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Wanderung durch David Hockneys Welt Mit beiden Füßen in der Leinwand

Der englische Maler David Hockney hat in zahllosen, oft riesenhaften Gemälden seine Heimat Yorkshire portätiert. Heute geht man dort durch eine Landschaft, die längst zu Kunst geworden ist.

© dpa Einer der berühmtesten Maler unserer Tage: David Hockney, den in den vergangenen Jahren nichts so sehr inspiriert hat wie seine Heimat Yorkshire.

Bishop Wilton hatte von oben verführerisch nett ausgesehen. Ein winziger Ort in einer Senke, lauter rot gedeckte Häuschen um einen ungewöhnlich hohen und spitzen Kirchturm geschart, dazu ein Bach, der in fast gerader Linie mitten durch den Weiler führt. Vieles sprach dafür, dass es einen Pub geben würde. Und außerdem hatte es auf der Wanderkarte den Eindruck gemacht, es sei nicht unvernünftig, den Hügel hinabzusteigen und dann die Landstraße zu nehmen, um auf den Garrowby Hill hinaufzukommen, auf der anderen Seite des Orts. Aber im Pub, den es tatsächlich gab, dem „Fleece Inn“, und in dem an diesem sonnigen Herbstnachmittag nur ein einziger Gast war, an die Theke gelehnt, ein halbvolles Glas Limonade vor sich - in diesem Pub also riet mir ebendieser Gast so vehement von der Straße ab, dass ich glauben musste, ich hätte Glück, wenn mich Motorräder, Rennwagen oder Schwertransporter nur in den Straßengraben drängten und nicht gleich über den Haufen fahren würden.

Freddy Langer Folgen:

Es gebe auch einen Fußweg, sagte der Herr, den das halbvolle Glas Limonade nicht wirklich seriös aussehen ließ, aber vielleicht doch vertrauenswürdiger als ein fast leeres Glas Bier, diesen Fußweg würde er nehmen. Womit er natürlich meinte, dass ich ihn nehmen solle, und dann ging er mit mir vor den Pub, zurück in die grelle Sonne an dem stahlblauen Himmel dieses wunderbaren Nachmittags und streckte den Arm aus. Dort, er zeigte auf eine Reihe von Bäumen weit oben auf der Kuppe des Hügels, nahe der Stelle, von der ich gerade erst heruntergekommen war, dort verliefe der Weg in einem weiten Halbrund auf der Höhe, und dabei bewegte er den Arm ganz allmählich nach links. Ich könne ihn gar nicht übersehen. So stieg ich wieder hinauf. Dem Punkt entgegen, an dem sich Hockneys Leidenschaft für die Landschaft von Yorkshire entzündet hat.

Vogelscheuchen am Rande der Verzweiflung

Aber den Weg übersah ich dann doch irgendwie. Und stampfte mal quer über Weiden, mal an dichten Weißdornhecken entlang, die partout kein Ende nehmen wollten, später am Rand eines Getreideackers durch fast mannshohe Disteln und schließlich, aus lauter Verzweiflung, quer über ein Weizenfeld, so behutsam wie möglich, natürlich, in der Spur eines Traktorreifens. Als ich die Straße endlich erreichte, sah ich aus wie eine Vogelscheuche. Schuhe und Klamotten voller Dreck und Kletten. Doch welch ein Ausblick! Fast wie vom Rand einer Klippe aus. Ungehindert über das Land, das sich dort unten so platt, als habe man es mit riesigen Raupen planiert, im Dunst des Gegenlichts bis an den Horizont erstreckte. Nirgendwo war ein einziges Auto zu sehen.

21860741 © Freddy Langer Vergrößern Hockneys Ziel zu allen Jahreszeiten: der Tunnel, der dutzendfach von ihm gemalt worden ist.

Der Garrowby Hill ist der letzte Höhenzug der Yorkshire Wolds, dieses bezaubernden Landstrichs, in dem die Eiszeit vor zwölftausend Jahren alles zurückgelassen hat, was ein Gletscher an Höhen, Tiefen und Senken formen kann. Es ist ein Auf und Nieder, dessen Anmutung sich mit jedem Schritt ändert, in dem wie hingetupft ganz selten ein einsames Farmhaus steht und in dem wie ausgesetzt mal ein paar Schafe, mal ein paar schottische Hochlandrinder grasen. Weiden und Felder wechseln sich ab und liegen wie bunte Laken über den Hügeln ausgebreitet.

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