04.09.2010 · Ein Bett im Stroh macht nicht jeden froh. Deswegen kann man beim Urlaub auf dem Bauernhof immer öfter auch luxuriös logieren - vor allem in den Alpen.
Von Georg WeindlSelbst für einen antiquarischen Getreidespeicher sind 335 Jahre ein geradezu biblisches Alter. Beim Anblick des Holzbaus mit seinen wuchtigen dunklen Balken und dem breiten Balkon mit der alten Holzleiter auf der Seite denkt man zuerst an eine rustikale Unterkunft mit Strohlager, so wie der tausend Meter hoch über Zell am See und Bruck und gleich gegenüber der Großglockner-Hochalpenstraße gelegene Taxhof insgesamt klassische Bergbauernromantik vermittelt. Doch das ist nicht alles. Dass sich rustikale Atmosphäre und gehobener Urlaubskomfort vertragen können, hat die Familie Unterberger schon vor einigen Jahren erkannt. Im Salzburger Land gilt der Taxhof als eine Art Vorreiter in Sachen Luxusurlaub auf dem Bauernhof. Der Vater kümmert sich um die Landwirtschaft, um die Schafe und die Pinzgauer Kühe, während die Mutter und die beiden Töchter den gastronomischen Teil betreuen. In der Küche werden die Produkte vom Hof zu regionalen Spezialitäten wie Lammbraten, Rindersülze und verschiedenen Knödeln verarbeitet - so gut, dass es den Unterbergers Lob von vielen Gourmetführern und sogar eine Haube von Gault Millau eingebracht hat.
Auch der Troadkasten, wie der Heustadel im hiesigen Dialekt heißt, ist längst nicht mehr nur ein Kasten, sondern eine Troadkastensuite inklusive Panoramasauna mit Blick auf Zell am See. Die Abgeschiedenheit am steilen Südhang hoch über dem Tal garantiert die Ruhe, die sich gestresste Urlaubsgäste wünschen, und das bei überraschend viel Komfort. "Besonders gefragt ist unsere Dochbodnsuite", sagt die Bäuerin. Der Dochbodn entpuppt sich als eine Art Penthouse mit riesigen Fenstern und großer Dachterrasse, mit modernem Mobiliar, so schlicht wie elegant, mit privatem Wellnessangebot und W-Lan. Neunzig Quadratmeter Fläche für maximal vier Personen kosten ab 185 Euro pro Tag. Das Frühstück und die optionale Halbpension werden extra berechnet. Das mag kein Schnäppchen sein, doch Gourmetküche und Penthouse-Ambiente sind ja auch nicht gerade das, was man traditionell mit Urlaub auf dem Bauernhof verbindet.
Keine Gewinn mit Bescheidenheit
"Die Gäste genießen die Atmosphäre auf dem Bauernhof und schätzen dazu den besonderen Komfort", sagt auch Lisi Heuberger. Die Bäuerin vom Gafalhof in Going in Tirol vermietet zehn Ferienwohnungen. Der stattliche Hof mit dem für Tirol typischen Glockenturm auf dem Dach steht in bester Postkartenlage etwas oberhalb des Tals an einem Südhang direkt vor dem mächtigen Massiv des Wilden Kaisers. Erst vor einem Jahr haben die Heubergers als zusätzliches Angebot ihre Almhütte eröffnet, die eigentlich ein aufwendiger, neorustikaler Anbau ist. Er beherbergt vier großzügige Ferienwohnungen mit jeweils hundert Quadratmetern Fläche, alle ausgestattet mit zwei Bädern, Flachbildschirmen, Internetanschluss, dazu gibt es noch ein Gartenhaus mit Grill nebenan. Von dem Lärm der Loferer Bundesstraße einige hundert Meter weiter unten merkt man hier oben nichts mehr. Stattdessen starten die Gäste direkt vom Hof Richtung Wilder Kaiser. Mindestens hundert Euro kosten die neuen Wohnungen in der Almhütte pro Tag. "Und die teuren Wohnungen sind immer zuerst vermietet", sagt die Bäuerin. Mit einfachen Unterkünften und bescheidenem Freizeitangebot sei nicht mehr viel zu gewinnen. Ihre Kundschaft seien sowohl Familien mit Kindern als auch Paare, die einfach Ruhe und viel Platz suchen. Mit ihren Angeboten konkurrieren Bauernhöfe wie der Gafalhof auch zunehmend mit der klassischen Hotellerie, ohne jedoch deren enormen Kostenaufwand tragen zu müssen. Teure Wellnessanlagen und hohe Personalkosten gibt es bei den bäuerlichen Familienbetrieben nicht, weshalb sie auch anders kalkulieren können.
