31.08.2006 · Das italienische Seebad Riccione, von Touristen reichlich überschwemmt, wirbt seit neuestem mit einem eigenen Strandabschnitt für muslimische Frauen. Vertreter der Lega Nord plappern vom umgekehrten Rassismus - gegen italienische Männer.
Das italienische Seebad Riccione wirbt seit neuestem mit einem Strandabschnitt, der - blickdicht sozusagen - eigens für muslimische Frauen eingerichtet worden ist. Riccione lebe vom Tourismus, sagt die zuständige Stadträtin, und man habe sich auf die Wünsche aller Urlauber einzustellen, natürlich auch auf die aus der arabischen Welt. Ein FKK-Strand sei schließlich auch nichts anderes als die Verwirklichung eines besonderen Interesses - nur eben für eine andere Gruppe von Urlaubern. Vor allem Politiker von der Lega Nord sprechen dagegen von dem neuen Riccione-Modell als einem "umgekehrten Rassismus", der Männer, italienische Männer, ausschlösse. Und der Christdemokrat Carlo Giovanardi gibt zu bedenken, daß in Italien gesetzlich der freie Zugang zum Meer für jeden garantiert sei.
Natürlich ist es eine merkwürdige Vorstellung, daß man einen Teil des Strands absperrt, um Musliminnen aus Saudi-Arabien und anderen Ländern strenger Observanz das Baden zu ermöglichen. Manchen mag das irritieren: Wird in Saudi-Arabien im Gegenzug etwa ein Strand für Nackt- oder Halbnacktbader eingerichtet?
Gewiß, in der Malerei, bei Ingres etwa, ließ man sich im neunzehnten Jahrhundert den Blick in das orientalische Frauenbad gern gefallen, aber nun, da der Orient mit seinem Geld und seinen Sitten in Europa gelandet ist, mag mancher um seine Urlaubsfreuden bangen. Doch wie war das denn, als die ersten Urlauberströme an Italiens Küsten vordrangen? Der Teutonengrill mit bayerischem Bier und selbstverständlicher Huldigung der Oben-ohne-Mode entsprach sicher auch nicht den Moralvorstellungen der heimischen Bevölkerung - und wurde dennoch mit großer Selbstverständlichkeit gefordert und praktiziert.
In beiden Fällen, damals wie heute, war die Kaufkraft der entscheidende Faktor bei der Kolonisierung der Urlaubswelt. Und die Einflüsse modisch-moralischer Art reichen längst über den Strand hinaus: Auch in den Umkleiden und Saunen deutscher Fitness-Clubs, in denen der Anteil türkischer Gäste hoch ist, herrscht eine Art Prüderie, von der man meinte, sie sei in Deutschland glücklich überwunden. Solche Verschiebungen finden allerdings rund um den Globus statt: Deutsche Rentner und Pflegebedürftige siedeln zu Zehntausenden an der türkischen Adriaküste, ihre Hochburg ist Alanya. In den Sommermonaten trifft der Besucher in München auf so viele tiefverschleierte Frauen mit Gucci-Sonnenbrillen und Hermès-Accessoires, daß er zu zweifeln beginnt, ob er sich wirklich in der bayerischen Hauptstadt befindet.
Das Geld bringt alles und alle zusammen, und zwar so, daß sich jedermann sogleich wieder separiert, sich mit dem Schneckenhaus der eigenen kulturellen Gewohnheiten auf dem Rücken durch die Fremde bewegt. Lauter vermeintliche Selbstbehauptungen, die doch nur eine Demonstration der Unfähigkeit sind, sich zu verändern - und sei es für die Dauer einer Reise. jei
Teutonengrill und Harem am Strand
Franz Altmann (elviejo_136)
- 01.09.2006, 14:36 Uhr
Den Bezugsartikel wohl nicht richtig gelesen,
Klaus Meyer (deutschlaender2)
- 13.09.2006, 09:17 Uhr