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Portugal : Gott schuf die Welt und der Mensch den Rest

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Wir fahren mehr durch Dörfer als über Land. Ein kleiner Ort reiht sich an den anderen. Es gibt sicherlich hundertmal mehr Dörfer, als auf der Karte verzeichnet sind. Resende ist das Zentrum der Kirschenanbaus, ein wohl zu schnell gewachsenes Städtchen, neu und charakterlos. Caldas de Aregos ist ein altes Thermalbad und liegt am Fluss. Fast beklagen wir, dass die Straße an den Fluss hinabführt - wir wissen schließlich, was das bedeutet. Wir sitzen in einer Bar am Bootshafen, schauen neidisch übers ebene Wasser, und wie von selbst drängt sich einem die Idee auf, ein Flusstaxi zu chartern, das einem den Weg durch die Berge und die Nachmittagshitze erspart.

Verwunschen wie ein Märchenschloss

Der Barmann zeigt auf ein kleines, von einem Sonnensegel überspanntes Ausflugsboot. Der Barmann telefoniert mit dem Bootsführer. Der Bootsführer, der eigentlich nur kurze Spazierfahrten den Douro hinauf und hinunter unternimmt, muss den Eigner fragen und ruft dann zurück. Der Barmann berichtet: bis Entre-os-Rios, vielleicht vierzig Flusskilometer, fünfhundert Euro, bis Porto, etwa doppelt so weit, sechshundert. Phantasiepreise. Es war wohl das erste Mal, dass jemand nach einem Taxi den Fluss abwärts fragte. Wir danken und schieben das Rad die Steigung hoch.

Von Ribadouro an weitet sich das Tal. Die Berge werden flacher, die Steigungen kürzer und leichter. Wir fahren auf halber Höhe durch das liebliche, bewaldete Tal, das mit kleinen Wein-, Obst- und Gemüsegärten besprenkelt ist. Was nicht ausschließt, dass es nach wie vor große Weingüter gibt, die zwar keinen Porto, so doch Vinho Verde oder Ribeiro do Douro produzieren. Bei Sande annonciert eine Quinta Unterkunft. Wir schieben das Rad Hunderte von Metern den Weinberg hoch, auf dem Hügel thront das Herrenhaus einsam, verwunschen wie ein Märchenschloss in der sich neigenden Dämmerung, durch eines der vielen Fenster fällt Licht, alles ist in mysteriöse Stille getaucht. Die schwere Holztür im Turm ist verschlossen, doch öffnet sie sich auf Klopfen.

Frachtkähne und Ausflugsboote

Ein Herr mit imposantem Schnauzbart und eleganter Hausjoppe lässt ein, der holzgetäfelte und balkenüberzogene Salon ist mit antiken Möbeln und alten Teppichen überhäuft, wortlos erledigt der Mann die Formalitäten, bis wir fragen, ob es noch andere Gäste gebe. „Nein.“ Der Doppelzimmerpreis erweist sich als mysteriös niedrig, fünfunddreißig Euro mit Frühstück. Doch sobald wir das einfache, Radfahrern offenbar angemessene Dachkämmerchen betreten, verliert das Haus die Aura des Geheimnisvollen.

Mit zunehmender Nähe zu Porto wächst die Chance, ein Schiff auf dem Douro zu erspähen. Bislang haben wir nur einmal das Glück gehabt, eins der mehr langen und schmalen als schönen Flusskreuzfahrtschiffe zu sehen, die dank der Schleusen im fünffach gestauten Douro bis Barca d'Alva an der Grenze zu Spanien fahren können. Jetzt begegnen uns einige Frachtkähne und in Ausflugsboote konvertierte Weinfrachter. Mit zunehmender Nähe zu Porto wird aber auch der Straßenverkehr dichter, was den Radfahrer zwingt, auf die nicht allzu breite Straße zu blicken, um Spur zu halten und Kollisionen mit überholenden Kraftwagen zu vermeiden.

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