Ein Hauch von Luxusleben auf dem Land ist auch das Motto des Hagerhofs im bayerischen Chiemgau. Der Hof am Rande des Weilers Meisham bei Eggstätt wurde vor einigen Jahren neu aufgebaut. Damit wurde ein Architekt beauftragt, der sich in der Region mit etlichen, sehr opulenten Gastronomieobjekten einen Namen gemacht hatte. So wurde aus dem Hagerhof ein Fünf-Sterne-Bauernhof, der mit dem Klischee vom einfachen Leben beim Bauern nichts mehr zu tun hat. Die Gäste logieren in großen offenen Wohnungen, zum Teil im Maisonettestil mit Sichtdachstuhl, Schlafgalerie, Kachelofen und eigenem Whirlpool. Auf Wunsch kommt auch eine Beauty-Fachfrau ins Haus. Für die andere Seite des Landlebens sind fünfundzwanzig Milchkühe und etliche Hühner, Hasen, Katzen und Meerschweinchen zuständig. Zwischen 63 und 135 Euro kosten die Wohnungen im Hagerhof pro Tag bei Belegung mit zwei Personen. Zu diesem Preis könnte man in diesen ländlichen Gegenden auch in einem ordentlichen Hotel wohnen.
Puristischer Bau, kantiges Design
Die kleine heile Welt mit Bauernstubenidylle ist freilich nicht mehr das alleinherrschende ästhetische Ideal. Längst haben sich bäuerliche Gastgeber mit moderner Architektur und Niedrigenergietechnik angefreundet, was im Werben um den anspruchsvollen, umweltbewussten Gast immer mehr zu einem Vorteil wird. Unter den zahlreichen Höfen in Südtirol, die beim Südtiroler Bauernbund unter dem Markenzeichen des Roten Hahns zusammengeschlossen sind, ist der Esserhof in Lana ein Vorzeigebetrieb. Der puristische Bau mit seinem kantigen Design wurde aus Strohballen errichtet und hat den Status eines Klimahauses. Das Interieur der drei Ferienwohnungen, die wie kleine Reihenhäuser gebaut sind, könnte auch gut zu einem städtischen Designhotel passen. Zwischen siebzig und achtzig Euro kosten die jeweils vierzig Quadratmeter großen Unterkünfte pro Tag bei einer Belegung mit zwei Personen.
Auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen auch die Eggerhöfe im Antholzer Tal. Neben dem klassischen Bergbauernhof einige hundert Höhenmeter über dem Talboden steht ein schnörkelloser, in Niedrigenergiebauweise errichteter Holzbau, in dem vier Ferienwohnungen eingerichtet sind. Das Interieur aus Holz ist von schlichter Eleganz, die Ausstattung mit TV und Internet zeitgemäß. Über die Treppe kommt man zur Schlafgalerie. Die aussichtsreiche Lage auf 1300 Meter Höhe bedingt auch eine gewisse Einsamkeit, allerdings können sich die Gäste in der Hofschänke verköstigen lassen. Was auf den Tisch kommt, stammt überwiegend aus der eigenen Landwirtschaft. In den Wohnungen haben zwischen zwei und sechs Personen Platz. Die Preise liegen zwischen fünfzig und 120 Euro pro Tag je nach Belegung und Saisonzeit. Hohe Nebenkosten und Konsumexzesse muss man während des Urlaubs beim Bergbauern nicht fürchten. Denn die nächsten Boutiquen sind viele Kilometer entfernt.