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Internet-Bewertungen Hast du mal 'n Hoteltipp?

Mit Berichten und Fotos für Reise-Communities im Internet bessern immer mehr Nutzer ihre Reisekasse auf. Dabei reicht der Verdienst von ein paar Cent zu mehreren hundert Euro - wenn man jeden Tag Stunden im Netz verbringt.

© REUTERS Vergrößern Dank Internet bleiben stille Buchten kein Geheimnis mehr

An einem Junitag vor zwei Jahren stellte Pierre van Eck sein Leben auf den Kopf. Damals stöberte der Südafrikaner im Internet und stieß auf eine Seite, die ihn sofort begeisterte. Dort konnten sich Mitglieder über ihre Reiseerlebnisse in der ganzen Welt austauschen, eigene Reiseberichte einstellen, Hotels bewerten und Urlaubsfotos hochladen - und dafür bekamen sie sogar Geld. Es dauerte nicht lange, bis van Eck mit Berichten über sein Heimatland die ersten Euro verdiente. Ein halbes Jahr später kündigte er seinen Job als Manager in einem Hotel in Moorreesburg bei Kapstadt. Seitdem schreibt van Eck hauptberuflich Reisekritiken im Internet.

Das Web 2.0, das Mitmach-Internet, bei dem sich jeder einbringen und Informationen anderen zur Verfügung stellen kann, erlebt derzeit einen Boom. Dutzende sogenannter Reise-Communities sind entstanden, bei denen Leute, die gerne reisen, ihre Informationen austauschen. Überall im Netz entstehen neue Foren, jüngst zum Beispiel Tripsbytips.de und Tripflip.de. Schon etwas länger online sind Trivago.de, Tripadvisor.de, Travello.com und Yabadu.de.

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Selbstreinigung durch das Wissen der Masse

Um möglichst viele Bewertungen zu erhalten und somit Nutzer auf die Seite zu locken, bieten immer mehr Portale ihren Mitgliedern eine Vergütung für das Einstellen ihrer Informationen an. "Wir schütten fünfzig Prozent der Einnahmen an die Mitglieder unserer Community aus", sagt Malte Siewert, Geschäftsführer von Trivago, einer der größten deutschsprachigen Reise-Communities im Netz, über die auch der Südafrikaner van Eck sein Geld verdient. Die Philosophie dahinter ist einfach: Über seine Urlaubserlebnisse schreiben kann jeder, der übers Internet mit der Außenwelt verbunden ist. Da ist es völlig egal, in welchem Land er lebt. "Unser Konzept ist eine Mischung aus dem demokratischen Wikipedia-Prinzip mit Selbstreinigung durch das Wissen der Masse und einem Business-Modell, bei dem die Mitglieder beteiligt werden", sagt Siewert. "Das macht die Erstellung einer derart großen Anzahl von Daten überhaupt erst möglich."

Auf der Seite, die seit 2005 online ist, befinden sich mittlerweile mehr als 150 000 Hotelbewertungen, 1,6 Millionen Fotos und Informationen zu 50 000 Ausflugszielen, dazu kommt ein Hotelpreisvergleich mit rund 270 000 Häusern weltweit. Derzeit verbringen jeden Monat etwa 55 000 Mitglieder durchschnittlich 20 000 Stunden damit, Trivago mit Inhalt zu füllen. Sie verfassen Reiseberichte, Reiseführer, Bewertungen und Reisetipps, stellen Fotos ein und kümmern sich um die Administration. Insgesamt neun Mitgliedsstufen gibt es. Die Höhe des Verdienstes richtet sich nach dem Aufwand. Alle zwei Monate wird ausgeschüttet. "Wer sehr aktiv ist, kann damit sehr gutes Geld verdienen", sagt Siewert. In seiner Community gebe es mittlerweile beinahe alles, vom Banker über den Polizisten bis zum Hartz-IV-Empfänger.

Acht-Stunden-Tag im Netz

Tatjana Wied ist seit drei Jahren dabei. Zunächst arbeitete sie in jeder freien Minute für die Community, berichtet sie. "Jetzt, da das Kind da ist, nur noch acht Stunden in der Woche." Immerhin bringt es die junge Frau aus Hünstetten-Limbach im Taunus so auf einen Umsatz von 2000 Euro im Jahr.

Es ginge ihr dabei hauptsächlich um den Spaß, sagt Wied. Beim Südafrikaner van Eck sehen die Motive anders aus. Über die Community verdient er bis zu 500 Euro monatlich. "Das sind umgerechnet 5000 Rand", sagt der 45-Jährige. "Dafür muss ich in Südafrika ganz schön lange arbeiten." Rund acht Stunden am Tag ist van Eck dafür im Netz. Vor allem der schwache Wechselkurs des Rand gegenüber dem Euro mache die Arbeit derzeit attraktiv, sagt er.

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Veröffentlicht: 29.04.2008, 12:28 Uhr