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Urlaub in Neukölln : Ich bin dann mal nebenan

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Neukölle Alaaf! Im Hutladen „Crop Cosecha“ gibt es nicht nur bunte Zylinder nach Maß. Rechts im Bild: Moritz Wolfgruber, der Designer. Bild: Hoang Le Kien

Das alte Ich ist nur acht U-Bahn-Stationen von Prenzlauer Berg entfernt. Zwei Väter machen Club-Urlaub in der eigenen Stadt.

          Manche Lebensphasen sind einfach nicht ideal für Urlaub. Mein bester Freund hat drei Kinder. Ich selbst auch. Sechs Gründe, die gegen Männerferien am Mittelmeer sprechen. Größere Familien haben nie Geld, und Väter werden gebraucht, jeden Tag.

          Dabei war alles einst so schön: Als Student ging ich mit meinem Freund wandern im Schwarzwald. Wir klapperten im Audi A8 Rheingau-Weingüter ab. Wir blieben wochenlang in New York und probierten jede Bar im East Village aus. Dann kamen die Kinder. Jahre vergingen. Damit wir auch als Väter noch Urlaub machen können, muss eine radikale Lösung her. Warum nicht die eigene Stadt.

          Mein Ibiza liegt in diesem Jahr acht U-Bahn-Stationen entfernt. Ich habe die Tasche gepackt und einen lustigen Hut aufgesetzt, den ich in der East 7th Street in New York erstand. Ich habe meiner Frau und den Kindern Küsschen gegeben und gewunken. Papa fährt in den Urlaub.

          Wo Berlin noch rauh ist

          Achtzehn Minuten später bin ich schon da. Ich lebe in Berlin-Prenzlauer Berg. Für den Urlaub mit meinem besten Freund habe ich eine Wohnung in Neukölln gemietet, gleich am Tempelhofer Feld, unserem Park gewordenen Ex-Flughafen, mitten in der neuen Szene von Bars und Live-Bühnen. Eine Woche in Neukölln ist leicht zu machen. Es kann ohne große Planung losgehen, es gibt viel zu sehen, andere fahren um die ganze Welt, um hier Bands in Underground-Clubs zu hören. Und Berlin ist noch so rauh, wie man es eigentlich liebt. Im „Bierbaum III“, der Eckkneipe in der Schillerpromenade, kostet der Schnaps 80 Cent.

          Von Prenzlauer Berg nach Neukölln zu fliehen, dieser kurze Weg hat Symbolcharakter. Vor zehn Jahren, als ich nach Berlin kam, schrieb die „New York Times“: „Eine der aufregendsten Gegenden Deutschlands.“ Heute ist Prenzlauer Berg eine bürgerliche Puppenstube, für die ich mich manchmal schäme. Damals eröffnete jedes Wochenende irgendwo etwas, von dem man nicht wusste, ob es Bar, Galerie oder offene Privatwohnung ist. In diesen Clubs ohne Türschild oder Lizenz traf man deutsche Pop- und Filmstars, und niemand verdrehte den Hals nach ihnen - hier waren alle gleich. Dann kamen die Investoren, die Makler, und ruhebedürftige Nachbarn klagten das Nachtleben weg. Die Läden verkauften plötzlich Designtäschchen und am Kollwitzplatz sogar Vasen und Säulen. Das junge Bürgertum etablierte eine Monokultur von wohlhabenden vierzigjährigen Deutschen. In einem Neubau am Planetarium, ganz im öden Norden des Stadtteils, kostet der Quadratmeter kalt heute 18 Euro Miete. Zehnmal soviel wie damals. Ein Paradies für Topmanager und Prinzessinnen.

          Neukölln dagegen hat einen gewissen Klang. Ein starker neuer Science-Fiction-Film wählt es als Kulisse, „Dr. Ketel, der Schatten von Neukölln“. Ulrike Sterblichs schönes Buch „Die halbe Stadt, die es nicht mehr gibt“, eine Art West-Berlin-Rundreise, macht hier besonders oft Station. Auch Bowies Song „Neukölln“ kann man wieder gut hören. Denn so heißt wieder die inspirierende Gegend der Stadt. Junge Punkbands aus London spielen in der „Frühperle“, in der Weserstraße gibt es Kunst aus Nähgarn, jede Kneipe hat eine Bühne, und in der schönsten Gegend des Stadtteils, rund um die Schillerpromenade, sitzen die Laptop-Bohemiens aus Brooklyn mit den rotnasigen Zechern aus Rixdorf an einem Tisch.

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