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Sonntag, 19. Februar 2012
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Paris mit Kindern Wir haben den weißen Elefanten gesehen

26.11.2009 ·  Paris ist die Stadt der Liebe zu vielen Dingen, zum Essen, zur Architektur, zur Geschichte, zur Mode, zum Esprit. Für eine Liebe aber ist diese sehr steinerne und formelle Stadt nicht bekannt: die Kinderliebe - und das zu unrecht..

Von Ellen Alpsten
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Paris ist die Stadt der Liebe zu vielen Dingen, zum Essen, zur Architektur, zur Geschichte, zur Mode, zum Esprit. Für eine Liebe aber ist diese sehr steinerne und formelle Stadt nicht bekannt: die Kinderliebe. Die "chères petites têtes blondes", wie die Pariser ihren Nachwuchs gerne nennen, spielen hier traditionell keine Hauptrolle. Das heißt allerdings noch lange nicht, dass sich Paris nicht für eine Reise mit Kindern eignet, ganz im Gegenteil.

Wir sind mit unseren beiden vier und fünf Jahre alten Jungen unterwegs, die laut jubeln, als sie vom Fenster des öffentlichen Busses aus zum ersten Mal in ihrem Leben den Eiffelturm leibhaftig sehen. "Quel bruit!", was für ein Lärm, empört sich prompt die Dame vor uns, doch das ist uns egal. Wir kommen an der Place Trocadéro an, von hier aus hat man den besten Ausblick auf den Eiffelturm. Auf der Terrasse des Palais Chaillot ist das sehr entspannte Café Carlu untergebracht. Wir frühstücken bei Selbstbedienung, die Kinder springen am gewaltigen Brunnen des Parc Trocadéro auf und ab. Die Füße baumeln im eiskalten, türkisfarbenen Wasser, und die kriegerisch aussehenden Wasserkanonen sind glücklicherweise abgeschaltet.

Schlaraffenland für Süßmäuler

"Der Turm sieht ja wirklich aus wie in ,Ratatouille'", sagt einer der Jungen. Wie hoch sollen wir ihn jetzt erklimmen? Die Kinder wollen nicht Schlange stehen für den teuren Lift, sondern viel lieber die schwindelerregenden, aber unvergesslichen Treppen hinaufsteigen. Genau 1710 Stufen sind es bis zur zweiten Etage, der Auf- und Abstieg dauert den ganzen Vormittag. Danach lassen wir uns durch das siebte Arrondissement treiben, das der Turm überragt, und stoßen bald auf einen verborgenen Schatz: die Marktstraße Rue Cler. Ihre Boulangerien sind mit die besten in Paris. Unsere Söhne können sich nicht zwischen Éclairs mit Schokolade oder Karamell und einem Croissant aux Amandes entscheiden, zwischen all den kunstvoll geschichteten Mille Feuilles, den Beignets aux pommes und den Jésuites. Wir nehmen von jedem etwas, und jeder darf mal beißen. Simone de Beauvoir beschreibt in ihren Kindheitserinnerungen die Geschmackssensation, wenn solches Gebäck "wie eine Kugel aus Licht am Gaumen zerplatzt". Außerdem bieten die Boulangerien fabelhafte belegte Baguettes an, ideal für unser Picknick en famille und auch nicht schlecht für die Familienkasse.

Ein Fest für kleine Augen ist die Rue Cler. Am meisten Erfolg bei den Söhnen hat der Poissonnier, der Fischhändler. Er trägt einen Schnurrbart wie in Asterix, und man darf seinen Tintenfisch mit dem Finger anstubsen. Doch Vorsicht mit den Krabben und Hummern, die leben noch! Seespinnen gibt es auch, die sehen seltsam aus, sind aber Delikatessen. Und wie schmeckt eine Auster? Jetzt wissen es die Buben, deren Füße nun aber eine Pause brauchen.

Dem Bürgermeister sei dank

Wir besteigen zwischen Eiffelturm und Rue Cler einen Batobus. Die Seine zieht sich wie ein silbernes Band durch die Stadt, und diese Boote sind ideal, um sie zu entdecken. Das Ticket ist 24 Stunden lang gültig, man kann an jeder der acht Haltestellen nach Belieben ein- und aussteigen. Wir kommen am Musée d'Orsay vorbei, das gar nicht mehr wie ein Bahnhof aussieht, und an der Place Michel Debré mit Césars Statue des Zentauren aus Schrott, die die Jungen sofort zu Hause nachzubauen beschließen, am Jardin des Plantes mit seinem jahrhundertealten Zoo - hier kann, muss man Rilkes "Panther" zitieren -, am Hôtel de Ville, in dem man nicht schlafen kann, an Notre-Dame und an der malerischen Seine-Insel Île St-Louis.

