Home
http://www.faz.net/-gxi-74ju0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Skikurs im Erwachsenenalter Das fängt ja gut an

Nicht mehr länger fremd in einer Welt zwischen Geschwindigkeitsrausch und Knochenbruch: Kann man Skifahren im Erwachsenenalter noch lernen? Ein Versuch auf der Belalp im Wallis.

© Fehmi Baumbach Vergrößern Sie Anfänger! Der Weg vom Versuchskaninchen zum Skihasen ist kein leichter, und Pisten, die mit der Farbe Schwarz gekennzeichnet sind, sollte man vorerst meiden.

Weißes Kuschelfell, ein Paar lange Ohren, Kulleraugen. Auf den ersten Blick habe ich nichts mit dieser Kreuzung aus Eisbär Knut und Osterhase gemein. „Snowli“ nennen sie ihn, den Plüschgenossen, mit dem die Kleinsten gerade auf dem Spielplatz im Schnee herumkaspern. „Es nimmt ihnen die Angst, wenn sie ihre ersten Gehversuche auf Skiern ohne ihre Eltern machen“, erklärt Skilehrer Benjamin Jossen, warum Kollegen immer mal wieder ins Kostüm schlüpfen. Seine erwachsenen Schützlinge vertrauen dagegen auf die offizielle Kluft, in autoritärem Rot mit weißen Sternchen schickt er die Holländerinnen Maria und Rieneke und mich auf den Übungshang: „Ladys, jetzt seid ihr dran.“

Sonja Kastilan Folgen:  

Vor diesem Schritt ist mir ganz bang, und kein Kuscheltier könnte helfen. Dabei ähneln die Geschichten, die man Kindern in Schweizer Skigebieten über jenes außerirdische Langohr erzählt, das auf der Erde im Schnee landet und im Traum das Skifahren lernt, durchaus meinen Erlebnissen. Wie Snowli bin ich ein Alien - gut getarnt mit Sonnencreme, Helm und reichlich Kälteschutz, doch fremd in einer Welt zwischen Geschwindigkeitsrausch und Knochenbruch, deren Skala keine Nuancen kennt. Es gibt blaue und rote Pisten, die anspruchsvollsten sind schwarz; Dunkelblau, das mich vor tückischen Teilstrecken warnen würde, existiert leider nur im Scherz.

Kein Mensch erlernt das Skifahren träumend

Fremd, weil ich die von Einheimischen belächelten Ziehwege als Herausforderung empfinde. Und obwohl ich nicht weiß, was mich mehr schreckt - sanftes Gefälle oder der Vergleich mit den Könnern -, stelle ich mich dem Experiment: Kann ein Versuchkaninchen in einer Woche zum Skihasen reifen, wenn es sich zwar mühelos im urbanen Liniennetz zurechtfindet, aber sich vor einem Tellerlift fürchtet? Wenn es Kopfsteinpflaster leichtfüßiger auf Highheels quert als in Skischuhen die kurze Strecke zwischen Hotel und Bergbahn?

In einem Land, in dem Geschichten über Außerirdische kursieren, damit schon Fünfjährige unerschrocken über schwarze Pisten flitzen, sind Wesen, die sich mit 40 plus erstmals auf die Bretter wagen, selten. Dass es gerade in der Schweiz dennoch klappen könnte, sicher und mit Würde durch das Weiß zu gleiten, ist die leise Hoffnung, die mich hierher ins Wallis lockte. Auf die Belalp. Was der Name verspricht, kann die Landschaft mit sagenhaft verschneiten Hängen nebst Unesco-Welterbe in Gletscherform noch übertrumpfen. Hielte sich der Muskelkater nicht hartnäckig in Händen, Schultern oder Oberschenkeln, ich wähnte mich in einem wahr gewordenen Wintermärchen. In einem von der lieblichen Sorte: mit erfahrenen Lehrmeistern, hilfsbereiten Herbergsleuten, etlichen Zwergen, einem Dorfältesten und seinen Zauberschafen.

Weil jedoch kein Mensch träumend das Skifahren erlernt, bleiben mir Momente des Horrors nicht erspart. Ich schwitze Blut und Wasser, als wir zur Übung einen Buckel erklimmen sollen, stehe mit der Innenkante auf Kriegsfuß. Wer kann ahnen, dass sich der Begriff nicht auf die eigene Körperachse bezieht, sondern nun „der Berg“ bestimmt? Diese Welt aus Eis und Schnee verlangt Muskeln, Technik und eine eigene Sprache, die eben erst noch zu verstehen ist.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Vater und Sohn fahren Ski Die Masse macht’s nur manchmal

Der Sohn hat mit seinen neun Jahren schon drei Skikurse hinter sich, der Vater stand mit mehr als vierzig erst eine Handvoll Tage lang auf der Piste: Über eine ungleiche Begegnung an der Hohen Salve in Tirol. Mehr Von Fridtjof Küchemann

20.02.2015, 15:02 Uhr | Reise
Ski-Star Anna Fenninger Mit Skiern über die Düne

Ski-Weltmeisterin Anna Fenninger ist nicht nur auf Schnee schnell, sondern auch auf Sand. Die Österreicherin setzt sich als Botschafterin für die Rettung von Geparden in Szene. Mehr

05.02.2015, 15:14 Uhr | Sport
Deutscher Schnee (3) Wer Hunger hat, isst Kieselsteine

Der Feldberg im Südschwarzwald ist zwar nur der höchste Gipfel der deutschen Mittelgebirge. Doch Ski fahren kann man hier fast wie in den Alpen - und Demut lernen von einem Mann, der es vom Kinderknecht zur Wintersportlegende gebracht hat. Mehr Von Jakob Strobel y Serra

20.02.2015, 06:56 Uhr | Reise
Skifahren Freeriden in den Kitzbüheler Alpen

Snowboarden und Skifahren abseits befestigter Pisten - das ist Freeriding. Die Extremsportart findet immer mehr Anhänger. Eines der derzeit angesagtesten Freeriding-Gebiete sind die Kitzbüheler Alpen. Mehr

15.01.2015, 11:29 Uhr | Sport
Pistenmanagement in den Alpen Auf den Kunstschnee ist Verlass

In den Skigebieten der Alpen hält das satellitengestützte Schnee- und Pistenmanagement Einzug. Es geht um den effizienten Einsatz des teuren Maschinenschnees in den Zeiten des Klimawandels. Blick hinter die Kulissen von Fieberbrunn und Mayrhofen. Mehr Von Walter Wille

19.02.2015, 17:03 Uhr | Technik-Motor
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 25.11.2012, 10:00 Uhr