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Donnerstag, 16. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Hüttenromantik Ofen für alles

16.03.2005 ·  Steile Hänge, Tiefschnee und Einsamkeit: Hüttenurlaub macht süchtig; die meisten Touristen sind Stammgäste. Sie verlieben sich in eine Hütte und wollen jedes Jahr wieder hin. Einsteigern helfen bei der Suche erfahrene Agenturen.

Von Daniel Meuren
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Im Nebel weiß man erst, welch große Entfernung einhundertfünfzig Meter sein können. Kein Laut dringt von den stets spielenden und kreischenden Kindern der französischen Nachbarn hinauf zu unserer Hütte. Sehen kann man ohnehin kaum weiter als zwanzig Meter. Allein mit der Hütte ist man endlich bei sich. Der Holzofen bollert, das Feuer lodert, es ist warm.

Nach Ostern ist die Zeit, in der Peter Godula die Träume auch jener Hüttensüchtigen erfüllen kann, die nicht seit Generationen ein Anrecht auf eine Woche Hüttenurlaub geerbt haben. Godula ist Gründer und Besitzer der ältesten Hüttenagentur der Alpen.

Vom Kaminkehrer bis zum Ölscheich

Sein Unternehmen Pego hat im Internet alles von der kleinen Ferienwohnung bis zum Schloß an der oberösterreichischen Donau im Angebot. Godulas Spezialgebiet aber sind die urigen Bergunterkünfte an steilen Hängen und mitten in grünen Wiesen. Solche Traumherbergen für zwei bis zwei Dutzend Personen sind ebenso begehrt wie selten. "Im Winter ist es kaum möglich, eine Hütte zu mieten, weil fast alle seit vielen Jahren an dieselbe Familie vergeben sind", sagt Godula. "Hüttenurlauber sind eben fast alle Stammgäste. Die verlieben sich in eine Hütte und wollen jedes Jahr wieder zur selben Zeit dorthin."

Godula macht unabhängig von diesen Stammkunden eine wachsende Schar an Urlaubern aus, die eine schlichte und romantische Hütte für die Erholungswoche zwischendurch suchen. "Das sind Leute, die die Einfachheit und Unabhängigkeit auf der Hütte für die Gaudi suchen, das können auch Schriftsteller sein, die Ruhe suchen, oder Familien, die ihre Kinder mal aus allem Trubel rausholen wollen." Godulas Kundschaft erstreckt sich vom Kaminkehrer bis zum Ölscheich. Das Geschäft boomt jedenfalls und würde noch besser laufen, wenn es mehr Hütten gäbe, sagt er. So aber sucht der Vorarlberger fast schon verzweifelt weniger nach Kunden als nach Hüttenbesitzern, die ihr Haus zumindest zeitweise vermieten wollen.

Absolute Stille

Nach den Osterferien allerdings bietet sich sogar die große Chance für jene, die den Zauber einer verschneiten Hütte genießen wollen. Jetzt braucht auch Johann Berthold, der Jäger vom Silbertal und Besitzer der Hütte am Kristberg, die Vermittlungshilfe Godulas. Das Skigebiet rund um die Hütte im Seitental des Montafon stellt nach Ostern die Lifte ab, die Seilbahn transportiert während ihres dreiwöchigen Jahresurlaubs keine Touristen den Berg hinauf auf die Hütte in vierzehnhundert Meter Höhe.

Nur noch auf der anderen Seite des Tals sind mit dem Fernglas die Skifahrer im Skigebiet Schruns-Hochjoch beim Wedeln durch eher matschigen Schnee zu beobachten. Selbst das Hotel und das Ausflugslokal am Skilift sind geschlossen. Aus dem Silbertal schiebt sich in dichten Dunst- und Nebelschwaden absolute Stille den Berg hinauf. Wohltuende Einsamkeit macht sich breit. Wir sind allein.

Zwischen Schnee und saftiger Wiese

Wenn es neblig wird oder Nacht, wird das Nichts fast schon greifbar. Dann wird die Ruhe noch ruhiger, die Einsamkeit noch einsamer. Der Ofen in der Mitte der Wohnküche ist der einzige Wärmespender für die insgesamt fünf Zimmer und das Bad. Er erfüllt seine Aufgabe so zufriedenstellend, daß am nebligen Morgen gar kein Bedürfnis besteht, die vier Wände zu verlassen.

Das verhält sich freilich anders, wenn die Sonne scheint. Dann lädt die Loipe, die in den Wochen vor Ostern noch Heerscharen an Skilangläufern am Haus vorbeigeführt hat und nun genau die Schneegrenze markiert, zu Wanderungen zwischen Schnee und saftiger Wiese ein. Kein Mensch verirrt sich in diese scheinbar unzugängliche Landschaft.

Hoffentlich zieht morgen Nebel auf

Mit ein wenig Phantasie fühlt man sich wie Alexander von Humboldt auf einer Expedition, zumal dann, wenn unerwartet aus dem steilen Waldhang eine kleine Geröll-Lawine auf den Waldweg stürzt. Ein Rudel Gemsen macht sich nicht weit von uns auf den Weg zu einer Fütterungsstelle. Wir verhalten uns ruhig und werden Zeugen eines faszinierenden Naturschauspiels.

