15.06.2005 · Die Iberische Halbinsel leidet unter der schlimmsten Dürre seit Jahrzehnten. In einigen Teilen Spaniens wird das Wasser rationiert. Eine Mitschuld am Wassermangel wird auch den Touristen gegeben.
Die Bewohner von Huesca müssen in diesem Sommer in den Schwimmbädern keinen Eintritt zahlen. Die gute Nachricht hat jedoch eine bittere Kehrseite: Die Becken in den Bädern der nordspanischen Stadt sind wegen der anhaltenden Dürre ohne Wasser, die Besucher müssen mit einem Sonnenbad vorlieb nehmen. „Das ist Surrealismus in Reinform, wie Tennis ohne Schläger“, meint die Zeitung „El Mundo“.
Die Provinzhauptstadt an den Ausläufern der Pyrenäen liegt in einer Gegend, die am schlimmsten von der „Jahrhundertdürre“ in Spanien betroffenen ist. Die Wasservorräte reichen allenfalls noch für 100 Tage, der Vadiello-Stausee ist nur zu einem Fünftel gefüllt. Die Bewohner der Dörfer in der Umgebung sind noch übler dran. In 200 Orten versiegten bereits die Wasserhähne. Wasser wird mit Tankwagen geliefert, aber nur zum Trinken und Waschen. Die Gärten verdorren. „Wie soll ich einem Großvater erklären, daß er seine Gemüsebeete nicht mehr gießen darf, wie er es 70 Jahre lang getan hat?“, fragt sich ein Dorfbewohner.
Wasserverbrauch steigt ständig
Spanien leidet unter der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren. In immer mehr Regionen verhängen die Behörden Einschränkungen für den Wasserverbrauch. Auch Urlaubergebiete sind betroffen. An der Costa Blanca, südlich von Alicante, ordneten die Behörden an, den Wasserdruck in den Leitungen zu senken und Strandduschen abzustellen. Pools ohne geschlossenen Kreislauf dürfen nicht gefüllt werden.
Der Wassermangel hat nicht nur mit ausbleibenden Regenfällen zu tun, sondern auch mit dem ständig steigenden Verbrauch. In Madrid hat sich infolge des Baubooms die Zahl der Eigenheime in 15 Jahren fast verdreifacht, und zu den meisten Chalets gehört auch ein Swimmingpool. Im Großraum der Hauptstadt sind 28 Golfplätze in Betrieb. Das Sprengen der Rasenflächen verbraucht so viel Wasser wie eine Stadt mit 100.000 Einwohnern mitsamt Industriebetrieben.
„Touristen duschen zuviel“
Wenn das Wasser knapp wird, zeigt man in Spanien gern auf die ausländischen Urlauber. Die Touristen kommen ausgerechnet in der heißesten und trockensten Jahreszeit ins Land. Von ihnen heißt es, daß sie besonders häufig duschten und so den Wasserverbrauch in die Höhe trieben. Zum Beleg dieser - in Spanien verbreiteten - Ansicht führt die Zeitung „La Vanguardia“ eine britische Studie an. Danach verbraucht ein Tourist pro Tag im Durchschnitt 880 Liter Wasser, dreimal so viel wie ein Einheimischer.
Die Ernteausfälle in der Landwirtschaft werden auf 2,5 Milliarden Euro geschätzt. In der Gegend von Jaén in Südspanien gaben die Bauern es auf, in der Hoffnung auf Regenwolken in den Himmel zu blicken. Sie suchen das Wasser unter der Erde und zapfen unterirdische Reservoirs an. Dabei nutzen sie hochmoderne Technik, wie sie bei der Suche nach Erdöl eingesetzt wird, und stoßen in Tiefen von bis zu 1000 Meter vor. Die meisten dieser Bohrlöcher sind illegal. „Wenn ich warte, bis ich einige Genehmigung erhalte, sind meine Olivenbäume verdorrt“, rechtfertigt sich ein Farmer.
Stromausfälle drohen
Zur Dürre kommen nun Warnungen vor drohenden Stromausfällen hinzu. Wegen der sinkenden Wasserstände in den Stauseen arbeiten die Kraftwerke mit verminderter Leistung. Zudem fiel ein Atomkraftwerk wegen verrotteter Leitungssysteme bis auf weiteres aus. Auf der Gegenseite stieg der Stromverbrauch rapide an. Überall im Land ließen die Spanier Klimaanlagen in ihre Wohnungen installieren. „El Mundo“ fürchtet Schlimmes: „Es droht ein Sommer ohne Wasser und im Dunkeln.“