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Schienenverkehr Bahnfahren wird vor Weihnachten teurer

24.08.2005 ·  Bahnkunden müssen bald tiefer in die Tasche greifen: Die Deutsche Bahn erhöht zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember die Ticketpreise für die 1. und 2. Klasse. Vor allem lange Strecken werden deutlich teurer.

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Die Deutsche Bahn erhöht zum dritten Mal in eineinhalb Jahren ihre Preise. Zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember werden die Fahrscheine im Nah- und Fernverkehr durchschnittlich um rund 2,9 Prozent teurer, wie das Unternehmen am Mittwoch in Berlin mitteilte. Auch die Bahncards, die Stammkunden einen Rabatt verschaffen, sollen mehr kosten.

Die Bahn begründet die Preiserhöhungen mit gestiegenen Preisen für Strom und Diesel sowie mit geringeren Zuschüssen der Länder im Nahverkehr. Personenverkehr-Vorstand Karl-Friedrich Rausch sagte, die Bahn habe auf die gestiegenen Energiepreise schon mit Kostensenkungen reagiert und sie so zum Teil kompensiert. „Dadurch waren wir in der Lage, die notwendige Preisanpassung in den meisten Fällen unterhalb von drei Prozent zu halten.“

Größter Energieabnehmer in Deutschland

Zuletzt hatte die Bahn ihre Preise im Dezember vergangenen Jahres erhöht; auch die damalige Verteuerung um 3,5 Prozent hatte Bahnchef Hartmut Mehdorn mit gestiegenen Energiepreisen begründet. Im April 2004 hatte die Bahn die Fahrpreise um 3,4 Prozent erhöht. Die Bahn ist als größter Energieabnehmer in Deutschland, da sie nur 1 bis 2 Prozent ihres Strombedarfs von 13 Terrawattstunden selbst produziert, von den steigenden Kosten besonders belastet. Mehdorn hatte kürzlich darauf verwiesen, daß die Strompreise binnen eines Jahres um 30 Prozent gestiegen seien. Die Bahn gibt dem Vernehmen nach annähernd 1,5 Milliarden Euro jährlich für Energie aus.

Umweltverbände, Grüne und Union kritisierten die angekündigten Tariferhöhungen als falsches Signal. Der Umweltverband Verkehrsclub Deutschland (VCD) betonte, zwar sei es legitim, höhere Energiekosten an Kunden weiterzugeben. Doch müsse die Erhöhung so gering wie möglich ausfallen. Nach Angaben der Bahn ist ihr Primärenergieverbrauch 2004 gegenüber 2003 um 5,5 Prozent gesunken. Preisanpassungen dürften nicht dazu mißbraucht werden, von Energiekosten unabhängige Elemente des Preissystems zu verändern.

Stammkunden mit Bahncard würden doppelt bestraft. Schon durch die vielen Sonderangebote in letzter Zeit seien Reisende mit Bahncard benachteiligt worden. So finanzierten die Stammkunden die Lockaktionen der Bahn mit, ohne daß sie später von neuen Kunden - beispielsweise durch sinkende Fahrpreise - profitierten, bemängelte der VCD.

Länder müssen Preiserhöhung genehmigen

Nach Bahn-Angaben wird der Normalpreis im Fernverkehr in der 2. Klasse um durchschnittlich 2,9 Prozent steigen. In demselben Umfang verteuern sich Wochen-, Monats- und Jahreskarten. Der Normalpreis in der 1. Klasse steigt um durchschnittlich 4,2 Prozent. Der Höchstpreis, der von einer Entfernung von 750 Kilometern an gilt, steigt in der 2. Klasse von 111 auf 115 Euro und in der 1. Klasse von 167 auf 175 Euro. Die Preise der Bahncards werden um bis zu 3 Prozent angehoben. So kostet für die Bahncard 25 (2. Klasse) künftig 51,50 statt 50 Euro. Der Preis für die Bahncard 50 steigt von 100 auf 103 Euro.

Im Regionalverkehr müssen die Kunden für Einzelfahrscheine und Wochenkarten ebenfalls 2,9 Prozent mehr zahlen. Die Preiserhöhung muß noch durch die Länder genehmigt werden. Monatskarten sollen hier um 2,2 Prozent teurer werden. Die Preise für Jahreskarten und Abonnements sollen stabil bleiben. Der Preis der Fahrradkarte steigt um 50 Cent auf 3,50 Euro.

Preisaktionen waren ein Erfolg

Das Schöne-Wochenend-Ticket soll weiterhin 30 Euro kosten. Das City-Ticket wird von 67 auf mehr als 80 Städte ausgeweitet. Dort können Bahncard-Kunden in Verbindung mit einem Fernverkehrsfahrschein den Nahverkehr kostenlos nutzen. Zudem gibt es für 10 Euro eine neue Bahncard 25 für Kinder und Jugendliche.

Die Bahn setzt mit der dritten Erhöhung der Normalpreise seit April 2004 ihre Preispolitik fort. Dabei fallen Normalpreise und Sonderangebote immer stärker auseinander. Die vielen Preisaktionen - vom Sommer-Spezial bis zum Verkauf über den Discounter Lidl - waren nach Bahn-Angaben ein Erfolg. Vom 12. Juni bis 12. August seien mehr als eine Million Fahrten des Angebots für 29 Euro verkauft worden. Die Auslastung der Fernzüge sei dadurch im Vergleich zu 2004 um 2 Punkte auf 42 Prozent gestiegen. Mehr als die Hälfte dieser Tickets seien am Automaten oder im Internet gekauft worden. Die Bahn will durch eine verstärkte Nutzung dieser Vertriebswege ihre Kosten senken.

Quelle: enn., F.A.Z., 25.08.2005, Nr. 197
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