Dass sich Paris in den vergangenen Jahren zu einer kinderfreundlichen Stadt gewandelt hat, ist vor allem Bürgermeister Bertrand Delanoë zu verdanken. Er hat zum Beispiel auf beinahe jedem öffentlichen Grün einen Spielplatz anlegen lassen. Einen anderen Einfall Delanoës werden wir erst bei einem späteren Besuch nutzen können: die Vélibs, graue, ergonomische Fahrräder, die überall in der Stadt an speziellen Stationen ausgeliehen werden können.

Nur Esmeraldas Ziege fehlt

Auf der Hauptstraße der Île St-Louis wird das beste Eis der Hauptstadt verkauft, im Glace Berthillon. Die Jungen schlecken zwei Kugeln Mango und Kokos, während wir auf der kleinen Brücke hinüber zur Île de la Cité schlendern. Jazzmusiker, Jongleure und Pantomimen führen dort ihre Künste vor. Notre-Dame wirft schon ihren langen Schatten. Die Schlange für den Aufstieg auf die Glockentürme der Kathedrale, die einen herrlichen Ausblick auf Paris erlauben, ist lang, doch hier oben saß doch Quasimodo. Dieses Argument macht die Buben sehr geduldig. Oben erkennen sie dann die Wasserspeier wieder, mit denen Quasimodo im Walt-Disney-Film spricht und spielt. Esmeraldas Ziege ist allerdings nirgends zu sehen. Dafür kaufen wir an einem Eselskarren auf der Place du Parvis köstliche Crêpes aux Bananes et Chocolat - wieder Kugeln aus Licht, die am Gaumen explodieren. Auch auf diesem Platz wimmelt es von Künstlern, wir werden weich und erlauben unseren Söhnen das, was wir uns geschworen hatten, niemals zu tun: Wir lassen sie für eine Karikatur Modell sitzen.

Dann geht es hinauf zum Jardin du Luxembourg, dessen manikürte fünfundzwanzig Hektar nichts mit anderen Pariser Parks gemein haben. Nur drei schmale Grünstreifen sind für das Publikum freigegeben. Der uniformierte Wächter tippt sich an die Mütze, seine Arbeit ist titanisch, denn eigentlich ist hier alles verboten, vom harntreibenden Bierkonsum bis zum Sonnenbaden im Bikini. Dennoch verbringen wir in diesem Park, der dem Pariser Senat gehört, einen herrlichen Nachmittag. Am runden Teich in der Mitte warten wir geduldig, bis eines der kleinen, hundert Jahre alten Segelboote für uns frei wird: Für ein paar Euro jagen wir es mit einem Stecken über das Wasser. Es bläst ein feiner Wind, und die Jungen nehmen die Beine in die Hand, um am Teichrand entlangzuflitzen und das Boot auf Kurs zu halten. Danach sind die Ponys an der Reihe, die geduldig eine Allee auf und ab tragen, die Jungen fest im Sattel angeschnallt. Zwischen den Bäumen direkt neben der besten Marionettenbühne der Stadt schimmert eines der ältesten Karussells von Paris. Auch Rilke war es in seiner Zeit als Rodins Sekretär ein Gedicht wert. Die Jungen drehen sich auf Holzpferden und kleinen Flugzeugen im Kreis - und tatsächlich, es kommt auch dann und wann ein weißer Elefant vorbei.

Transport: Tickets für den Batobus (www.batobus.com) gibt es an jeder Haltestelle; sie kosten zwölf Euro für einen Erwachsenen und sechs Euro für ein Kind unter sechzehn Jahren. Alle Informationen zu Fahrkarten, Tages- und Wochenpässen im öffentlichen Nahverkehr gibt es im Internet unter www.ratp.fr; nähere Auskünfte zu den Leihfahrrädern Vélibs unter www.velib.paris.fr

Unterkunft: Für Familien empfiehlt sich ein Apartmenthotel, zum Beispiel der Citadines-Gruppe (www.citadines.com). Sie sind günstiger und komfortabler als traditionelle Hotels und haben oft zwei getrennte Zimmer.

Museumspass: Für Familien mit älteren Kindern kann der Pariser Museumspass sinnvoll sein, mit ihm spart man Geld und Zeit. Er gewährt Eintritt in sechzig Sammlungen und ist für zwei, vier oder sechs Tage gültig. Details unter www.parismuseumpass.fr.

Informationen: Über touristische und kulturelle Angebote für Familien informiert das Pariser Fremdenverkehrsamt, 25 Rue des Pyramides, F-75001 Paris, Telefon: 00 33/8/92 68 30 00 (0,34 Euro pro Minute), Internet: http://de.parisinfo.com.

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