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Virtuelle Revolution des Reisens Was ich weiß, macht mich nicht heiß

Das Reisen ist dank des Internets viel einfacher geworden: Flüge buchen, Hotels bewerten oder Orte studieren. Ins Blaue hinein muss niemand mehr fahren. Im Netz erfährt man alles. So weit die virtuelle Suggestion. Doch was ist dieses Wissen wert?

© AP Vergrößern Keine verlockende Aussicht: Das Internet erleichtert zwar das Reisen, aber irgendwann sollte Schluss sein. Diese Frau am Ostseestrand von Ahlbeck will sich von ihrem Laptop aber nicht trennen

Es sind ungeheuerliche Zahlen: Mehr als dreißig Millionen Deutsche nutzen inzwischen das Internet für ihre Reiseplanung, zwölf Millionen haben im vergangenen Jahr ihre Ferien online gebucht, fast zwanzig Milliarden Euro wurden mit touristischen Dienstleistungen umgesetzt. Am größten ist der Anteil der Internetbucher mit vierundzwanzig Prozent bei den Dreißig- bis Vierundvierzigjährigen, aber selbst bei den mehr als Fünfundsechzigjährigen liegt er noch bei zehn Prozent - was für eine unfassbare Karriere hat das Netz innerhalb weniger Jahre absolviert! Doch so triumphal die Zahlen auch sind, die die Branchenorganisation Verband Internet Reisevertrieb (VIR) Jahr für Jahr verkünden kann, so sehr haben sie - typisch für die Janusköpfigkeit des Internets - ihre Schattenseiten: Kaum ein Unternehmen verdient bis heute Geld mit dem Online-Vertrieb von Reisen, kaum eines der hochgepriesenen Geschäftsmodelle funktioniert, und das Vertrauen der Kunden in das Netz ist ohnehin alles andere als grenzenlos.

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Das zeigt am eindrücklichsten die Ropo-Studie, deren Name eine Abkürzung von „Research online, purchase offline“ ist und die von Google und der Gesellschaft für Konsumforschung erstellt wurde: Der Anteil der Menschen, die sich erst im Internet über eine Reise oder ein Urlaubsziel informieren und dann ganz klassisch im Reisebüro buchen, wird sich demnach bis zum Jahr 2015 stabil bei knapp dreißig Prozent halten. Einzelne Bausteine wie ein Flug, ein Hotel oder ein Mietwagen werden leicht und gerne im Netz gebucht, komplexere Arrangements mit hohem Beratungsaufwand aber nur ungern, weil die Maschine den Menschen nicht ersetzen kann - heute wird zum Beispiel nur jede zwanzigste Pauschalreise im Internet verkauft. Und noch immer ist die Konversionsrate ein zentrales Problem der virtuellen Reisebüros, also die Umwandlung eines Besuchers in einen Käufer. Wenn ein halbes Prozent der Besucher einer Seite dort auch etwas bucht, gilt das in der Branche schon als guter Wert. Daran ändern auch alle Bemühungen nichts, die Nutzerführung auf den Websites, im Fachjargon „usability“, idiotensicher zu machen. „Don't make me think“, sagen die Amerikaner zu diesem Bestreben der Simplifizierung - ein Generalmotto des Internets, das die Denkfaulheit in beängstigendem Maß befördert, indem es uns weismacht, unendlich viel mehr zu wissen, als wir je wissen können. Doch das stimmt nur, wenn man Wissen als rein quantitative Größe begreift.

Viele Ideen, viele Probleme

Das tun die meisten Nutzer und suchen aus diesem Grund im Internet vor allem nach Informationen: nach handfesten wie Flugzeiten und Hotelpreisen, aber auch nach hintergründigeren wie Beschreibungen und Bewertungen von Sehenswürdigkeiten, Restaurants oder ganzen Ländern. Deswegen blühen im Netz die Reisecommunities, virtuelle Plattformen, in denen sich Reisende untereinander austauschen. Nach einer Umfrage des Verbandes Internet Reisevertrieb greifen inzwischen sieben Millionen Deutsche bei ihrer Urlaubsentscheidung darauf zurück, wobei dies untere Einkommensschichten lieber tun als mittlere und höhere. Fast alle Anbieter verfolgen ein eher traditionelles Geschäftsmodell: Einerseits geben sich User gegenseitig Empfehlungen und Warnungen, andererseits verdient der Betreiber sein Geld mit einem angeschlossenen Online-Reisebüro. Und fast alle leiden unter denselben Schwierigkeiten: Zum einen verdienen auch sie kein Geld, zum anderen müssen sie eine kritische Masse von Menschen generieren, die bei der Community mitmachen, sonst bleiben alle Beschreibungen und Bewertungen lückenhaft, anekdotisch, willkürlich, letztlich nutzlos.

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Veröffentlicht: 12.03.2010, 14:56 Uhr