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Portugal : Wer sagt denn, dass die Zeit endlich ist

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Die Ilha do Farol wird auch Ilha da Culatra genannt, sagt der Kapitän. Von seinem Fährboot aus wirken die winzigen Marschinseln rundherum noch chaotischer, als gedacht. Bild: Rolf Neuhaus

Die Ria Formosa an der Algarve ist ein kleines, salzigsüßes Inselreich, das scheinbar nichts mit der Welt zu tun haben will, sie in Wahrheit aber in sich trägt. Und wer nicht aufpasst, erlebt hier die Vollkommenheit des Glücks.

          Nachlässig vertäut liegen kleine Boote am Ufer, im Wasser, auf dem Sand, Boote mit Außenbordern, wie man sie zum Angeln braucht oder um den Fluss nach Tavira hochzufahren oder auf die Inseln überzusetzen. Die eine oder andere Yacht ruht in der Mitte des hybriden Gewässers, das nicht mehr Fluss und noch nicht Meer ist; vielleicht ist Lagune das richtige Wort, weil das Wasser so still liegt. Nur eine Stimme ab und zu und das Tuckern der Fähre sind weithin zu hören, obwohl da keine Berge, Felswände oder hohen Gebäude sind, die es widerhallen ließen. Alles ist flach, ebenmäßig, alles überschaubar und ruhig, nur deshalb ragt der Herzschlag der kleinen Personenfähre heraus.

          Quatro Aguas nennt sich der Flecken, der sein Dasein der Anlegestelle verdankt. Vier Gewässer sind es, die ihm den Namen gaben, der Rio Gilão, die salzigsüßen Wasserarme hinter den Inseln Tavira und Cabanas sowie das Meer, das zwischen den Ilhas eintritt. Doch da sind noch mehr Gewässer oder Mischlinge aus Land und Wasser: Marschen und Salinen. Die kleine Insel auf der anderen Flussseite schwimmt zwischen Salzbecken und Sümpfen. Auf ihr stehen die Reste einer Festung und ein niedriger, rechteckiger, geschlossener, abweisender Gebäudekomplex mit einem Turm wie ein Wachtturm in einer Ecke, doch er gehört einer Kapelle. Die Gebäudeansammlung war früher die Sommerresidenz Hunderter Fischer, Quartier für den Thunfischfang, eines der größten an der Algarve, ein richtiges Dorf. Als die Thunfische ausblieben, wurde es in ein Hotel verwandelt, genauso wie das nahe Forte de São João da Barra bei Cabanas zum Hotel mutierte, lange nachdem Piraten, Mohren, Spanier und andere Barbaren ferngeblieben waren.

          Gassen voller Geheimnisse

          Träumt man mit offenen Augen an den vier Gewässern, verschmelzen Gegenwart und Geschichte, Zivilisation und Natur in Harmonie. Man ist im Gleichgewicht der Kontemplation, die Zeit löst sich auf, ein Gefühl der Versöhnung stellt sich ein. Die späte Sonne steht weich auf dem Sandstreifen und dem Pinienhain der Ilha de Tavira, Yachten kommen vom Meer herein, Surfer schwimmen auf ihren Brettern ans Festland zurück. Dann, als die Sonne untergegangen ist, glättet sich das Wasser vollkommen und färbt sich so blau wie der Himmel. Die Welt liegt im Rücken und vor einem das Paradies.

          Bild: F.A.Z.

          Tavira ist bildschön, obwohl sie ein wenig in die Jahre gekommen ist. Oder gerade deswegen. Tavira ist gelöst, gelassen, großzügig, empfänglich, zum Genuss bereit wie eine reife Frucht. Eine rassige Portugiesin, zum Verlieben. Die großen Plätze mit ihren Restaurant- und Caféterrassen strahlen Weitherzigkeit, Offenheit aus. Die schmalen Gassen bergen kleine Geheimnisse wie die blauädrigen Muster der Kachelfassaden, die gelockten Balkongitter und ockergelben Umrandungen der Fenster- und Türöffnungen. In versteckten Ecken warten kleine Kaffeebars, in denen man ohne Verzug einen Café pingado bekommt und ihn schlürfen und wie ein Bonbon lutschen kann. Und immer wieder die wechselvollen Ausblicke auf weiche Kuppeln und spitze Kirchtürme, von denen Tavira so viele hat.

          Unendlicher Sand

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