12.06.2008 · Der vorbildliche Tourist, wie die Hoteliers sich ihn wünschen, stammt aus Japan. Die Deutschen landeten bei der Umfrage immerhin gemeinsam mit den Briten auf Platz zwei und können sich nicht beschweren. Die Ergebnisse der Befragung bieten einige Überraschungen. Eine Glosse von Jakob Strobel y Serra.
Die ganze Welt ist ständig auf der Suche nach irgendeinem Superstar, Supersänger, Supermodel, Supertrottel, wir können es nicht mehr sehen und nicht mehr hören. Doch hoppla, jetzt werden wir hellhörig. Denn das weltweit führende Online-Reisebüro Expedia hat sich endlich einmal auf eine sinnvolle Suche gemacht: nach dem globalen Supertouristen, dem besten Reisenden von allen.
Und er ist gefunden worden, gekürt von viertausend Hoteliers, die von Expedia um ihre Expertise gebeten wurden. Es ist - mit triumphalem Vorsprung - der Japaner. Doch keine Bange, für die Deutschen bleibt nicht Schmach und Schande, sondern ein sehr ordentlicher, geteilter zweiter Platz, denn auch der Brite ist in der Welt gern gesehen. Auf den weiteren Rängen folgen der Schweizer, der Kanadier, der Niederländer, der Schwede, der Australier, der Belgier und der Norweger. Abgeschlagen auf den letzten Plätzen landen Spanier, Mexikaner, Russen, Franzosen, Inder und Chinesen - rein quantitativ also knapp die Hälfte der Erdenbevölkerung.
Touristische Tugenden
Widerspruch, Skandal, Klischeekiste, Holzschnitzerei, wird jetzt die verehrte Leserschaft aufschreien. Und wer kennt denn nicht einen herzallerliebsten Chinesen, einen Spaßvogelspanier zum Knutschen, einen grimmigen Japaner mit feudalistischen Samurai-Manieren. Das mag sein, doch die befragten Hoteliers haben sich das Leben nicht leichtgemacht, sondern ihre Rangliste der beliebtesten Touristen der Welt nach minutiösen Kriterien erstellt. Demnach schneiden die Japaner in den Schlüsselkategorien Benehmen, Höflichkeit und Lautstärke am besten ab, während die Deutschen nur in einer Teildiszipilin ganz vorne stehen: Ordnung/Sauberkeit. Gute Noten erhalten sie immerhin für ihre Fremdsprachenkenntnisse, ihren Kleidungsstil und ihr Interesse an fremdländischer Kost.
Den Sieg gekostet hat uns wahrscheinlich das katastrophale Abschneiden bei der Höflichkeit (vorletzter Platz, rüpelhafter sind nur noch die Italiener), beim Geiz (fünftletzter Platz, Schlusslicht ist hier völlig überraschend Kanada) und bei der Lust am Meckern und Beschweren (angeblich sind nur die Nordamerikaner noch größere Querulanten).
Die Schlusslichter
Wirklich beunruhigend aber ist das desaströse Ergebnis der Milliardenvölker und künftigen touristischen Großmächte Indien und China, um deren Bewohnerschaft alle Reiseländer buhlen wie um Heilande im Hundertmillionenpack. Da können wir uns ja auf etwas gefasst machen: Der Inder wie der Chinese kann sich nicht benehmen, hält keine Ordnung, ist geschmacklos gekleidet, interessiert sich nicht für die Landesküche und hat obendrein noch Stacheldraht um seine Geldbörse gespannt.
Rotchinesischer Hooliganismus in Rothenburg ob der Tauber? Peking-Ente statt Thüringer Rostbratwurst in der dann verelendeten deutschen Geisteshauptstadt Weimar? Rußschwarze Chapati-Garküchen auf dem Heidelberger Schloss? Chaos wie in Kalkutta auf der Kölner Domplatte? Das Rheinland liegt am Ganges! Da gibt es nur eines: die Rheinländerin Heidi Klum zum Missionieren hinüberschicken, das hat gleich einen zweifachen Effekt: Wir sind die Supermodeldespotin für eine ganze Weile los, und sie schickt eines schönen Tages lauter Supertouristen zu uns.