neben Gourmetrestaurants und den üblichen Animationsprogrammen auch ein Spa für Heranwachsende, Kindertanzwochen und Intensivsprachkurse gibt. Dafür zahlen Papa und Mama bis zu 420 Euro pro Nacht und Person. Für die Kinder gibt es Nachlässe. Schließlich sind es die Stammkunden von morgen.
Informationen:
Bayern Tourismus: Leopoldstraße 146, 80804 München, Telefon:0 89/ 2 12 39 70, Internet: www.bayern.by.
Österreich Information: Postfach 831043, A-1043 Wien, Telefon: 0 18 / 02/10 18 18, Internet: www.austria.info.
Schweiz Tourismus: Roßmarkt 23, 60311 Frankfurt, Telefon: 00800/ 10 02 00 30, Internet: www.My-Switzerland.com.
Südtirol Information: Pfarrplatz 11, I-39100 Bozen, Tel.: 0039/0471/ 99 99 99, Internet: www.suedtirol.info.
Maison de la France: Zeppelinallee 37, 60325 Frankfurt, Telefon: 0900/157 00 25, Internet: www.franceguide.com.