Genug der Abenteuer für heute. Wir wollen uns wieder an unseren Ofen kuscheln. Der Knappenweg, auf dem jahrhundertelang die Bergarbeiter zu ihrer Arbeit gingen, führt uns am zugefrorenen Faulensee vorbei zurück. Kurz vor unserer Hütte erinnert noch heute die Knappenkapelle auf dem Kristberg an diese Zeit. Kaum haben wir die Hütte erreicht, beendet die Sonne ihr kurzes Tagewerk. Wir haben auch genug getan. Hoffentlich zieht morgen Nebel auf. Dann können wir mit bestem Gewissen faulenzen.

Der Weg zur Hütte

Private Anbieter Unter www.pego.at kann man sich vor allem Hütten in Österreich samt Fotos und Beschreibung anschauen. Hat man sich entschieden, nimmt die Agentur von Peter Godula die Buchung entgegen und vereinbart den Treffpunkt für die Schlüsselübergabe. Einfache Hütten gibt es außerhalb des Winters schon zu gemäßigten Preisen ab 160 Euro pro Woche. Die Hütte am Kristberg kostet ab 400 Euro. Informationen unter Tel. 0043/ 5552/65666, E-Mail: info@pego.at.

Unter www.huetten.com finden sich "Almhütten und Chalets" im gesamten Alpenraum. Die Seite des "Hütten-Miet-Service" in Klagenfurt bietet ganze "Hüttenpackages" mit organisierten Bahnfahrten und Transfers zur Hütte. Eine Woche auf einer 8-Personen-Winter-Hütte im Vorarlberg kostet inklusive Zuganreise von/nach München ab 229 Euro pro Person. Weitere Informationen unter Tel. 01805/771077 E-Mail: info@huetten.com.

www.grether-reisen.de bietet Ski- und Freizeithütten für Gruppen ab acht Personen an. Die Seite von Thomas-Grether-Reisen unterhält Hütten in Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und Spanien. Die Pauschal-Hütten-Preise für acht Personen und eine Woche beginnen bei 700 Euro. Informationen unter Telefon 0721/552682, E-Mail: info@grether-reisen.de.

Auf der Seite www.berghuetten.com sind Hütten in Deutschland und Österreich nach Größe geordnet (von 2 bis 120 Personen). Eine "urige Hütte für Aussteiger" gibt es im Sommer für zwei Personen ab 240 Euro pro Woche. Weitere Informationen unter Tel. 08191/50343 (ab 14.00 Uhr), E-Mail: berghuetten-moser@t-online.de.

Exklusiver als im Almdorf Seinerzeit (www.almdorf.com) in Kärnten kann ein Hüttenurlaub kaum sein. In den Chalets werden Urgemütlichkeit und 5-Sterne-Luxus verbunden: der offene Kamin, die nostalgische Wohnküche und die Holzbadewanne gehören genauso dazu wie das servierte Frühstück auf der geräumigen Terrasse. Die Preise pro Chalet und Tag für zwei Personen beginnen bei 200 Euro. Informationen unter Tel. 0043/4275/720, E-Mail: office@almdorf.com.

Auf der Seite www.huetten.de bietet das Freiburger Unternehmen Interchalet "20000 individuelle Ferienhäuser und Ferienwohnungen" in ganz Europa an. Der Begriff Ferienhaus vereint jedoch nicht nur abgelegene Berghütten, sondern auch gewöhnliche Ferienwohnungen. Die Hüttenpreise für eine Woche (Sommer) für vier bis sechs Personen beginnen bei etwa 250 Euro und reichen bis etwa 750 Euro. Informationen unter Tel. 0761/210077, E-Mail: info@interchalet.com.

Alpenvereine Unter www.alpenverein.de, der Seite des deutschen Alpenvereins, finden sich 332 öffentlich zugängliche Hütten, die von den DAV-Sektionen verwaltet werden. Die Hütten sind in drei Kategorien unterteilt: einfache Hochgebirgsschutzhütten, bewirtete Stützpunkthütten und mit dem Auto erreichbare Ausflugshütten. Die Übernachtungen kosten im Zimmerlager 24, im Matratzenlager 18 Euro, Mitglieder zahlen deutlich weniger. Die Buchung der fast ausschließlich bewirteten Häuser erfolgt in der Regel direkt über die Hütte. Auf der Alpenvereins-Homepage finden sich unter dem Link "Hüttensuche" alle Telefonnummern und Informationen zu Lage und Größe, Anreise und Tourenmöglichkeiten.

Der Österreichische Alpenverein ist Eigentümer von circa 250 Schutzhütten und somit der größte Beherbergungsbetrieb in Österreich. Im Internet sind sie auf der Seite www.alpenvereinshuetten.at mit Kontaktadressen, Bewirtschaftungszeiträumen, Größe und Infos zur Umgebung angegeben.

Unter www.bergtourismus.ch und dem Link "Berghütten" finden sich Informationen zu allen Bergunterkünften in der Schweiz. Die Seite des Schweizer Alpen-Clubs enthält Informationen zu 300 Hütten, die Hälfte davon sind Alpenvereinshütten. (asl)

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 13.03.2005, Nr. 10 / Seite V5
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