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Portugal : Alles eine Frage der Haltung

So ist es richtig: Erst Paddeln... Bild: Alexander Zurek

Mit einem Surfbrett die Wellen des Atlantiks hinunterzugleiten, kann man auch noch lernen, wenn man kein Teenager mehr ist. In einem Surfcamp an der Algarve haben wir den Selbstversuch gewagt: Schmerzhaft sind die ersten zwei Tage, dann aber kommt das Glücksgefühl - und mit ihm die Sucht.

          Der erste Tag beginnt damit, dass die Surfanfängerin den Neoprenanzug falsch herum anzieht. Die andere Surfanfängerin weist sie freundlicherweise darauf hin, bevor die Sache Aufsehen erregen kann. Angeblich, so erfährt sie später, sammeln die Surflehrer Fotos von Surfanfängern, die am ersten Tag mit einem falsch herum angezogenen Neoprenanzug vor ihnen stehen. Lustig, denkt die Surfanfängerin. Und: wie gut, dass dieser Kelch an mir vorübergegangen ist. Dabei wäre es doch viel praktischer, den Reißverschluss vorne und nicht kompliziert am Rücken hochzuziehen. Dass das nur denken kann, wer sich noch nie bäuchlings in den Wellen auf ein hartes Surfbrett geworfen hat, erfährt sie später - am eigenen Leib.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Wir sind in Portugal, in Ponta Ruiva, einem Strand nahe von Lagos, und schmieren, wie man uns geraten hat, Gesicht, Füße, Hände - also alles, was aus dem Neoprenanzug herausguckt - dick mit Sonnenöl ein. Wir, das ist eine Gruppe von Männern und Frauen zwischen fünfunddreißig und sechsundfünfzig Jahren, die Gäste im Surfcamp The Surf Experience der Familie Lipke sind. Uns allen geht es ums Wellenreiten, manchen schon länger, anderen erst jetzt: Da ist eine Ärztin aus Norwegen - sie ist die Zweite im Bunde, die heute zum ersten Mal auf einem Surfbrett stehen wird; da ist eine Yogalehrerin aus der Schweiz, die auf 2400 Metern Höhe lebt und das Gekraxel in den Alpen immer häufiger gegen das Klettern auf Wellenbergen eintauscht. Wie die Schweizerin surfen auch der Ingenieur, der für die Kripo Spuren sichert, und die Psychologin aus Düsseldorf schon seit ein paar Jahren, genauso der Bundeswehr-Hauptmann und der Pharmazeutiker - mit Anfang fünfzig stand er das erste Mal auf einem Brett.

          Kokon der Jugendkultur

          Bis auf die beiden sind alle schon einmal im "grünen Wasser" gewesen?, fragt George, der britische Surflehrer, und deutet auf die Norwegerin und mich. Alle nicken, nur wir Surfanfängerinnen nicht. Den Begriff "grünes Wasser" hören wir zum ersten Mal. Es ist der Bereich, in dem die Wellen brechen, in dem man also richtig Wellenreiten kann. Natürlich wollen auch wir dort surfen. Am besten gleich, jetzt, sofort, er ist das Ziel. Doch für Surfanfängerinnen ist er eine verbotene Zone. Wenn es gut läuft, dann dürft ihr am Ende der Woche dorthin, sagt der Pharmazeut.

          ...dann hochstemmen und ins Hohlkreuz gehen...
          ...dann hochstemmen und ins Hohlkreuz gehen... : Bild: Alexander Zurek

          Ein guter Surfer zu werden kann Jahre dauern. Es ist ein äußerst schwieriger, ein knallharter Sport. Vor allem, wenn man es erst als Berufstätiger jenseits der dreißig oder vierzig zum ersten Mal mit den Wellen aufnimmt, tut man sich schwer. Nicht wegen des Alters, wie man vielleicht denken könnte, weil das Wellenreiten mit einem Kokon der Jugendkultur umsponnen ist, so dass manch älterer Mensch, der den Sport schon längst einmal ausprobieren wollte, nur zuschaut, anstatt selbst ins Wasser zu gehen. Das Problem ab einem gewissen Alter ist eher die fehlende Zeit für das regelmäßige, doch unbedingt notwendige Training. Wer wohnt schon am Meer und noch dazu an einem, an dem es richtige Wellen gibt? Wir beginnen mit Trockenübungen am Strand.

          Take-Off am Strand

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