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Insel im Ärmelkanal Sark und wie es die Welt sah

Seit Jahren versuchen zwei britische Milliardäre, auf der winzigen Kanalinsel Sark die Demokratie einzuführen. Doch viele Insulaner haben kein Interesse und wollen lieber alles so lassen wie es ist: traditionell.

© Camille Moirenc/hemis.fr/laif Die Insel Sark aus der Luft: „La Coupée“ heißt die Verbindung zwischen „Big Sark“ und „Little Sark“, die beiden Teile der verschlafenen Insel im Ärmelkanal

Sark ist eine sehr kleine Insel im Ärmelkanal. Das Meer, aus dem sie herausragt, scheint sich alle paar Stunden neu zu entscheiden, ob es jetzt noch ruhige Nordsee oder schon ausgewachsener, stürmischer Atlantischer Ozean sein möchte. Die Lage auf der Landkarte würde beides erlauben. Es ist zehn Uhr morgens. Gleich wird die erste Fähre des Tages von der Nachbarinsel unten im Hafen ankommen. Ein kleiner Traktor poltert den sandigen Abhang hinunter. Im Schlepptau hat er einen Anhänger, der ein bisschen so aussieht wie ein zu groß geratener englischer Toasthalter. Auf dem Rückweg wird er beladen sein mit gutgelaunten, mittelalten Pärchen in kurzen Hosen, Tennissocken und den winzigen Lederrucksäckchen, die nur Frauen zwischen 45 und 65 tragen können. An den zwei staubigen Straßen, die die geschäftigste Kreuzung der Insel bilden, werden sie aussteigen und sich verstreuen.

Sie werden den nur ein, zwei Stunden dauernden Fußweg um die ganze Insel herum machen, einmal an ihren ringsum reichenden Steilküsten entlang. Sie werden die erstaunlich mediterrane Vegetation bewundern und im Garten von „Sue’s Bed and Breakfast“ vielleicht einen „Cream Tea“ trinken. Autos waren hier noch nie erlaubt, asphaltierte Straßen auch nicht. Und dass seit einigen Jahren immer wieder über die Insel schwirrt, es gebe Pläne, Straßenlaternen aufzustellen und so den klaren Sternenhimmel zu ruinieren, ist auch nur ein böses politisches Gerücht. Denn seit einigen Jahren wird auf Sark - aller Idylle zum Trotz - politisch intrigiert.

Disneyschlösschen mit Hubschrauberlandeplatz

Bis vor gar nicht langer Zeit, bis 2008, um genau zu sein, wurden die Sarkees, wie die sehr freundlichen, aber manchmal etwas kauzigen Inselbewohner heißen, vom letzten Feudalstaat Europas regiert. Wie die anderen Kanalinseln ist Sark nämlich nicht Teil von Großbritannien, sondern direktes Eigentum der britischen Krone. Irgendwann im 16. Jahrhundert hatte Elisabeth I. einem kleinen Fürsten erlaubt, hier zu siedeln und sich selbst zu regieren. Im Gegenzug verlangte sie nur eine Art Miete, die dann ein paar Hundert Jahre lang nicht an die Inflation angepasst wurde und deswegen heute um die zwei Pfund Sterling beträgt.

21645554 Um die alte Seigneurie liegt ein großer Garten © Quark Bilderstrecke 

Der „Seigneur“, wie fast alles auf der Insel hat auch das Staatsoberhaupt einen altertümlich-französisch klingenden Namen, bekam seinen Titel vererbt, und zusammen mit den Landbesitzern lenkte er die Geschicke der Insel gerade so, dass genug Zeit blieb, um sich noch dem schönen, großen Garten der Seigneurie zu widmen. Es gab zu tun, aber nicht zu viel. Die Außenpolitik bestand 400 Jahre lang fast ausschließlich in dem Bemühen, gut, aber nicht zu gut mit England befreundet zu sein. Der aktuell amtierende Seigneur hatte vor dem Amtsantritt als Landschaftsingenieur gearbeitet und vertrieb sich die staatsoberhauptliche Zeit, indem er beispielsweise eigenhändig ein Heckenlabyrinth für die Kinder der Insel anlegte.

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